Rekapitalisierung Banken wackeln - trotz staatlicher Infusionen

Kapital allein ist nicht genug: Trotz aller Notoperationen der Regierungen drohen Europas Banken zum Dauerpatienten zu werden. Denn die Finanzmärkte und die Ratingagenturen haben ihr Urteil längst gefällt.
10 Kommentare
Besonders Griechenlands Banken bräuchten den Berechnungen zufolge zu viel frisches Kapital. Quelle: dapd

Besonders Griechenlands Banken bräuchten den Berechnungen zufolge zu viel frisches Kapital.

(Foto: dapd)

Als der Weltwährungsfonds IWF im September eine stärkere Kapitalausstattung für die europäische Bankbranche ins Spiel brachte, war die Empörung noch groß. Mittlerweile steuert die Politik auf genau diese Lösung zu. Die Europäische Union debattiert nur noch über Ausmaß und Form einer stärkeren Kapitalausstattung. Die diskutierte Rekapitalisierung soll die Banken in die Lage versetzen, notfalls auch eine Insolvenz Griechenlands zu verkraften. Finanzexperten begrüßen das Vorhaben zwar, sie fordern aber zugleich, dass Europa auch seine Staatsschuldenkrise löst.

Die Rekapitalisierung könnte teuer werden. Die Analysten von Morgan Stanley empfehlen, die Banken so stark mit Eigenkapital auszustatten, dass sie selbst dann noch sieben bis acht Prozent Eigenkapital vorweisen könnten, wenn sowohl das Krisenszenario des europäischen Stresstests einträfe als auch ein Schuldenschnitt der europäischen Krisenstaaten. Das würde Europa bis zu 150 Milliarden Euro kosten. Rechnet man noch die möglichen Folgen einer leichten Rezession in Europa mit ein sowie die geplanten höheren Eigenkapitalregeln, dann kommen die Analysten der japanischen Bank Nomura sogar auf die Summe von 350 Milliarden Euro.

Dennoch haben Investoren zunächst ein positives Votum zu den Kapitalisierungsplänen abgegeben, die Kurse vieler Bankaktien stiegen. Das muss nicht so bleiben: Zwar sinkt durch Kapitalspritzen die Gefahr, dass eine Bank durch die Pleite anderer Banken in Bedrängnis kommt. Doch andererseits geht eine solche Kapitalisierungswelle meist zulasten der Altaktionäre. „Eine Rekapitalisierung der europäischen Banken könnte auf der psychologischen Ebene zumindest kurzfristig das Vertrauen in den Bankensektor etwas stärken“, sagt Thomas Stögner, Bankanalyst von Macquarie Securities.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sähe es am liebsten, wenn Banken sich zunächst um privates Kapital bemühen würden. Erst danach solle der Staat einspringen. Das könnte angesichts des extremen Misstrauens der Investoren sehr schnell geschehen. „In Europa wäre kaum eine Bank in der Lage, derzeit eine nennenswerte Kapitalerhöhung durchzuführen“, sagt Macquarie-Analyst Stögner. Auch Jon Peace, Bankanalyst bei Nomura, glaubt, dass „Staatshilfen unvermeidlich sein könnten“.

Einige Banken bräuchten im Verhältnis zu ihrer aktuellen Marktkapitalisierung einfach zu viel frisches Kapital. Das gilt insbesondere für Griechenland: Eine Staatsinsolvenz mit 60 Prozent Schuldenerlass würde laut der Ratingagentur Moody’s einen Kapitalbedarf von 27 Milliarden Euro bei den dortigen Banken auslösen, ein Vielfaches ihrer aktuellen Marktkapitalisierung. Auch die portugiesischen Banken bräuchten bei einem Schuldenschnitt ihres Landes nach Berechnungen von Nomura Kapital in doppelter Höhe ihres Marktwerts.

Nichts ist für Banken gefährlicher als eine Staatsschuldenkrise
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

10 Kommentare zu "Rekapitalisierung: Banken wackeln - trotz staatlicher Infusionen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wo ist die Logik?

  • Banken wackeln nicht. Geld läßt sich in beliebiger Höhe per Tastendruck erzeugen. Hier läuft etwas ganz anderes ab. Es geht um die Streichung von Ansprüchen der Sparer. Die haben (theoretisch) so viel auf der hohen Kante, daß die Wirtschaftsleistung der Staaten nicht ausreicht, diese nach dem heutigen Wert zu bedienen. Man muß die Enteignung über die Bühne gehen lassen, bevor die Babyboomer in den Ruhestand gehen.... das schaffen die lässig.

  • Alle Welt regt sich auf, wenn es einem durch Schulden an den Kragen geht. Doch woher die Schulden kommen und inwieweit jeder am Schuldenberg mitgeschaufelt hat, das will keiner wissen.
    Das Haus im Grünen, das Auto dorthin, eine komplett neue Infrastruktur wohlmöglich mit eigener U-Bahnstation vor der Tür, das sind wiederum Selbstverständlichkeiten deren Kosten und Folgekosten selbstverständlich zu sozialisieren sind. Soll es kommen wie es kommt.

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • Ein unendliches Theater, wenn man die Lösung weiter den Politmarionetten überlässt. Dafür gibt es Konkursrichter. Die Politik muss die Hoheit über das Geld an sich ziehen (nur mit den Politikern?), dem Sparer seine Zusicherungen erfüllen und die Banken zu € 1 verstaatlichen!
    Tausende Konkurse werden jährlich abgewickelt, ohne Aufhebens, wieso nicht ein paar zusätzliche Banken? www.steuerembargo.co.de

  • „Alles nur Bürgschaften, Geld wird nicht fließen“ labberten Merkel und Schäuble noch letzte Woche in die TV-Kameras.
    Die ersten 100 Milliarden Euro Cash sind jetzt fällig - DEXIA lässt grüßen.
    Mal sehen welche Bank als nächste kollabiert und dann mit Cash in Milliardenhöhe gerettet werden muss.
    Wer bürgt der haftet und zahlt, aber anscheinend ist das nach Berlin noch nicht durchgedrungen. Immer schön weiter die Gewinne privatisieren und die Verluste über die EZB beim Steuerzahler abladen und sozialisieren.
    Bin gespannt, wann die EZB ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Wohl die mittlerweile größte europäische Badbank, deren man politisch den ganzen PIIGS-Giftmüll unterschob und sie diesen aufkaufte und noch kauft.

  • achja. "der schwarze peter" ! niemand will ihn und der gauleiter....äääähhhhmmmm ich meine gauweiler versucht verzweifelt als muc-grünwalder konsi die volkesstimmung nutzen zu wollen, um seinen populismus in die welt rauszuposaunen. nun schieben sich die banken und die staaten den "peterle" gegenseitig zu und niemand ahnt, welchen "peterle" die da noch meinen.

  • Wenn es so ist, dass Staatsschuldenkrisen für Banken so gefährlich sind, warum haben sie dann diese bis 2009 massenweise gekauft? Ganz einfach: Staatsanleihen galten als mündelsicher. Nun haben aber nach der Bankenrettung Investmentbanken und Hedgefonds zusammen mit den drei "wichtigsten" Ratingagenturen diese Verschuldung für die Banken genutzt, der Politik die Schuld zu geben und die Schuldenstände völlig willkürlich durch Herabstufung der Bonität die Zinsen für Staatsanleihen in astronomische Höhen getrieben und verdienen sich damit bis dato goldene Nasen. Indem die Banken jetzt den "Schwarzen Peter" den verschuldeten Staaten zuschieben, stellen sie die Reihenfolge der Ereignisse und deren Kausalitäten auf den Kopf.

  • Man sollte mal etwas Abstand nehmen von den Rezepten der amerikanischen Finanzwirtschaft und der amerikanischen Ratingagenturen. Diese sind fremdgesteuert und Onkel Sam freut sich diebisch wenn seine Rechnung aufgeht. Deshalb auch immer scheibchenweise ,mal Fitch, dann Moodys usw. Doch man muss es ihnen lassen die Ablenkungsmanoever von der maroden US Wirtschaft und Subprime gelingt. Ich empfehle jedem Kritiker mal die Ostkueste von New York nach Washington abzufahren und das Elend zu bestaunen!

  • Die Banken retten und den Steuerzahler belasten und verarschen, das könnt ihr prächtig in Berlin und Brüssel.
    Was ihr hier politisch beschlossen habt, ist ein Verbrechen an eurem Volk!
    Dafür werdet ihr in Politik, Finanzwelt und Wirtschaft den gerechten Preis bezahlen, davon bin ich absolut überzeugt.

  • stelln wir uns ma janz dumm: wat is ne bank. ene bank is a maschin. auf der einen seite kommt kapital rein und aus dem anderen kommts wieda russ. wat für ne umweltverschwenung so ne bank. neee nee neee.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%