Royal Bank of Scotland
Zur Hälfte reingewaschen

Die britische Finanzaufsicht FCA kritisiert die Royal Bank of Scotland für ihren Umgang mit angeschlagenen Firmenkunden. Sie entlastet die Bank aber von besonders schwerwiegenden Vorwürfen.
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LondonDie Kritik hat es in sich: Die Royal Bank of Scotland (RBS) habe dabei versagt, ihre Kunden in bewährter Art und Weise zu unterstützen. Sie habe ihre langfristige Überlebensfähigkeit nicht in ausreichendem Maße in Betracht gezogen. Die Kommunikation mit ihnen sei irreführend und dürftig, der Umgang mit ihren Klagen und Beschwerden nicht fair gewesen.

Das sind einige der Kritikpunkte in einem jetzt veröffentlichten Bericht der britischen Finanzaufsicht FCA. Die Aufseher haben sich darin den Umgang der Royal Bank of Scotland mit kleineren und mittelständischen Unternehmen vorgenommen und die Vorwürfe, die vor drei Jahren in einem umfangreichen Bericht eines Politikberaters aufgetaucht waren. Demnach soll das Geldhaus Firmenkunden in den Jahren 2008 bis 2013 absichtlich in die Enge getrieben haben, um so die eigenen Gewinne zu steigern.

Von diesen schwerwiegenden Vorwürfen entlastet die FCA aber die Bank: Ein unangebrachter Umgang mit Kunden sei zwar weitverbreitet gewesen, aber das Institut habe die Firmen nicht durch ihr Vorgehen in eine finanzielle Schieflage gebracht oder ihre Schwierigkeiten verstärkt, um am Ende davon zu profitieren.

RBS-Chef Ross McEwan reagierte mit einer Rückstellung von 400 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 450 Millionen Euro) auf die Nachricht, um die betroffenen Unternehmen für die Fehler der Bank zu entschädigen. „Wir hätten uns besser schlagen können“, räumte er ein. Man habe die Notlage der Unternehmen aber nicht ausgenutzt, um Gewinne zu machen, betonte. Eine Gruppe betroffener Unternehmen kritisierte die Summe, die für Entschädigungen geplant ist, als viel zu klein. Mehr als zwei Milliarden Pfund seien für Kompensationszahlungen notwendig.

Die fragwürdige Beratung angeschlagener Unternehmen, der die Bank eigentlich helfen sollte, ist eine der Altlasten aus Zeiten der Finanzkrise, mit der die RBS kämpft. Dazu gehört auch ein Streit mit US-Behörden über dubiose Hypothekenpapiere.

Hinzu kommt: Die Bank muss eigentlich bis zum Jahresende ihre Sparte Williams & Glyn verkaufen, um Auflagen der EU zu erfüllen. Der Staat war in der Finanzkrise mit 45 Milliarden Pfund bei der RBS eingestiegen. Im Gegenzug muss sich die Bank von Williams & Glyn trennen.

Doch es dürfte eng werden, das bis Ende dieses Jahres hinzubekommen. Medienberichten zufolge zeigt zwar die spanische Santander Interesse an der RBS-Einheit. Doch das ist nicht der erste Anlauf der Bank, Williams & Glyn zu kaufen. Und die bisherigen Versuche sind gescheitert. Man habe sich nicht über den Preis einigen können, hieß es aus Finanzkreisen. Williams & Glyn hat mehr als 300 Filialen und zwei Millionen Kunden.

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