Rettungsplan So will die Allianz den Euro retten

Die Allianz hat einen Rettungsplan für Griechenland entworfen. Das Modell sei in der Lage, die Verschuldung Griechenlands schnell um 50 Milliarden Euro zu senken. Und auch der Steuerzahler würde erheblich profitieren.
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Allianz-Chef Michael Diekmann hat Pläne für die Umschuldung Griechenlands. Quelle: dpa

Allianz-Chef Michael Diekmann hat Pläne für die Umschuldung Griechenlands.

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Frankfurt/Brüssel/MünchenDie Finanzbranche will sich selbst retten. Mit Blick auf einen EU-Sondergipfel zu Griechenland am Donnerstag hat die Allianz, einer der größten Vermögensverwalter der Welt, einen Rettungsplan entworfen und den Verantwortlichen vorgelegt. Private Investoren sollen demnach einen Teil der Kosten schultern - nicht mehr allein die Steuerzahler.

Allianz-Chef Michael Diekmann und Finanzvorstand Paul Achleitner schlagen eine "Public Private Partnership" vor. Dabei würden sich privater und öffentlicher Sektor die Verluste bei einer Entschuldung Griechenlands teilen. Doch zunächst würden nach der Kalkulation der Allianz vor allem die Privaten bluten. "Privatwirtschaft und öffentliche Hand müssen gemeinsam etwas tun, was den Krisenherd in Griechenland eindämmt und Ansteckungsgefahren bannt", sagte Diekmann dem Handelsblatt. Es reiche nicht, die Liquidität Griechenlands aufrechtzuerhalten, begründete der Allianz-Chef seinen Plan.

Da die Finanzbranche Sicherheit braucht, schlägt die Allianz einen abgesicherten Schuldenschnitt vor. Kern des vom Vorstand verabschiedeten Papiers, das dem Handelsblatt vorliegt, ist ein freiwilliges Umtauschangebot für griechische Staatsanleihen. Dabei sollen private Investoren ihre Anleihen in neue Papiere mit einer längeren Laufzeit tauschen und auf 25 Prozent des Nominalwertes verzichten. Die Investoren verlören dadurch zwar viele Milliarden. Anreiz für den Umtausch wäre dennoch gegeben: Denn sie erhielten deutlich mehr, als wenn sie derzeit ihre Papiere am Markt verkauften. Beispiel: Ein Investor tauscht eine Anleihe im Nominalwert von 100 Euro, die derzeit aber nur 60 Euro wert ist, in ein Papier zum Nominalwert von 75 Euro. Und wenn diese neuen Anleihen über den Rettungsschirm EFSF gesichert würden, wäre zudem ihr künftiges Verlustrisiko relativ überschaubar.

Damit dies so ist, schlägt die Allianz in ihrem Modell vor, dass die neuen Anleihen durch einen Kredit des Rettungsfonds für in Finanznot steckende Staaten (EFSF) an Griechenland abgesichert werden. Das Geld aus dem EFSF müsste Griechenland auf ein Treuhandkonto einzahlen. Diese Absicherung hat nach Einschätzung der Allianz zwei Effekte: Zum einen würden die Zinsen die Kosten des Kredits decken, und das Geld diente den Anleihegläubigern im Falle eines Schuldenschnitts als Sicherheit. Zum anderen könnten sich Investoren dank dieser Absicherung mit einer niedrigeren Verzinsung griechischer Staatsanleihen zufriedengeben. Die Allianz rechnet mit Zinsen zwischen fünf und sechs Prozent.

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29 Kommentare zu "Rettungsplan: So will die Allianz den Euro retten"

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  • Wie gesagt, der Vorschlag ist seit 2 Monaten auf dem Tisch und unsere Politik geht mit schlechtem Beispiel voran und ignoriert ihn. Kein Wunder, daß das Volk verwirrt ist und - wie man hier im Forum sieht - blind der Verwirrung der Politiker folgt.

    Es ist doch leicht zu verstehen, eine Frage an alle Euro-Kritiker:
    Wenn Sie einem Junkie unwissend Geld geliehen haben, er hat sich einen Schuss gessetzt und will wieder clean werden. Sie möchten ihn bitte bitte nicht anzeigt, er könne das psychisch nicht durchhaltenn. Er bietet an gut die Hälfte in ein paar Jahren zurückzuzahlen, der Mann vom Jugendamt steht daneben und garantiert, das die Hälfte zurückkommt, mit Zinsen - zur Not vom Amt.
    Was tun sie dann ? (Recht behalten und anzeigen ? oder warten ?)

    Diese Versicherungen buchen eine recht sichere Verzinsung von 5-6% p.a. in unsere private Altersvorsorge ein, wenn dieser Deal klappt. Das hebt den Garantiezins und sichert unsere Vorsorge etwas besser ab. Plan B ist Inflation, Staatsbankrott, Unruhen, etc. - aber dafür Recht behalten ?

    Griechenland hat eine Zukunft als Energielieferant, in dreissig Jahren ist man dadurch dort evtl. Schuldenfrei. Wer jetzt mit Steinen wirft, sollte sich überlegen, ob er nicht im Glashaus sitzt.

  • Welche Verbesserung für den hiesigen Normalbürger ergibt sich, wenn Griechenland ausgeschlossen werden würde?
    Welche Verbesserung für den hiesigen Normalbürger ergibt sich, wenn der Euro zurückgenommen werden würde zugunsten der vorherigen nationalen Währungen?
    Welche Wettbewerbschancen hätte das (kleine) D gegenüber den Niedriglohn-Wettbewerbsregionen USA (Vereinigte Staaten...), China, Indien, Russland?
    Wohin gehen die Gewinne bei einer Währungsumstellung, wo bleiben sie?
    L'union fait la force!

  • Drei Seiten mit Kommentaren, und nicht ein einziger der deen Vorschlag der Allianz begruesst. Leider auch keine realistischen Alternativen. Leute, bei allem Verstaendnis fuer die Wut in Euren Baeuchen, wir muessen nach vorne schauen.

    Sich weiter in die Tasche zu luegen, und Griechenland vom Schuldenschnitt abzuhalten ist Unsinn. Und ein ungeordneter Bankrott bei dem die Europaeischen Banken eine nach der anderen in einer Ausfalllawine untergehen, bringt uns in eine neue Depression.

    Der Vorschlag der Allianz ist begruessenswert. Er ist (a) finanzierbar (b) reduziert er das Risiko der Griechischen Anleihen, und ermoeglicht Griechenland die Rueckkehr zum Kapitalmarkt. Damit waere endlich ein Ende der Rettungsaktionen abzusehen.

    Wer eine bessere Idee hat, soll sie vortragen, aber das Gemaule sollte endlich einer loesungsorientierten Diskussion weichen.

  • Lösungsvorschlag a lá Moody´s: Jeder macht so viel Schulden, wie er mag. Alle Investoren sind damit beruhigt und das Problem ist gelöst!! :D

  • Es soll eine weitere "Bad Bank" geschaffen werden, die dann "Europäischer Rettungsschirm" heißt. Der Strudel dreht sich immer schneller und die volkswirtschaftlichen Verluste werden immer größer. Rot-Grün will mit seinem Vorschlag das Deutsche Volk völlig enteignen und Griechenland u.a. völlig entschulden. Sie treten finanz- und steuerpolitisch in die Fussstapfen von Wilhelmm II und Adolf Hitler. Der Bevölkerung werden die Maßnahmen verkauft, indem erzählt wird, der Euro sei für Deutschland gut. Leider nur bis zum Enteignungstag. Und die Allianz hat Schiss in de Bux: Die Auszahlung der Lebensversicherungen ist gefährdet!

  • @Wanninger

    Ich warte auf den Moment, wo Ihre Hardcore-Sozialisten,
    Sie führen ja gerne Hardcore im Munde,
    sagen:
    Seht Ihr , Völker der Erde, der Kapitalismus ist gescheitert,
    nun wählt wieder uns, damit wir endlich etwas für euch tun können und uns endlich an den Futtertrog setzen können.

  • Man kann das Kind täglich umbenennen, trotzdem bleibt es ein finanzpolitisches Desaster, wenn sich Vorschläge wie dieser der Alianz durchsetzen. Er stürzt Europa in einen Schuldentsunami. Schickt euren Protest an die Abgeordneten! Ihr glaubt gar nicht, wie unwissend und naiv manche immer noch sind...

  • Was die Mietnomaden im Kleinen sind, sind die Währungs-, EURO- und EU-Nomaden, insbesondere Griechenland, im Großen! Es ist nichts bei denen zu holen, alle begleitenden Zeitgenossen sind trefflich beschäftigt,jede Menge Zugeständnisse werden gemacht und nach der Wohlverhaltensphase werden alle Schulden erlassen, zum Nachteil der Gläubiger. Nur daß der deutsche Steuerzahler, also wir alle, zur Ader gelassen wird, macht das Nomadentum noch etwas schlimmer.

  • Freie Marktwirtschaft ist etwas anderes!
    Finanzdienstleister sind durch attraktive Zinsen bewusst das hohe Risiko eingegangen und haben bei manchem Deal richtig Kasse gemacht. Nun ist es schiefgegangen, dann muss man auch dazu stehen und nicht den Staat anpumpen. Wenn es denn überhaupt ein anpumpen wäre, denn zurückgezahlt haben sie Subventionen bei Pleiten dem Staat, also jedem Bürger,in der Vergangenheit nichts.
    So einfach geht das nicht: wenn die Sonne scheint das Geld einsacken und wenn es regnet nach kostenloser Hilfe rufen. Wo bleibt da die Verantwortung und die Management-Leistung.
    Den Kleinanlegern hat auch keiner geholfen, bei den Krisen in der Vergangenheit.

  • Den Vorschlag hat P. Achleitner als "Workout" im Handelblatt schon am 24.5. skizziert. Man muss dazu wissen, daß die mit Abstand größten Anleihekäufer in Europa traditionell Lebensversicherungen sind, aber Versicherungen diese neuen, umgeschuldesten Griechenbonds nur in Ihren Deckungsstock nehmen dürfen, wenn sie "sicher" sind, also z.B. zu 90% durch EFSF besichert. (Sonst müßte eine Bank diese für Versicherungen mit Hilfe von SPVs, CDO, CLO, ABS und Kreditderivaten restrukturieren. Das will hier ja wohl auch keiner, oder?).
    Ausserdem ist bei diesem Plan, der bestehende Verlust nicht mehr aufholbar, was einer angemessenen Beteiligung durch private Gläubiger entspricht. Kursgewinne zu Lasten von vorherigen Kursverlusten entfallen damit auch. Nur die Politik braucht jetzt mal ein paar vernünftige Berater, die Sie von Ihrem Basis-Denken entbinden. Denn Finanzmärkte kann man nur mit Finanzinstrumenten in Ordnung bringen und nicht auf Zuruf. Den Schwanz eines Hundes würde man durch Zuruf oder Gesetze auch nicht am Wackeln hindern.

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