Rückversicherer
Munich Re beschwört nach Hurrikansaison die Preiswende

Der Rückversicherer rutscht wegen der schweren Hurrikansaison in den USA und in der Karibik in die Verlustzone – und baut nun auf steigende Prämien. Doch die Hoffnungen für das laufende Jahr sind begrenzt.
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FrankfurtJörg Schneider ist ein zurückhaltender, feinsinniger Mensch. Doch in einem Punkt gab sich der 59-Jährige Finanzchef des Rückversicherers Munich Re am Donnerstag sehr eindeutig. „Wir rechnen für die kommenden Verhandlungen wieder mit steigenden Preisen – insbesondere in den von Katastrophen besonders betroffenen Märkten“, sagte er bei der Vorlage der Quartalszahlen.

Es war der tapfere Versuch, auch in einer unangenehmen Lage noch eine Chance zu entdecken. Denn die Ziffern, die der Topmanager vorlegte, trugen wie erwartet vor allem eine Farbe: dunkelrot. Die schwere Hurrikansaison und ein Erdbeben in Mexiko brockten dem zweitgrößten Rückversicherer der Welt im dritten Jahresviertel wie bereits gemeldet einen Quartalsverlust von 1,4 Milliarden Euro ein. Für das Gesamtjahr rechnet der Dax-30-Konzern nunmehr noch mit einem „kleinen, dreistelligen Millionenbetrag“ als Gewinn.

Für Munich Re-Chef Joachim Wenning fällt das erste Jahr an der Spitze damit schwieriger aus als erwartet. Der neue Vorstandschef, der erst Ende April den Chefsessel in München übernahm, hatte auf seiner ersten Pressekonferenz im August deutlich gemacht, dass es ihm darum gehe, die seit Jahren sinkenden Erträge des Konzerns zu stabilisieren. Davon sind die Münchener derzeit jedoch weit entfernt. Auch die Tatsache, dass die Munich-Re-Tochter Ergo weitere Fortschritte macht, konnte das Bild nicht entscheidend aufhellen. Der Düsseldorfer Erstversicherer, der derzeit über den Verkauf von sechs Millionen Lebensversicherungs-Policen nachdenkt, schrieb von Januar bis September einen Gewinn von 224 Millionen Euro – und verbesserte sich in allen Segmenten.

Doch die Naturgewalten machen dem ehrwürdigen Mutterkonzern aus der Königinstraße nahe des Englischen Gartens in München einen dicken Strich durch die Rechnung. Damit treffen die Folgen der schweren Naturkastrophen die Munich Re ähnlich schwer wie den größeren Rivalen Swiss Re, den die Hurrikans und das Erdbeben in Mexiko insgesamt 3,6 Milliarden Dollar (3,05 Milliarden Euro) kosteten, sowie US-Starinvestor Warren Buffett, dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway erstmals seit 15 Jahren in diesem Jahr im Versicherungsgeschäft Verluste schreibt.

Nur der kleinere Rivale Hannover Rück kann sich von den Münchenern etwas absetzen. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer konnte sich von Januar bis September in den schwarzen Zahlen halten und reduzierte seine Jahresprognose trotz der schweren Hurrikansaion nur leicht. Nunmehr rechnet das MDax-Unternehmen im laufenden Jahr jetzt mit einem Gewinn von 800 Millionen Euro – statt der bisher ursprünglich anvisierten eine Milliarde Euro, die der Konzern Anfang des Jahres in Aussicht gestellt hatte.

Die Hannover Rück griff allerdings in die Schatulle, um die Zahlen aufzupolieren. Denn die Niedersachsen verkauften im dritten Quartal ihr fast eine Milliarde Euro schweres Portfolios börsennotierter Aktien, womit außerordentliche Erträge in Höhe von 223,3 Millionen Euro realisiert wurden – ein Schritt, auf den die Munich Re verzichtete.

Der Dax-30-Konzern hatte seine ursprüngliche Gewinnprognose von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro für 2017 bereits im Oktober kassiert und stellt seitdem nur noch einen „kleinen Gewinn{ in Aussicht. Analysten gehen mehrheitlich in ihren Schätzungen davon aus, dass der Konzern einen Gewinn von rund 560 Millionen Euro im Gesamtjahr erreichen könne.

Allein die Hurrikans „Harvey“, „Irma“ und „Maria“, die binnen weniger Tage über die Karibik, den Golf von Mexiko und den Süden der USA hinweggezogen waren und massive Verwüstungen angerichtet hatten, hinterließen bei der Munich Re eine Belastung von 2,7 Milliarden Euro, die sich zusammen mit weiteren Naturkatastrophen wie dem Erdbeben in Mexiko zu einer Gesamtschadenbelastung von 3,2 Milliarden Euro addierten.

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