Regenmacher
So tricksen die US-Banken ihre Anleger aus

Mit Bilanztricks kaschieren sogenannte „Regenmacher“ die Folgen von Euro-Krise und Konjunkturflaute für amerikanische Geldhäuser. Wie sich an den Zahlen zum dritten Quartal zeigt, sind sie dabei ziemlich erfolgreich.

New YorkRegenmacher - so heißen die Experten an der Wall Street, die auch das Unmögliche möglich machen sollen. Normalerweise wird diese Truppe eingesetzt, um Kunden zu beeindrucken. Doch diesmal benötigt die US-Finanzmeile die Schamanen des Kapitalmarkts für die eigenen Bilanzen. Sie sollen auch in schlechten Zeiten für Gewinne sorgen.

Wie sich an den Zahlen zum dritten Quartal zeigt, sind sie dabei ziemlich erfolgreich. Sie setzen dabei weniger auf okkulte Riten als auf den gut sortierten Instrumentenkasten der Bilanzkosmetik. Das Ergebnis: Trotz der schwachen Kapitalmärkte, Rezessionssorgen und riesigen Abschreibungen verbuchten viele US-Institute Milliardengewinne. "Wir versuchen alle, uns irgendwie über die Durststrecke zu retten. Hoffentlich klappt es", sagt ein Bankenanalyst einer großen New Yorker Adresse, der anonym bleiben will.

Die mächtigste Waffe im Kampf der Regenmacher um Gewinne lässt sich am Beispiel der am Mittwoch vorgelegten Zahlen von Morgan Stanley illustrieren. Stolz weist die zweitgrößte US-Investmentbank einen Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar oder 1,14 Dollar je Aktie aus. "Morgan Stanley hat die Turbulenzen am Kapitalmarkt effektiv umschifft", freut sich Bankchef James Gorman.

Belastungen herunterrechnen

Dabei entfallen jedoch 1,12 Dollar des Gewinns je Anteilsschein auf einen legalen Bilanztrick, bei dem aus dem fallenden Wert der eigenen Schulden Profite generiert werden. Dieser als Debit Valuation Adjustments (DVA) bekannte Effekt funktioniert grob gesprochen so: Weil der Ruf der Bank gelitten hat und die Märkte an einer hundertprozentigen Rückzahlung zweifeln, sinkt der Wert der ausstehenden Anleihen. Dies kann ein Institut nutzen, um die Belastungen aus den eigenen Verbindlichkeiten herunterzurechnen. Die Differenz ist praktisch Reingewinn.

Es ist kein Wunder, dass dieser Effekt bei Morgan Stanley so groß ist. Schließlich wurde zuletzt am Markt spekuliert, das Frankreich-Engagement der Bank könnte sie zu Fall bringen. Nicht nur Morgan Stanley nutzt den DVA-Effekt. Bei JP Morgan und Citigroup entstanden durch diese Regel Erträge von 1,9 Milliarden, bei Bank of America waren es vor Steuern 6,2 Milliarden Dollar.

Lediglich bei Goldman Sachs, die als die größten Regenmacher der Wall Street gelten, verbuchte man aus diesem Effekt nur ein Plus von 450 Millionen Dollar. Als einzige US-Großbank fuhr Goldman einen Quartalsverlust ein. Keith Horowitz, Analyst bei der Citigroup, erklärte das in einer Studie damit, dass Goldman eine der wenigen Banken sei, die versuchten, Schwankungen des DVA-Effekts mit Derivaten auszugleichen. Ein Sprecher der Bank bestätigte den Derivate-Einsatz.

Wie der DVA-Effekt ist auch der zweite wichtige Bilanztrick aus dem vergangenen Quartal legal. Dabei geht es um die Auflösung von Risikovorsorgepositionen aus der Vergangenheit. Die großen US-Geschäftsbanken haben in der Finanzkrise Milliarden für den Ausfall vor allem von Konsumkrediten beiseite legen müssen. Das belastete damals die Gewinne massiv. Nun stellt sich heraus, dass es doch nicht ganz so schlimm gekommen ist. Daher kann man diese Vorsorgepositionen nun sukzessive auflösen und den Gewinnen zuschlagen.

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