Rekordstrafe für BNP Paribas
„Ein Schlag ins Gesicht europäischer Banken“

Mit der Milliardenstrafe gesteht BNP Paribas auch ihre Schuld ein, US-Sanktionen umgangen zu haben. Die Bank ist in den USA offiziell kriminell. Auch für die Deutsche Bank und die Commerzbank steigt das Risiko.
  • 5

San FranciscoFast neun Milliarden Dollar Strafe und eine einjährige Sperre für Teile des Handels mit US-Dollar wegen Verletzung von US-Sanktionen: Das trifft die französische Großbank BNP Paribas bis ins Mark, und die Wall Street zittert. „Das ist ein starkes Signal für jedes Finanzinstitut auf der Welt“, stellt Generalstaatsanwalt Eric Holder klar. „Wir werden Gesetzesbrüche ahnden.“ Zu den nächsten Fällen könnten die Deutsche Bank und die Commerzbank gehören.

Was kann schon groß passieren? Noch Anfang des Jahres glaubte man in Paris die Petitesse aus der Portokasse regeln zu können. Eine Rückstellung von einer Milliarde Dollar schien BNP-Chef Jean-Laurent Bonnafé angemessen für mögliche Strafzahlungen in den USA wegen ein paar windiger Geschäfte mit Iran, Sudan und Kuba – Länder, gegen die die USA Sanktionen ausgesprochen haben. Alltag im weltweiten Finanzzirkus.

Jetzt steht Bonnafé vor den Trümmern seiner Bank. Die Strafe summiert sich auf gigantische 8,83 Milliarden Dollar, ab Anfang 2015 werden Teile des Dollarhandels der Bank für ein Jahr suspendiert. Analysten sehen die Dividendenzahlungen in Gefahr, möglicherweise droht ein Gang an den Kapitalmarkt, um die Finanzbasis zu stärken.

Anleger griffen bei den Aktien am Dienstag trotzdem zu. Die Titel stiegen in Paris um bis zu 3,6 Prozent auf 51,35 Euro. Seit Jahresbeginn haben sie mehr als zwölf Prozent an Wert eingebüßt, der Pariser Leitindex kommt im selben Zeitraum auf ein Plus von drei Prozent. Händlern zufolge sind viele Anleger erleichtert darüber, dass der Rechtsstreit mit den amerikanischen Behörden endlich beigelegt wurde. Nun könnten die Bank-Aktien wieder Boden gut machen, hieß es.

Aktionärsschützer werden dennoch bohrende Fragen stellen: Wie konnte man das Prozessrisiko dermaßen dramatisch unterschätzen, und ab wann wusste Bonnafé was? Ist BNP-Chairman Baudoin Prot noch zu halten? Er war der CEO in den fraglichen Jahren. Aktionären und Kunden werden wissen wollen, wie er den Ruf der Bank wieder herstellen will.

Denn BNP ist nach US-Recht offiziell kriminell. Am Montagabend gestand die Bank in Manhattan ein, US-Gesetze gebrochen, gefälschte Dokumente bei der Finanzaufsicht vorgelegt und Sanktionen gegen Iran, Kuba und Sudan umgangen zu haben. Zwischen 2002 und 2012 sollen Transaktionen in Milliardenhöhe laut US-Justizministerium mit Hilfe komplexer Strukturen vor den Aufsichtsbehörden verschleiert worden sein. Der für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand Georges Chodron de Courcel verabschiedete sich nach 40 Jahren bei der Bank am Montag in den Ruhestand. Nicht ganz so freiwillig wie die Bank es darstellt: Sein Name führt eine Liste von BNP-Bankern an, die als Teil der Vereinbarung mit den US-Strafverfolgern gefeuert werden mussten.

Nicht nur die Höhe der Strafe und die Handelsbeschränkungen, die Anfang 2015 in Kraft treten, sind ungewöhnlich. Besonders demütigend ist die Tatsache des Schuldeingeständnisses. Nicht selten werden in den USA Vergleiche geschlossen, die zwar saftige Strafen beinhalten, aber das Eingeständnis einer Schuld auslassen. HSBC kam 2012 noch mit einer Strafe von 1,9 Milliarden Dollar und dem Bedauern von „Fehlern“ davon, die die Wäsche von hunderten Millionen Dollar Drogengelder ermöglicht hatten. HSBC Mexiko operierte praktisch ohne effektive Kontrollsysteme. Die britische Standard Chartered legte mit der Zahlung von 327 Millionen Dollar und ohne weitere Strafmaßnahmen einen Streit um die Verletzung von Finanzsanktionen bei.

Kommentare zu " Rekordstrafe für BNP Paribas: „Ein Schlag ins Gesicht europäischer Banken“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Amerika, ein Partner?

    -- USA melkt zur Zeit europäische Banken. Dies auch, wenn die postulierten Vergehen der Banken gar nicht in USA stattgefunden haben. Sowas nennt man gemeinhin Schmarotzertum!
    -- USA fällt auch nach Belieben in andere Länder ein, ohne diese zu fragen, und ermordet dort Menschen!
    -- USA missachtet das internationale Menschenrecht nach Belieben.
    -- USA foltert Menschen.
    -- USA schnüffelt die ganze Welt aus, inklusive Wirtschaftsspionage.
    -- USA ist Pleite.
    -- USA will uns den TTIP-Vertrag aufzwingen. Vorsicht Europa!!!
    Dann werden wir nicht mehr durch Gerichte verfolgt, sondern durch geheime Untersuchungs-Zirkel und Milliardenforderungen. Die riesigen Rechtsanwaltskanzleien der USA scharren schon in
    den Löchern.

    USA ist, nach all diesen nachzulesenden Fakten, kein Partner mehr!
    mwh

  • Ich weiss nicht, warum sich einige hier so aufregen. BNP muss ja keine Geschäfte mit den Amis machen, dann bräuchten sie auch nicht zahlen. Offensichtlich sind die aber so lukrativ, dass sie die 9Mrd opfern wollen.

  • Wer mit den Wölfen heult und schnell ganz viel Geld "verdienen" will, der muss auch nach deren Spielregeln handeln... die BNP ist freiwillig auf den amerikanischen Markt gegangen!!! Grössenwahnsinnig wie viele europäische Banken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%