Regierung dementiert Abfluss
Sparer lassen ihr Geld auf Bankias Konten

Von den Konten der verstaatlichen Bankia sollen in der vergangenen Woche Gelder in Höhe von einer Milliarde Euro abgeflossen sein. Die spanische Regierung und das Institut dementieren.
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MadridTrotz der Verstaatlichung haben die Bankia-Kunden offenbar das Vertrauen in die spanische Sparkasse verloren. In der vergangenen Woche zogen sie über eine Milliarde Euro aus dem Institut ab, wie die Zeitung „El Mundo“ am Donnerstag unter Berufung auf eine Verwaltungsratssitzung berichtete. Der neue Verwaltungsratschef Jose Ignacio Goirigolzarri habe seine Gremiumskollegen über den Abzug der Gelder informiert.

Die Regierung wies den Bericht zurück. „Es ist nicht wahr, dass es derzeit einen Abfluss von Einlagen bei Bankia gibt“, sagte Vize-Wirtschaftsminister Fernando Jimenez Latorre. Insgesamt liegen zehn Prozent der spanischen Spar-Einlagen bei Bankia. Die teilverstaatlichte Sparkasse teilte mit, dass es keine großen Veränderungen bei den Einlagen in den vergangenen Tagen gegeben habe.

Vor einer Woche hatte Ministerpräsident Mariano Rajoy in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Kontrolle über die zweitgrößte Sparkasse des Landes übernommen. Bankia war erst zwei Jahre zuvor auf staatlichen Druck aus der Fusion schwächelnder Sparkassen entstanden. Die Aktien des Instituts brachen am Donnerstag zeitweise um 30 Prozent auf ein Rekordtief ein.

Die spanische Regierung will die fatale Immobilienkrise des Landes mit massiven Eingriffen in den Bankensektor ein für alle mal in den Griff bekommen. Die Regierung beschloss am vergangenen Freitag eine tiefgreifende Reform der Branche: Die Institute müssen zusätzlich noch etwa 30 Milliarden Euro für faule Kredite zurücklegen und ihr Immobilienvermögen auslagern. Insgesamt sollen die Rückstellungen so auf 137 Milliarden Euro anschwellen.

Zudem müssen die Geldhäuser ihr Immobilien-Portfolio von unabhängigen Buchprüfern auf versteckte Risiken abklopfen lassen. Vielen Finanzprofis gingen die Ankündigungen für den mittlerweile vierten Anlauf zur Bereinigung des Bankensektors nicht weit genug. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone droht vor allem wegen der gravierenden Probleme der Banken immer tiefer in den Strudel der Schuldenkrise zu geraten und diese dramatisch zu eskalieren.

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  • Ich habe mein Geld gestern auch schon mal vorsorglich abgehoben, denn ich will nicht bei den letzten sein, die dann vor verschlossenen Banken stehen. Die Menschen verlieren immer mehr und immer schneller das Vertrauen in das Papiergeld und das europaweit. Griechenland und Sapnien sind der Anfang. In Italien haben auch schon sehr viele Menschen ihr Geld abgehoben. Die Presse berichtet über so etwas nur sehr verhalten. Durch das Geld abheben haben einige Banken schon große Probleme bekommen und es wird für sie immer schwierige sich zu refinanzieren.
    So war es damals in der großen Wirtschaftskrise auch. Es fängt an, dass einige Leute ihr Geld abheben und dann wird eine Lawine losgetreten, da jeder Angst hat, bei den letzten zu sein, die dann kein Geld mer bekommen. Man hat bei manchen Banken schon klammheimlich Klauseln in die Geschäftsbedingugen aufgenommen. Demnach muss der Kunde auf Wunsch der Bank Auszahlung schriftlich anmelden und er hat keinen Anspruch darauf, das Geld sofort ausbezahlt zu bekommen. Die Banken wissen was kommt und haben sich schon mal dafür gerüstet.

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