Regulierung
Strengere Regeln für Derivate

Der Derivatehandel wird ab 2013 reguliert. Besonders die Banken werden darunter leiden: Experten schätzen, dass die Margen um bis zu 40 Prozent zurückgehen. Profitieren könnten die neuen Abwicklungsstellen.
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FrankfurtDer mögliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will „Licht in das Dunkel“ des Derivategeschäfts bringen – und das, ohne ein Wort des Widerspruchs von den Banken zu ernten. Der Grund ist einfach: Die Regulierung des nominal 600 Billionen Dollar großen Derivatemarktes steht längst fest und in den USA sowie Europa kurz vor der Umsetzung. Mit ihr werden auch Milliarden an Erträgen neu verteilt.

Mit Derivaten wetten Investoren auf bestimmte Kursentwicklungen, wobei der potenzielle Gewinn oder Verlust oft viel höher ist als der Einsatz. Die Geschäfte laufen meist direkt zwischen zwei Banken und werden deshalb „over the counter“ (OTC) genannt. Kern der neuen Regeln: Künftig sollen diese Geschäfte weitgehend über zentrale Gegenparteien, sogenannte Clearinghäuser, gehandelt und an zentrale Transaktionsregister gemeldet werden. Das soll das System transparenter machen und stabilisieren, gerade für den Fall einer Bankpleite.

Betroffen von der Regulierung sind fast alle Marktteilnehmer – allerdings höchst unterschiedlich. Während die Clearinghäuser und teilweise auch die Börsenbetreiber zu den großen Profiteuren zählen, wird sich der Derivatehandel für Vermögensverwalter, Hedge-Fonds und vor allem für Banken verteuern. Sie müssen die zentrale Abwicklung schließlich bezahlen. Die Banken, die aktiv im lukrativen Derivatehandel sind, werden zudem Ertragseinbußen in Milliardenhöhe erleiden. Laut der Citigroup verdienen die Institute bislang weltweit im Derivategeschäft insgesamt 55 Milliarden Dollar pro Jahr.

„Die Gewinne der Banken in dem Geschäft mit Derivaten werden sinken“, sagt Daniel Kapffer, Experte für Risikomanagement und Partner der Unternehmensberatung Accenture. Er erweist auf Schätzungen, nach denen die Margen in einigen Bereichen des Derivatehandels um 35 bis 40 Prozent zurückgehen werden. Die Ratingagentur Standard & Poor's bezifferte die Margeneinbußen für US-Banken im gesamten Derivatehandel auf 4 bis 4,5 Milliarden Dollar.

Banken bereiten sich auf die neuen Regeln vor: „Entweder sie sind oder werden Teilnehmer bei einer zentralen Gegenpartei und wickeln neben ihren eigenen Derivategeschäften auch als Dienstleistung die Geschäfte für Kunden ab“, sagt Kapffer. Kunden wären in diesem Fall andere Banken, Broker und Vermögensverwalter. „Oder sie wickeln ihre Derivategeschäfte über eine andere Bank ab, die ihrerseits Teilnehmer bei einer zentralen Gegenpartei ist.“

Große Banken werden sich wahrscheinlich für die erste Variante entscheiden, müssten laut Kapffer dann mit Einmalaufwendungen von 50 bis 100 Millionen Euro und weiteren laufenden Kosten rechnen. Dafür können sie dann aber auf weitere Einnahmen als Dienstleister bauen.

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Derivatemarkt wird schrumpfen

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  • Nebelkerzen nicht mehr!
    Es ist doch schon lange klar, dass die grossen banken das Servicegeschaeft uebernehmen werden und dadurch mehr an der geschichte verdienen als jemals zuvor und dies noch ohne jedes Risiko!
    Die Verlierer in dieser Geschichte sind die mittelstaendischen Banken, die den Kraken die teuren Serviceleistungen bezahlen muessen!
    Die Finanzoligarchen gewinnen auf allen Ebenen und der Mittelstand ist der Dumme!
    Wer jetzt als Mittelstaendler nicht schleunigst darueber nachdenkt, wie er seine Assets ins Ausland verschafft, dem ist nicht mehr zu helfen! [...]!
    Klar, dass das die Arbeitgeber trifft, aber die sind es ja, die den Ar..h nicht vom Sessel erheben und sich aktiv wehren. Es bringt nichts, wenn einige Hunert oder tausend auf die Barrikaden gehen, man braucht dazu Heerschaaren und deshalb muss der dummichel so in die Schei e gefahren werden, dass er gar nicht mehr anders kann, als dieses ganze Gesindel zum Teufel zu jagen! Traurig, ja, aber wahr!+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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