Rettungsversuch durch Großbanken: Hoffnung für die Bondversicherer

Rettungsversuch durch Großbanken
Hoffnung für die Bondversicherer

Der von der New Yorker Versicherungsaufsicht koordinierte Rettungsversuch der stark angeschlagenen Bondversicherer durch Großbanken gerät ins Stocken, noch bevor er richtig begonnen hat. Die Wall Street hält das Vorgehen für "kontraproduktiv" und sieht die einzige Chance zur Rettung der Monoliner in einer Übernahme durch eine Private-Equity-Firma.

NEW YORK. Der Rettungsversuch für die stark angeschlagenen Bondversicherer gerät ins Stocken, noch bevor er richtig begonnen hat. Eric Dinallo, Chef der Versicherungsaufsicht in New York, warnte vor überzogenen Erwartungen. Der von ihm koordinierte Rettungsplan brauche Zeit. Die Materie sei sehr kompliziert und betreffe eine Vielzahl von Finanzinstituten, sagte der Staatsdiener. Für die Kreditversicherer war das eine kalte Dusche. Die Kurse der beiden führenden Anbieter MBIA und Ambac erlitten an der Börse erneut zweistellige Einbußen. Am Tag zuvor waren die Notierungen noch um bis zu 70 Prozent gestiegen.

Die Hoffnungen auf eine baldige Rettung der sogenannten Monoliner ruhen bislang auf den Großbanken, die der Branche mit einer Kapitalhilfe von angeblich bis zu 15 Mrd. Dollar unter die Arme greifen sollen. Die Finanzhilfe der Banken soll sicherstellen, dass die Kreditversicherer ihre erstklassigen Bonitätsnoten der Ratingagenturen nicht verlieren. Ein erstes Treffen zwischen Dinallo und führenden US-Banken hat bereits stattgefunden und Erwartungen auf eine baldige Lösung genährt. "Wir versuchen, den Markt zu stabilisieren und das Kapital für die Bondversicherer zu erhöhen", bestätigte ein Sprecher der Versicherungsaufsicht in New York.

"Die ganze Aktion ist kontraproduktiv", hieß es dagegen an der Wall Street. Die einzige Überlebenschance für die Monoliner sei eine Übernahme durch eine Private-Equity-Firma. Durch die Gerüchte über eine staatlich koordinierte Rettung seien jedoch die Aktienkurse der Bondversicherer gestiegen und hätten die Chancen für ein Buy-out-Geschäft gesenkt.

Die Bondversicherer sitzen an einer wichtigen Schaltstelle des Finanzsystems. Die kleine Branche hat Anleihen in Höhe von rund 2400 Mrd. Dollar gegen Zahlungsausfälle versichert. Der Großteil der Schuldner sind zwar Kommunen in den USA. Die Monoliner haben jedoch auch Collateralized Debt Obligations (CDOs) von etwa 127 Mrd. Dollar garantiert. Dabei handelt es sich um riskante Kreditderivate, die durch Forderungen aus Hypothekendarlehen gedeckt sind und jetzt von Zahlungsausfällen bedroht werden.

Der damit verbundene Kapitalbedarf für die Kreditversicherer hat die Ratingagenturen auf den Plan gerufen. Fitch hat die Bonität für Ambac bereits herabgestuft. Moody?s und Standard & Poor?s haben neben Ambac auch Marktführer MBIA unter Beobachtung gestellt. Die Schieflage der Monoliner hat Schockwellen durch die ganze Finanzwelt geschickt. Würde doch der Verlust des Bonitätssiegels dazu führen, dass die von den Versicherern garantierten Anleihen ebenfalls an Qualität verlieren. Banken müssten weitere Milliardenabschreibungen auf ihr Portfolio vornehmen.

Zudem droht eine Verkaufswelle, die den gesamten Anleihemarkt erschüttern könnte. Viele Pensionsfonds dürfen nur Bonds halten, die eine erstklassige Bonität besitzen. "Die Lage der Bondversicherer versetzt die Leute in Todesangst", sagte Harry Clark, Portfolio-Manager bei der Investmentgesellschaft Clark Capital Management der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Umso größer war die Erleichterung, als die Rettungspläne publik wurden. Noch ist jedoch völlig unklar, ob der staatlich initiierte Rettungsversuch überhaupt zustande kommt. Die Reaktion der Banken sei verhalten, hieß es an der Wall Street. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen sind Institute wie Merrill Lynch und Citigroup nach Milliardenabschreibungen selbst auf Kapitalhilfen durch Staatsfonds angewiesen. Zudem haben die Banken mit einer ebenfalls vom Staat angestoßenen Rettungsaktion für strukturierte Investmentvehikel (SIVs) schlechte Erfahrungen gemacht. Der geplante Superfonds kam nie zustande.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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