Risiken in der Bankenwelt Immer auf die Kleinen

In der Regel gehen von größeren Banken höhere Risiken als von kleineren aus. Doch eine Umfrage zeigt: Manager mit Kreditverantwortung kleiner Geldhäuser stehen viel stärker im Visier der Finanzaufsicht.
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Manager mit Kreditverantwortung kleiner Geldhäuser stehen einer Umfrage zufolge stärker im Visier der Bafin als große Institute. Quelle: dpa
Bankenmetropole Frankfurt

Manager mit Kreditverantwortung kleiner Geldhäuser stehen einer Umfrage zufolge stärker im Visier der Bafin als große Institute.

(Foto: dpa)

BerlinAuf die Identifizierung der sogenannten Risktaker bei Banken legt die Finanzaufsicht Bafin besonderen Wert. Risktaner sind diejenigen Mitarbeiter, die Kreditrisiken verantworten, die größer als 0,5 Prozent des Eigenkapitals des Instituts sind. Das bedeutet für die Praxis: „Je größer das Institut, desto kleiner ist die Anzahl der Risktaker“, sagt der Vergütungsexperte von Willis Towers Watson in Deutschland, Florian Frank, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Bei den größeren Instituten liege die Zahl der Risktaker bei zwei bis drei Prozent der Belegschaft. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage von Willis Towers Watson unter Banken zur Institutsvergütungsverordnung. „Bei kleineren Instituten kann es passieren, dass ein Drittel der Mitarbeiter so eingeordnet sind“, sagt Frank. Das hänge mit der Definition von „Risktaker“ zusammen. Die entsprechende Quote beim Eigenkapital sei bei kleineren Instituten eher erreicht als bei größeren.

So viel mussten Banken für ihre Fehler hinblättern
Deutsche Bank – 202 Millionen Dollar
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Mai 2012: Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro
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Dezember 2013: Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Rabobank – 774 Millionen Euro
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Oktober 2013: Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund
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August 2013: Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Commerzbank – 1,45 Milliarden Dollar
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März 2015: Die Commerzbank muss wegen des Streits mit US-Behörden um Sanktionsverstöße und Geldwäsche-Vorwürfe tief in die Tasche greifen. Im Rahmen eines lang erwarteten Vergleichs zahle das zweitgrößte deutsche Geldhaus 1,45 Milliarden Dollar. Die USA warfen der Commerzbank vor, gegen Wirtschafts-Sanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

UBS – 1,5 Milliarden Dollar
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Dezember 2012: Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar
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April 2015: Die Deutsche Bank muss im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro) in Großbritannien zahlen.

In der Praxis können das der Umfrage zufolge Mitarbeiter sein, die 60.000 bis 70.000 Euro im Jahr verdienen. Angesichts dieses Niveaus mute der Aufwand, der mit der Identifizierung der Risktaker verbunden sei, schon etwas unverhältnismäßig an. „Das trifft Leute, an die man nicht unbedingt gedacht hat“, urteilt Frank.

Mit der neuen Institutsvergütungsverordnung wird sich diese Praxis nicht ändern. Allerdings haben Banken künftig nach den neuen Clawback-Regelungen die Möglichkeit, Boni wieder zu kassieren. Gewährte Boni müssen dann zurückgefordert werden, wenn sich die Bank schlechter als erwartet entwickelt oder der betroffene Manager gegen interne und externe Regelungen in einem schwerwiegenden Maß verstoßen hat.

Diese neuen Regelungen gelten prinzipiell für Institute ab einer Bilanzsumme von 15 Milliarden Euro und für Angestellte, deren Boni die 50.000-Euro-Grenze erreichen. In Deutschland sind rund 50 Banken betroffen. Es kommen Institute hinzu, die aufgrund ihres Geschäftsmodells oder Gehaltsniveaus als bedeutend eingestuft werden wie Investmentbanken.

Nach der neuen Verordnung können Boni bis zu zwei Jahre nach Ende der Frist zurückgefordert werden. Endet die Auszahlungsfrist beispielsweise nach fünf Jahren, können Bonusanteile bis zu sieben Jahre nach Gewährung zurückgefordert werden. Diese Regeln gelten übrigens nicht für Abfindungen. Und sie können auch gezahlt werden, wenn das Unternehmen rote Zahlen schreibt.

So stark bestrafen Banken „Fremdgehen“
Deutsche Bank
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Deutschlands größte Bank betreibt landesweit mehr als 2.000 Geldautomaten. Deutsche-Bank-Kunden kostet das Geldabheben nichts. Wer sein Konto bei einem anderen Geldhaus führt, zahlt an Automaten der Deutschen Bank 3,95 Euro Kundenentgelt.

Postbank
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An den 2.370 Automaten der Postbank zahlen fremde Kunden ebenfalls eine Gebühr von 3,95 Euro.

Stadtsparkasse München
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Wer sich als Commerzbank-, Deutsche-Bank-, Volksbank- oder Kunde einer anderen fremden Bank an einem der 230 Geldautomaten der Stadtsparkasse München Geld ziehen will, wird mit einer Gebühr von 3,95 Euro bestraft.

Sparkasse Hannover
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Teurer wird es in Hannover: An Geldautomaten der Sparkasse Hannover müssen Fremdkunden vier Euro Gebühren hinblättern. Die Bank unterhält in der Stadt und Umgebung 222 Automaten

Frankfurter Sparkasse
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Kunden der Frankfurter Sparkasse können an 209 Geldautomaten in der Stadt und der Umgebung Bares abheben. Alle anderen Kunden zahlen eine Gebühr von 4,50 Euro.

BW Bank
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Zu den zehn Banken, die Fremdkunden mit den höchsten Gebühren fürs Geldabheben belasten, gehört auch die Baden-Württembergische Bank. Wer sein Konto nicht bei den Stuttgartern führt und dennoch einen ihrer 229 Geldautomaten nutzt, zahlt 4,55 Euro.

Hamburger Sparkasse
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Eine weitere Sparkasse langt bei fremden Kunden kräftig zu: Wer einen von 360 Bankautomaten der Hamburger Sparkasse nutzt, zahlt als Kunde einer anderen Bank 4,75 Euro.

Da Boni nur noch in Höhe des fixen Gehalts fließen dürfen, sind viele Experten davon ausgegangen, dass das fixe Gehalt bei Bankmanagern steigt. Doch mehrheitlich trifft das nicht zu. Untersuchungen von Willis Towers Watson ergaben, dass 78 Prozent der Institute in den vergangenen fünf Jahren ihren Vergütungsmix nicht systematisch verändert haben – das Grundgehalt wurde also nicht gesteigert und der Bonus nicht gesenkt. Und 86 Prozent der Institute planen auch künftig nicht, die fixe Vergütung zu Lasten der variablen Vergütung zu ändern.

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