Roland Boekhout wechselt
ING-Diba bekommt neuen Chef

Die größte Direktbank in Deutschland bekommt einen neuen Chef. Bei der ING-Diba rückt der Niederländer Nick Jue zum 8. Mai an die Spitze. Sein Vorgänger Roland Boekhout geht zum Mutterkonzern.
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FrankfurtDie Direktbank ING-DiBa bekommt nach mehr als sechs Jahren einen neuen Chef. Roland Boekhout, der das Frankfurter Institut seit Oktober 2010 geführt hatte, rückt im Konzern auf und ist bei der Muttergesellschaft ING Groep künftig für das Bankgeschäft auf dem niederländischen Heimatmarkt, in Belgien und Luxemburg zuständig, wie ING-Diba am Mittwoch mitteilte.

Der Nachfolger des 53-Jährigen kommt aus den Niederlanden: Nick Jue soll die Führung der ING-Diba zum 8. Mai übernehmen. Der 51-Jährige arbeitet seit 1993 für die ING, seit 2010 war er Niederlande-Chef des Konzerns.

In Boekhouts Zeit ist die ING-Diba in Deutschland kräftig gewachsen. Sein Erfolgsrezept waren wenige, einfache Produkte. Das Geschäftsvolumen wuchs auf 269 Milliarden von 154 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern hat sich auf 1,2 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Der Kundenzustrom stellte die ING-Diba aber vor die Herausforderung, die Einlagen gewinnbringend anzulegen. Unter Boekhout stieg ING-Diba deshalb in größerem Stil in die Unternehmensfinanzierung ein und lenkte auch Kreditgeschäft aus den Niederlanden nach Deutschland um.

ING-Diba machte sich in Deutschland unter anderem mit großen Werbekampagnen einen Namen. Bereits seit 2003 wirbt die Direktbank mit dem in der amerikanischen Topliga NBA spielenden deutschen Basketballstar Dirk Nowitzki. Der Vertrag wurde vor zwei Jahren bis einschließlich 2017 verlängert. Die ING-Diba setzt als Direktbank traditionell ein hohes Marketingbudget im mittleren zweistelligen Millionenbereich ein. Auch dadurch hat es die Bank geschafft, rund 8,8 Millionen Kunden in Deutschland und Österreich zu gewinnen – was für Platz drei unter den deutschen Privatbanken reicht.

Der ING-Diba macht wie allen deutschen Banken das aktuelle Niedrigzinsumfeld zu schaffen, das die Margen sinken lässt. Im vergangenen Jahr senkte sie den Neukundenbonus für den Abschluss eines Girokontos von ursprünglich 100 auf 50 Euro und schränkte die Werbeausgaben erstmals ein. „Wir stehen bei der Werbung von Neukunden etwas auf der Bremse. Wir wollen kein Kundenwachstum um jeden Preis“, sagte Boekhut damals.

Die ING-Diba – 1965 als Gewerkschaftsbank unter dem Namen Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung (BSV) gegründet – setzte als eines der ersten Institute auf den Produktvertrieb per Telefon, Fax und später Internet. 1994 firmierte sie in Allgemeine Deutsche Direktbank um, 1998 stieg der niederländische Allfinanzkonzern ING ein. Unter Boekhout setzte die Bank noch stärker auf die Digitalisierung: Der Umbau zur führenden Digitalbank komme gut voran, bilanzierte er 2016. Oft bremsten aber noch gesetzliche Hürden. „Wir würden uns wünschen, dass der Gesetzgeber bei der Digitalisierung von Bankgeschäften vorangehen würde. Alle Bankgeschäfte sollten komplett digital und ohne Schriftformerfordernis abzuschließen sein“, forderte der scheidende ING-Diba-Chef.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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