Regulierung
Bankenverband lehnt Trennbanken ab

Die Trennung von Investmentbanking und dem Privatkundengeschäft war von der Politik angeregt worden. Die Krise habe gezeigt, dass Universalbanken stabiler seien als spezialisierte Institute, argumentiert der Verband.
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FrankfurtDer Bankenverband hat sich erneut für die Universalbanken starkgemacht und einer Trennung des risikoreichen Investmentbankings von den Kundeneinlagen eine Absage erteilt. "Ich glaube nicht, dass ein Trennbankensystem uns weiter bringt", sagte der scheidende Präsident des deutschen Bankenverbands, Andreas Schmitz, der "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe). "Die Krise hat vor allem gezeigt, dass Universalbanken oftmals stabiler sind als Spezialbanken." Denn so seien vor allem Spezialanbieter wie Lehman Brothers, Northern Rock oder der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate in Schieflage geraten. "Trennbanken sind nicht das Richtige für Kontinentaleuropa", sagte Schmitz, der im April sein Amt an Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen übergeben wird.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Bundesfinanzministerium einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, der Großbanken wie etwa die Deutsche Bank zwingt, den als spekulativ eingestuften Handel auf eigene Rechnung und Geschäfte mit Finanzinvestoren in einer getrennten Einheit zu betreiben. Dabei lehnt sich die Regierung an Vorschläge einer Experten-Kommission um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen an, geht aber nicht so weit wie dieser. Mit den Maßnahmen will der Bund die deutschen Sparer besser vor riskanten Geschäften der Banken schützen.

Sollten die Liikanen-Vorschläge umgesetzt werden, dann werden nach Einschätzung von Schmitz für die deutschen Kunden die Preise steigen. "Sie müssten künftig für die Dienstleistungen ihrer Hausbank und einer Spezialbank zahlen", sagte er. Vor allem Firmenkunden bräuchten diverse Investmentdienstleistungen wie Wechselkursabsicherungen. "Das gebe es dann nicht mehr aus einer Hand", merkte Schmitz an.

Die Deutsche Bank sieht die Vorschläge des Bundesfinanzministeriums ebenfalls mit Sorge. Die Pläne seien beunruhigend, hatte Co-Chef Anshu Jain am Donnerstag bei der Präsentation der Jahreszahlen in Frankfurt gesagt. "Wir haben definitiv keinen Grund zum Feiern."

Nach Ansicht von Schmitz haben die Banken durchaus ihre Lehren aus der Finanzkrise gezogen. "Sie halten mehr Eigenkapital vor, die Risikokontrolle ist viel besser geworden und die Banker setzen ihren gesunden Menschenverstand wieder öfter ein. Außerdem sind die Vergütungssysteme angepasst worden."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Regulierung: Bankenverband lehnt Trennbanken ab"

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  • Möglicherweise verstehen oder können einige mit der Aussage nichts anfangen. Deshalb verweise ich auf einen Artikel, der nichts mit Banken, im Besonderen nichts mit Investmentbanken direkt zu tun hat, aber das Problem aufzeigt.

    http://www.welt.de/finanzen/altersvorsorge/article113346940/Lebensversicherer-verdreissigfachen-ihre-Reserven.html

    Es ist nach diesen Regelungen des Bundesfinanzministeriums mit Unterstützung der Behörde ganz legal den Versicherungsnehmern deren erworbenes Beteiligungseigentum zu entziehen. Wenn dies so einfach geht, brauchen wir uns doch keine Gedanken mehr über strafrechtliche Verfolgung von Bankmanagern oder das Trennbankensystem als Allheilmittel zu machen.

    Hier muss Ross und Reiter genannt werden und wer für was zuständig war und ist. Wer zuständig war und ist, ist auch verantwortlich. Ansonsten hat er nichts beizutragen.

    Herr Steinbrück, der aktuell mal wieder in London wetterte, war zuständig, machte aber nichts, fühlte und fühlt sich nicht verantwortlich. Also hat er nichts beizutragen!

    Herr Schäuble in Sachen ESM auch zuständig, aber nicht verantwortlich. Also hat er nichts beizutragen.

    Wir brauchen klare Prinzipien und dann lassen Sie uns diskutieren. Weg mit diesen Schwaflern! Es geht um unser Geld, um zu viel Geld. Herr Weidmann braucht als Person mehr Unterstützung, unsere Unterstützung.

  • In meinen Augen wird die Diskussion nicht "sauber" geführt. Das Thema ist m.E. nicht die Diskussion: Universalbank oder Trennbank. Die Diskussion ist vielmehr, ob ein Vorstand eine Bank verantwortlich steuern, verwalten kann, wenn die Rechnungswesen, Kontroll-, Controlling- Konzepte nicht in der Lage sind konsistent zu reporten, zu berichten.

    Ein Controlling, ein Rechnungswesen, dass nicht in der Lage ist, eine konsistente Bewertung, eine zeitnahe Bewertung durchzuführen, kann die organisatorischen Anforderungen für eine verantwortliche Bank- und Unternehmenssteuerung nicht erbringen.

    An was ist hier zu denken?
    Das Investmentbanking ermittelt alle aus dem Vertrag resultierenden Zahlungen, versieht diese mit einer zeitlichen Markierung (z.B. Zinszahlungseingänge über 1.000 Euro jeweils am 14.03.2013, 14.03.2015 und 14.03.2015 und Rückzahlung von 50.000 Euro am 14.03.2015). Anschließend wird der Zeit- oder Barwert für diese Zahlungen bestimmt. Diese Procedur erfolgt sowohl für Forderungen wie Verbindlichkeiten. Der Saldo daraus ergibt das jeweilige Ergebnis. Der Vergleich dieses Ergebnisses zum Vortagesergebnis ergibt das jeweilige Tagesergebnis.

    Diese Vorgehensweise erfolgt in der Investmentbank, händlerseitig (!) in Echtzeit.

    In der kommerziellen Bank, dem Teil der Bank, der sich aus der Universalbank abzüglich der Investmentbank ergibt, ist technisch und ideologisch nicht in der Lage der Vorgabe der Investbank zu folgen. Keine Bank ist so organisiert, dass sie weiß,welche Zahlungen wann z.B. aus dem Kreditgeschäft erfolgen. Das heißt nicht, dass sie es nicht könnte,sondern heißt, dass sie es nicht macht.

    Wenn es sinnvoll ist ein Trennbankensystem einzuführen, dann nicht aus der Sicht des Investmentbanking sondern aufgrund des inakzeptablen Controllings und Rechnungswesens in den Banken. Das ist aber ein Thema, was unter Fachleuten nicht unbekannt ist, aber aufgrund der Lobbyisten im Bankgeschäft nie als solches Problem fair diskutiert wird.

  • Es ist erstaunlich wie populistisch, kurzsichtig und schlecht die Kommentare hier wieder sind.
    Unter jedem Artikel steht der gleiche Müll, man braucht eigentlich nicht mehr in die Kommentarsparte zu schauen, da man schon weiß, was da geschrieben steht.
    "Trennung vom Zocker" destabilisiert das System. In der Finanzkrise 07-09 waren es gerade reine Investmentbanken die ins Straucheln gekommen sind und dadurch die gesamte Wirtschaft gefährdet haben.
    Universalbanken sind deutlich besser durch die Krise gekommen.
    Und letztendlich trifft die Pleite einer "Zockerbank" in jedem Fall den Kleinsparer: Stichwort Vertrauenskrise.
    Sogar General Electric hatte nach der Lehman Pleite enorme Probleme mit der Refinanzierung.

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