Renditedruck nimmt 2005 zu Auch die Landesbanken streichen Stellen

Die Landesbanken bauen trotz wesentlicher Fortschritte im operativen Geschäft auch 2005 Stellen ab. Nach Recherchen des Handelsblatts werden bei den elf Instituten in diesem Jahr mehrere Hundert Stellen gestrichen. „Mit dem Wegfall der Staatsgarantien werden die Landesbanken jetzt nach gleichen Kriterien gemessen wie private Banken. Jetzt stehen sie voll im internationalen Wettbewerb“, sagte der Erlanger Bank-Professor Wolfgang Gerke dem Handelsblatt.
  • F. Drost (P. Köhler)

BERLIN/FRANKFURT. Bislang konnten sich die Landesbanken immer zu erstklassigen Konditionen refinanzieren, weil ihre Verbindlichkeiten in letzter Konsequenz durch den Staat abgesichert waren.Doch am 19. Juli fallen die staatlichen Ausfallgarantien weg. Die Institute müssen alle Reserven mobilisieren, um auch ohne den Staat vernünftige Renditen zu erzielen.

Doch während private Institute bei Stellenstreichungen häufig am Pranger stehen, wird der Arbeitsplatzabbau bei den Landesbanken von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Dabei gleichen sich die Motive, und prozentual gesehen liegt der Personalabbau zumindest bei einzelnen Landesbanken in einer ähnlichen Größenordnung wie bei der Deutschen Bank.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte im Februar 2005 in der Öffentlichkeit Empörung ausgelöst, als er einen Milliardengewinn meldete und gleichzeitig ankündigte, 6 400 Jobs oder zehn Prozent der Konzernstellen zu streichen. Politiker fast aller Parteien überschlugen sich mit ihrer Kritik. Kunden der Deutschen Bank sollten sich fragen, ob sie nicht mehr für ihre Arbeitsplätze tun, wenn sie bei einer Sparkasse ihr Konto hätten, empfahl die hessische SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti. Die Deutsche Bank verwies auf die Notwendigkeit, eine im internationalen Maßstab wettbewerbsfähige Vorsteuerrendite von 25 Prozent zu erzielen.

Auch das öffentlich-rechtliche Lager steht unter diesem Zwang. „Wir haben die Sorge, dass Landesbanken jetzt eine Unternehmenspolitik wie die privaten Banken betreiben, also wesentlich auf die Steigerung der Eigenkapitalrentabilität schauen“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong. Zwar strebt keine Landesbank 25 Prozent an, doch zwischen elf und 15 Prozent sollte sich der Kapitaleinsatz schon verzinsen.

Doch mit Boykott-Drohungen müssen die Landesbanken, die eng mit den Sparkassen kooperieren, im Gegensatz zur privaten Konkurrenz nicht rechnen. Der Vorstandschef der NordLB, Hannes Rehm, kündigte an, die Verwaltungsaufwendungen bis 2008 um ein Fünftel zu drücken. Dabei soll die Beschäftigtenzahl im Konzern um 1 200 oder 13 Prozent sinken. Rehm geriet aber nicht in die öffentliche Kritik.

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