Rochade im Vorstand
Beben bei der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank baut ihren Vorstand um. Doch die Probleme des Instituts sind damit nicht gelöst. Die hohen Kosten für Prozesse fressen die kleinen Erfolge im Tagesgeschäft wieder auf - und sorgen für einen Verlust.
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Frankfurt/DüsseldorfDie Deutsche Bank leidet weiter unter den Fehltritten der Vergangenheit. Weil das größte deutsche Geldinstitut 894 Millionen Euro zusätzlich für Rechtskosten zurückstellen muss, schrumpft der Gewinn vor Steuern im dritten Quartal auf 266 Millionen Euro zusammen, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. Hinzu kämen die Lasten des Konzernumbaus. „Wir bleiben fest entschlossen, diese Agenda abzuarbeiten“, betonen die Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Der Umsatz legte um 119 Millionen Euro auf 7,9 Milliarden Euro zu. Doch weil die hohen Rückstellungen steuerlich nicht abzugsfähig sind, steht nach Steuern unter dem Strich sogar ein Verlust von 92 Millionen Euro - der dritte Quartalsverlust in der seit zweieinhalb Jahren andauernden Amtszeit der Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Dabei laufen die Geschäfte in der Kernbank vor allem durch einen belebten Anleihehandel im Investmentbanking eigentlich wieder besser: Im Kerngeschäft fuhr die Bank einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro ein, acht Prozent mehr als im Vorjahresquartal (mehr zu den Quartalszahlen finden Sie hier).

Bei den Anlegern ist die Stimmung trotzdem gedrückt: Die Deutsche-Bank-Aktie verlor schon vorbörslich mehr als zwei Prozent und rutschte bei Lang & Schwarz ans Dax-Ende.

Die aktuellen Quartalszahlen rücken angesichts des mittelschweren Personalbebens fast in den Hintergrund. Die Deutsche Bank hatte am Dienstagabend angekündigt, den Vorstand gleich an mehreren Stellen umzubauen. Marcus Schenck von Goldman Sachs soll neuer Finanzvorstand werden, der bisherige Finanzchef Stefan Krause übernimmt dafür das neu geschaffene Ressort für Strategie und Excellence und soll das hausinterne Sparprogramm überwachen.

Unter seiner Ägide hatte die Bank zuletzt den Stresstest der EZB locker bestanden. Mit einer harten Kernkapitalquote von 8,8 Prozent im Krisenfall lag die Bank deutlich über dem Ziel von 5,5 Prozent. Und die jüngste Kapitalerhöhung von mehr als 8,5 Milliarden Euro ist in diese Rechnung gar nicht einbezogen worden. Doch der Stresstest hat noch etwas anderes offen gelegt: die Kosten für die eigenen Rechtsstreitigkeiten.

Darum kommt auch der Abschied des Rechtsvorstands Stephan Leithner nicht völlig überraschend. Der einstige Kronprinz soll als Europachef wieder stärker operativ arbeiten - ein formaler Rückschritt. Für ihn soll Christian Sewing, bisher für interne Revision zuständig, neu in den Vorstand aufrücken. Auf ihn wartet viel Arbeit: Das gute Ergebnis im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung wird durch die Skandale und Fehltritte der Vergangenheit zunichte gemacht.

In mehr als 6000 Rechtsstreitigkeiten ist das Unternehmen nach eigener Auskunft derzeit verwickelt, davon 1000 mit einer Streitsumme von mehr als 100.000 Euro. Allein für Rechtsberatung gaben die Deutschbanker im vergangenen Jahr 350 Millionen Euro aus. „Die Deutsche Bank ist eine Rechtsabteilung mit angeschlossenem Bankgeschäft", spottete Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), zuletzt auf der Hauptversammlung. Um alle Prozesse und Strafen zu bewältigen hat das Institut mittlerweile drei Milliarden Euro in der Bilanz zurückgestellt.

Alle Erfolge im Tagesgeschäft könnten am Ende vor den Gerichten wieder wertlos werden. Zudem dürfte es Fitschen und Jain zunehmend schwer fallen, den eigenen Angestellten den selbst auferlegten Kulturwandel glaubhaft zu vermitteln. Denn auch die Führungsetage der Bank ist längst im Visier der Fahnder. Ausgerechnet wegen eines Rechtsstreits, der die Bank schon seit einem Jahrzehnt in Atem hält: dem Kirch-Prozess. Nach dem Vergleich mit den Kirch-Erben, der die Bank rund 925 Millionen Euro gekostet hat,  wird die Aufarbeitung des Prozesses zur Zerreißprobe für die Deutsche Bank.

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Führung im Visier der Staatsanwaltschaft

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