Rückversicherer
Munich Re trennt sich von US-Tochter

Abschied nach Millionen-Verlusten: Die Munich Re gibt ihr US-Sorgenkind Windsor Health Group zum Jahresende ab und hofft im Gesamtjahr wieder auf schwarze Zahlen in der Gesundheitssparte.
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MünchenDie Münchener Rück steigt nach fünf Jahren mit Verlust wieder aus dem Krankenversicherungsgeschäft aus. Die Windsor Health Group (WHG), die die Münchener Rück seit 2008 für 324 Millionen Euro zusammengekauft hatte, geht für einen ungenannten Betrag an den größeren Rivalen WellCare Health Plans, wie die beiden Konzerne am Donnerstag mitteilten. Eine Sprecherin der Münchener Rück bezifferte den Verlust aus dem Engagement auf rund 300 Millionen Euro. An der Gewinnerwartung für 2013 ändere sich aber so gut wie nichts. Die auf alte und einkommensschwache US-Amerikaner spezialisierte WHG war das größte Sorgenkind des weltgrößten Rückversicherers. Das Unternehmen war gleich zweimal von den Gesundheitsreformen („Obamacare“) in den USA getroffen worden, die es immer mehr ins Abseits bugsierten.

Die Münchener Rück hatte WHG bereits im vergangenen Jahr auf den Prüfstand gestellt. 2012 schrieb das Unternehmen aus Tampa in Floria 86 Millionen Euro Verlust und wurde in den Büchern des Konzerns auf Null abgeschrieben. Wolfgang Strassl, der Chef von Munich Health, des kleinsten und jüngsten Geschäftsfelds der Münchener Rück, musste gehen. Nach dem Verkauf erwartet Munich Health für das laufende Jahr wieder einen kleinen Gewinn. Bisher hatte Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard auch erneut rote Zahlen nicht ausgeschlossen. Der neue WHG-Eigentümer, WellCare, erwartet dagegen, dass die Übernahme sich 2014 für ihn auszahlt. WellCare ist mit 2,8 Millionen Mitgliedern ungleich größer als die WHG, die zuletzt 300.000 Kunden zählte.

Im amerikanischen Gesundheitssystem haben sich WellCare und WHG auf Krankenversorgungs-Programme für Kunden spezialisiert, die nach dem staatlichen Medicare- oder Medicaid-System unterstützt werden. Mit den „Gesundheitsplänen“ der Versicherer erhalten sie Behandlungen in Krankenhäusern oder bei Ärzten, die bei den Versicherern unter Vertrag stehen.

In den USA ist die Münchener Rück künftig in der Sparte nur noch als Rückversicherer aktiv. Zudem berät sie Unternehmen, die ihren Mitarbeitern - wie das in den USA üblich ist - eine eigene Krankenversicherung bieten. Munich Health bleibe als eigenes Geschäftsfeld bestehen, sagte die Sprecherin. 70 Prozent davon entfallen auf die Rückversicherung.

WHG war 2011 aus den Krankenversicherern Windsor Health und Sterling Life entstanden. Die Münchener Rück hatte 2008 für Sterling Life 223 Millionen Euro gezahlt, weitere 101 Millionen Euro 2011 für Windsor Health. (Reporter: Alexander Hübner; redigiert von Till Weber)

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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