Rückversicherer: Munich Re überrascht die Branche mit Öl-Versicherung

Rückversicherer
Munich Re überrascht die Branche mit Öl-Versicherung

Der drittgrößte Rückversicherer, Hannover Rück, fordert wie der Marktführer Munich Re deutliche höhere Versicherungen für Ölbohrungen. Einen entsprechenden Vorschlag der Münchner auf dem Branchentreff in Monte Carlo begrüßten die Hannoveraner. Der Rest der Branche reagiert allerdings zurückhaltend.
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MONTE CARLO. Der größte Rückversicherer Munich Re hat den ersten Helfer gefunden, um künftig für Ölbohrungen einen rund zehn Mal höheren Versicherungsschutz anzubieten. "Wir mögen die Idee, Ölbohrungen deutlich höher über Versicherungen abzudecken", sagte Hannover-Rück-Vorstand Jürgen Gräber am Montagmorgen auf einem Pressefrühstück in Monte Carlo. Mit Blick auf andere, aber niedrigere Versicherungslösungen forderte er: "Wir brauchen eine Lösung für den Energiemarkt, nicht mehrere."

Branchenführer Munich Re hatte am Sonntag als erster Rückversicherer auf Forderungen der US-Behörden reagiert, wegen der verheerenden Ölkatastrophe am Golf von Mexiko deutlich höhere Versicherungen anzubieten. Um mögliche Schäden künftiger Katastrophen besser abzudecken, stellte der Spezialist für Großschäden auf dem Branchentreff in Monte Carlo ein neues Konzept für die Versicherung von Ölbohrungen im Meer vor.

Damit könnten Schäden von 10 bis 20 Mrd. US-Dollar pro Bohrung versichert werden. Das wäre etwa zehn Mal soviel wie bisher auf dem internationalen Versicherungsmarkt für Ölprojekte verfügbar ist. Deshalb müssten die Versicherer dafür ihre Kräfte bündeln. Munich Re selbst will pro Projekt bis zu zwei Mrd. Dollar bereitstellen und würde so einen wichtigen Teil der Gesamtsumme übernehmen.

Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin dämpfte allerdings in Monte Carlo die Erwartungen auf eine rasche Lösung durch die Branche. Wegen der anstehenden US-Wahlen erwartet er keine schnelle Einigung in den USA. Entscheidend für Angebote der Versicherungsbranche seien jedoch neue Vorschriften, insbesondere im wichtigsten Markt, den USA.

Nur wenn Versicherungslösungen für die gesamte Ölbranche vorgeschrieben würden, könne die Versicherungsbranche entsprechende Angebote machen. "Wir brauchen viele Plattformen", sagte Wallin. Dann sei der Prämienpool entsprechend groß. Dies bräuchten die Versicherer für ihr Risikomanagement. Bei entsprechender Streuung der Risiken werden Versicherungslösungen für Ölbohrungen auch günstiger.

Bisher werden Ölbohrungen nicht separat versichert, sondern sind im Rahmen der individuellen Haftpflichtpolicen der beteiligten Unternehmen gedeckt. Dieser Markt gilt als sehr intransparent, selbst Branchenprimus Munich Re blickt nicht durch. Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands von Munich Re reagiert mit dem Konzept insbesondere auf Kritik der US-Behörden an zu geringem Versicherungsschutz für Ölbohrungen. "Wenn es Deckungen gibt, werden Unternehmen sie kaufen. Denn hohe Schadenzahlungen können existenzbedrohend sein. Schon die Spekulation darüber führt zu fallenden Aktienkursen." Die Munich Re könnte sofort die neue Police anbieten, aber nur wenn die Konkurrenten mitmachen.

Munich Re hat eine Versicherungslösung für Ölfirmen entwickelt, die diese gegen Haftpflichtrisiken aus Ölkatastrophen bei Bohrungen im Meer absichert.

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