Regulierung: Banken müssen faule Kredite schneller loswerden

Regulierung
Banken müssen faule Kredite schneller loswerden

Die Kreditstandards für Europa und viele andere Länder werden hochgeschraubt. Bisher müssen erst bei drohendem Ausfall Reserven aufbauen, nun schon bei der Vergabe eines Kredits. Risiken sollen so reduziert werden.
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LondonBanken in Europa und vielen anderen Ländern müssen künftig weit früher und umfassender für Kreditausfälle vorsorgen als bisher. Nach den Vorstellungen des für den in mehr als 100 Staaten geltenden Bilanzstandard IFRS zuständigen Gremiums gibt es bald keine völlig risikolosen Kredite mehr in den Büchern der Banken.

Deshalb sollen sie für alle Kredite und Finanzinstrumente von Anfang an Rückstellungen bilden, wie aus dem neuesten Entwurf des International Accounting Standards Board (IASB) hervorgeht, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Das Gremium zieht damit eine Lehre aus der Finanzkrise von 2007/08, als viele Banken unter einer Flut von unerwarteten oder unterschätzten Risiken fast zusammenbrachen.

Bisher müssen - und dürfen - die Institute erst dann die Risikovorsorge aufstocken, wenn der Kreditnehmer mit den Raten im Rückstand ist oder in Schieflage geraten ist.

Künftig müssen sie Reserven für jeden Kredit bilden, sobald die Bank ihn vergeben hat. Wie hoch diese ausfallen, richtet sich nach dem Verlust, der der Kreditgeber in den nächsten zwölf Monaten bei einem Ausfall zu erwarten hat - etwa weil die Branche, in der der Kreditnehmer aktiv ist, ein gewisses Risiko birgt. Wenn es schon zu Tilgungs- oder Zinsrückständen gekommen ist, muss der drohende Verlust über die gesamte Laufzeit sofort in der Bilanz berücksichtigt werden.

Das IASB geht damit nicht so weit wie die Schöpfer des US-Bilanzstandards US-GAAP, das Financial Accounting Standards Board (FASB). Diese hatte bereits im Dezember einen Entwurf vorgestellt, nach dem die Banken schon beim Abschluss eines jeden Kredits für mögliche Ausfälle während dessen gesamter Laufzeit vorsorgen müssen.

Das könnte ihre Risikovorsorge nach Expertenschätzungen um die Hälfte anschwellen lassen - zu viel, wie IASB-Chef Hans Hoogervorst meint: Der jüngste Vorschlag des IASB "vermeidet ein übertriebenes Vorziehen von Verlusten, das die wirtschaftliche Realität nicht angemessen widerspiegeln würde", wie er sagte.

Die Politiker der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellen-Länder hatten die beiden Bilanz-Standardsetzer aufgerufen, sich bis Ende des Jahres auf ein gemeinsames Modell zu einigen. Doch Hoogervorst hatte das Streben nach einem Kompromiss Ende Februar aufgegeben. Das erschwert nicht nur Analysten und Anlegern die Vergleichbarkeit von Bankbilanzen.

Auch die Bankenaufseher im Baseler Ausschuss hatten auf Einheitlichkeit gedrungen. Denn schließlich hängt von den Wertberichtigungen auch ab, wie viel Kapital die Institute vorhalten müssen.

Die Vorstellungen des Baseler Ausschusses liegen näher an dem IASB-Entwurf als an dem FASB-Modell.

Wann die neue IASB-Bilanzregel in Kraft treten soll, steht noch nicht fest. Bis Juli haben die Betroffenen nun Zeit, ihre Stellungnahmen zu dem Entwurf abzugeben und Vorschläge für die Einführung zu machen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Regulierung: Banken müssen faule Kredite schneller loswerden"

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  • Lieber abcdefg,

    was ich geschrieben habe, ist kein Unsinn, sondern die Realität der Kreditvergabe bzw. der Gelderschaffung aus dem Nichts. Es ist eine Tatsache, das es in der Regel für 98 Prozent der vergebenen Kredite keinen physischen Gegenwert gibt (siehe Mindestreservesystem, im Gegensatz zu Bretton Woods bzw. einem vollständigem Goldstandard). Welches Risiko von Banken? Mit dem ESM wurde die Marktwirtschaft für Banken abgeschafft, weshalb auf Grund von Art. 15 GG entweder die Zinsen abgeschafft werden müssen oder die Banken halt verstaatlicht werden müssen, wie bereits die HRE, usw.!
    Private Zinsgewinne, bei gleichzeitiger Kredithaftung der Allgemeinheit ist mit unser Grundordnung NICHT vereinbar (Art. 15 GG)!

    Fakt ist, das es mit dem ESM keine Marktwirtschaft für Banken mehr gibt, sondern eine "Zins-Planwirtschaft" für wenige Reiche!

    Wie kriminell Bank(st)er gehandelt haben und handeln, kann jeder tagtäglich in den Medien nachlesen (inklusive Selbstmorden von Bankern)!

  • Ach ja, bevor ich es vergesse: Was hat die Überschrift mit dem Inhalt des Artikels zu tun. Ich kann mir zwar ggf. selbst einen Zusammenhang "basteln", aber woraus leitet das HB die These ab, dass Banken faule Kredite schneller loswerden müssen?
    Im Artikel geht es doch eigentlich darum, dass Banken früher Rückstellungen bilden müssen, ggf. für Kredite, die derzeit noch gar nicht als "faul" betrachtet werden.

  • Spannendes Thema: Banken sollen zukünftig also zukünftig für jeden Kredit Rückstellungen bilden, unabhängig vom Risiko?
    Das wird die Kreditkosten dann massiv verteuern. Da kann man ja schon auf das Gejammer der populistischen Politiker (und der Anti-Banken-Trolle in den Kommentaren bei Handelsblatt und anderen) warten, dass doch die Kredite viel zu teuer wären und die scheinbar so offensichtliche Zinsmarge zwischen Spar- und Kreditzinsen viel zu groß sei, d.h. die "bösen, gierigen" Banken sich ungerechtfertigt bereichern würden. Will ja auch heute schon keiner hören, dass die Zinsmarge eben nicht nur reinen Gewinn der Banken darstellt, sondern auch Kreditausfälle etc. abdecken muss.

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