Richter Peter Noll

„Nur Bares ist Wahres“

Richter Peter Noll spricht Klartext und würzt Kommentare schon einmal mit Spitzen gegen die Wirtschaftswelt. Das wird im Prozess gegen aktuelle und ehemalige Spitzenmanager der Deutschen Bank nicht anders sein.
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Richter Peter Noll (2. von rechts) zu Beginn des Strafprozesses gegen fünf Ex-Manager der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Prozess

Richter Peter Noll (2. von rechts) zu Beginn des Strafprozesses gegen fünf Ex-Manager der Deutschen Bank.

(Foto: dpa)

MünchenAls der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und die anderen wegen schweren Prozessbetrugs angeklagten Top-Manager des Geldhauses am Dienstag in München den Gerichtssaal betraten, da trafen sie auf einen Vorsitzenden Richter, der alles andere als streng und einschüchternd wirkt: Peter Noll (53), Nickelbrille, graues Haar, die Robe geschmückt mit einer Fliege statt der von seinen Kollegen bevorzugten Krawatte. Doch der erste Eindruck sollte die Angeklagten nicht in Sicherheit wiegen. Der Vorsitzende der 5. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I führt seit 25 Jahren die großen Wirtschaftsprozesse in München.
Zuletzt mit großem Erfolg für die Staatskasse: Im vergangenen Sommer beendete der Richter den Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone mit einem Paukenschlag: Gegen die Rekordsumme von 100 Millionen Dollar wurde der Prozess gegen den exzentrischen Briten eingestellt.

Trotz monatelanger Beweisaufnahme sah es das Gericht nicht als erwiesen an, dass Ecclestone den ehemaligen Vorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, beim Formel-1-Verkauf bestochen hat. Natürlich gilt auch bei Noll das Prinzip: Im Zweifel für den Angeklagten.

So zeigt sich die Deutsche-Bank-Elite vor dem Landgericht
Jürgen Fitschen
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Vor dem Landgericht München I beginnt heute der Prozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Ihm und den Mitangeklagten wird vorgeworfen, im Zivilprozess mit dem Medienunternehmer Leo Kirch die Justiz getäuscht haben. Außer Fitschen auf der Anklagebank ...

Josef Ackermann
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... sitzen sein Vorgänger Josef Ackermann (rechts), der das größte Deutsche Geldhaus von 2002 bis 2012 leitete, sowie ...

Rolf E. Breuer
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... Ackermanns eigener Vorgänger Rolf E. Breuer (rechts), von 1997 bis 2002 Vorstandssprecher. Danach war Breuer bis 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der Bank – und trat angeblich wegen des Rechtsstreits mit Kirch zurück. Dazu kommen noch zwei weitere Ex-Vorstände der Deutschen Bank.

Clemens Börsig
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Clemens Börsig (M) war von 2001 bis 2006 Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, bis 2012 dann Aufsichtsratschef. Anfang 2002 war er Risikochef des Geldinstituts.

Tessen von Heydebreck
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Tessen von Heydebreck saß von 1994 bis 2007 im Vorstand der Deutschen Bank, 2002 war er Vorstand für Compliance, Recht, Revision und Personal, zuletzt leitete er das Rechtsressort. Heute sitzt er unter anderem im Aufsichtsrat der Postbank.

Strafprozess gegen Manager der Deutschen Bank
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Breuer hatte 2002 in einem Interview Zweifel an der Kreditwürdigkeit Leo Kirchs geäußert. Die Folge war ein Jahrelanger Rechtsstreit mit Kirch und dessen Erben, den die Deutsche Bank 2014 schließlich mit einem Vergleich und einer Zahlung über 925 Millionen Euro beilegte. In dem Prozess soll Breuer über die Absicht der Bank, durch das Interview mit Kirch ins Geschäft zu kommen, dann gelogen haben.

Absprache zum Prozessbetrug
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Die Manager stützten Breuers Aussage vor Gericht zunächst. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen daher versuchten Prozessbetrug im Verfahren um Schadenersatz für die Kirch-Erben vor. Die Manager sollen sich abgesprochen haben, um das Gericht durch unwahre Angaben zu täuschen und Schadenersatzzahlungen abzuwehren. Ihre Vorwürfe stützt die Staatsanwaltschaft auf zahlreiche Dokumente, die unter anderem bei einer Razzia der Deutschen Bank gefunden wurden.

Ob von diesem Rechtsgrundsatz auch Fitschen und die Mitangeklagten profitieren werden? Darüber wird die Beweisaufnahme entscheiden. Klar ist jedenfalls, dass Noll den Angeklagten die Flucht in Anglizismen und den Fachjargon der Hochfinanz untersagen wird. Noll würzt seine Kommentare über die Wirtschaftswelt auch gerne mit süffisanten Formulierungen und ätzendem Humor – sehr zur Freude der Zuhörer im Saal. „Nur Bares ist Wahres“, sagte er etwa zu einem Spitzenverdiener, dem er nach der Zeugenaussage ein Formular für die Kostenerstattung überreichte – und ergänzte: „Bei uns gibt es aber Obergrenzen.“

Noll selbst betont immer wieder, dass er finanziell in einer anderen Welt lebe als die Banker. Er sei ja nur ein einfacher Staatsdiener, sagte er beispielsweise im Prozess gegen Ecclestone. Allerdings werden sich auch Nolls Bezüge bald erhöhen. Seine Beförderung an das Oberlandesgericht München ist beschlossene Sache – der Prozess gegen die Manager der Deutschen Bank ist seine Abschiedsvorstellung am Landgericht.

In seiner Freizeit engagiert sich der Vater von drei Kindern als Gemeinderat für die "Grüne Alternative Liste" (GAL) in seinem Wohnort Utting am Ammersee. Dort beschäftigt er sich nicht mit komplexen Finanzmaterie, sondern etwa mit der Frage, ob in dem idyllischen Ort Bäume gefällt werden müssen. Sein Motto für das ehrenamtliche Engagement gilt womöglich aber auch für seine juristische Tätigkeit: „Allen Recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.“

Vom Bauernsohn zum Deutsche-Bank-Chef

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