Regulierung des Zahlungsverkehrs
Start-ups bekommen viel zu tun

Im Januar treten neue Regeln zum Zahlungsverkehr in Kraft. Insbesondere Drittanbieter wie Fintechs müssen dann strengere Anforderungen erfüllen. Wer nur versucht, die Bafin zu beeindrucken, hat schlechte Karten.
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FrankfurtWer sich die Mitarbeiter der Finanzaufsicht Bafin bisher als wenig auskunftsbereite Beamte vorgestellt hat, die nur allzu gern einen „Abgelehnt“-Stempel auf die Anträge innovativer Finanztechnologieunternehmen hämmern, der wurde am Dienstag in Frankfurt eines Besseren belehrt. Auf einer Informationsveranstaltung erklärten knapp ein Dutzend Bafin-Mitarbeiter detailliert, welche Änderungen die EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 ab 13. Januar 2018 bringt und welche Anforderungen insbesondere Drittanbieter wie Fintechs nun erfüllen müssen. Ganz uneigennützig war das nicht, die Aufseher hoffen, dass ihnen durch gute Erklärungen unnötige Erlaubnisanfragen und fehlerhafte Anträge erspart bleiben. Dennoch war das Engagement bemerkenswert: Eine Mitarbeiterin sorgte sogar mit einem kurzen Rapp auf die Abkürzungen der PSD2 für Auflockerung („PIS, API und PSU – was mach‘ ich nu?“).

Die PSD2 (Payment Service Directive 2) soll den Zahlungsverkehr für Verbraucher in der EU bequemer und sicherer machen und zugleich den Wettbewerb fördern. Für die Kunden bedeutet das: Elektronische Zahlungen werden sicherer, ebenso wie einige Finanz-Apps, die Dienste rund ums Konto anbieten. Für die Banken heißt es: Sie müssen künftig auf Kundenwunsch auch Drittanbietern den Zugriff auf Kontodaten ihrer Kunden gewähren. Und diese Drittanbieter brauchen dafür eine Erlaubnis der Finanzaufsicht oder müssen sich zumindest dort registrieren lassen. Auf der Bafin-Veranstaltung wurde aber klar: Insbesondere für junge Unternehmen ist die Regulierung nicht gerade ein Klacks.

Schon heute gibt es Finanz-Apps, die auf Kontodaten bei den Banken zugreifen. Kunden können damit ihre Daten von unterschiedlichen Zahlungskonten aggregieren und so eine komplette Finanzübersicht bekommen. Diese Angebote stammen meist von Finanztechnologie-Start-ups, aber auch Banken haben inzwischen solche „Multi-Banking-Tools“. Andere Apps durchsuchen die Kontobuchungen nach Verträgen und schlagen beispielsweise Alarm, wenn ein günstigeres Angebot verfügbar ist. Wenn Anbieter auf diese Art Kontodaten verarbeiten, zählen sie gemäß PSD2 künftig als Kontoinformationsdienste. Davon unterscheiden sich die Zahlungsauslösedienste, die nicht nur Kontodaten auswerten, sondern im Namen der Kunden Zahlungen auf den Konten anstoßen.

Bisher waren beide Geschäftsmodelle unreguliert. Doch wer ab dem 13. Januar als Kontoinformationsdienst agieren will, muss sich bei der Bafin registrieren lassen und wer als Zahlungsauslösedienst aktiv ist, braucht eine Erlaubnis der Aufsicht. Beides ist an umfangreiche Bedingungen geknüpft. Eine Übersicht (siehe Foto) der Bafin nennt 19 Punkte, die Unternehmen im Erlaubnisverfahren zum Zahlungsauslösedienst berücksichtigen müssen. Nur auf fünf davon dürfen Kontoinformationsdienste verzichten.

So müssen beispielsweise alle Zahlungsinstitute ausführliche Angaben zu ihrem Geschäftsmodell, Geschäftsplan, zur Unternehmenssteuerung sowie zum organisatorischen Aufbau des Unternehmens machen – das sind die Basics. Außerdem müssen sie angeben, wie sie sensible Zahlungsdaten schützen und wie sie bei sogenannten Sicherheitsvorfällen, bei Kundenbeschwerden oder in einem Krisenfall agieren würden.

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