Rückversicherer
Preispoker statt Glücksspiel

Jedes Jahr trifft sich die Versicherungsbranche in Baden-Baden. Dabei frönt man aber nicht dem Glücksspiel, sondern pokert um die Preise im Rückversicherungsgeschäft – und wittert neue Geschäftsfelder.

Baden-BadenIn Geschäftsverhandlungen geht es nicht selten zu wie beim Poker – und natürlich gehört bluffen auch dazu. In der Versicherungsbranche sitzen sich jedes Jahr Rückversicherer und Versicherer gegenüber, vor allem zum Jahreswechsel läuft ein Großteil ihrer Vereinbarungen aus. Auf dem alljährlichen Branchentreffen in Baden-Baden wird ausgelotet, wie weit man in den Verhandlungen gehen kann.

Für die Nummer 1 der Rückversicherungsbranche, die Munich Re, ist der Fall klar: Keine Zugeständnisse. „Wir werden diszipliniert vorgehen“, betont Vorstandsmitglied Ludger Arnoldussen am Montag vor Journalisten. Wenn Kunden zu hohe Zugeständnisse fordern, werde man eben weniger Geschäft machen. „So haben wir die vergangenen 135 Jahre überlebt“.

Die Preise im klassischen Rückversicherungsgeschäft sind seit längerem rückläufig, unter anderem, weil mittlerweile auch Pensionsfonds und Hedgefonds in dem Geschäft tätig sind und damit einen harten Konkurrenzkampf ausgelöst haben. Zudem geben viele Erstversicherer weniger Risiken an Rückversicherer ab, wodurch die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage von Rückversicherungsschutz weiter wächst.

Dennoch geht es der Rückversicherungsbranche gut: Sie weist Rekordergebnisse aus. Daran werde sich kurzfristig nicht viel ändern, sagen Experten. Zum einen haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren üppige Kapitalpolster angelegt, zum anderen hatten sie zuletzt Glück: Es gab kaum teure Naturkatastrophen, für die sie zahlen mussten.

Die andere Seite im Preispoker, öffentlich vertreten in Baden-Baden durch Makler wie Aon Benfield oder Guy Carpenter, sieht den Verhandlungen natürlich mit einer anderen Meinung als Munich-Re-Vorstand Arnoldussen entgegen. Das Angebot von Seiten der Rückversicherer sei groß, sagt Thofern von Aon Benfield, „wir haben Überkapazitäten“.

Deswegen rechnet er mit „interessanten“ Preisen, sprich: weniger Geld für die Rückversicherer. Noch deutlicher wird man bei Guy Carpenter. Ebenfalls mit Verweis auf ein großes Angebot heißt es da, die Kunden dürften die Qual der Wahl haben. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Käufer von Rückversicherungsprodukten möglicherweise noch mehr sparen können als zuletzt prognostiziert.

Die Rückversicherungsbranche setzt angesichts der schlechten Perspektiven auf neue Wachstumsfelder. Allerorten wird das Potenzial durch die Entwicklung des autonomen Autos und die Gefahren durch Hacker diskutiert. „Das Neue Risiken erfordern neue Produkte“, sagt Arnoldussen. In Zukunft werde die größte Gefahr für die Produktionsanlage nicht mehr von Feuer oder Explosionen ausgehen, sondern von Hackerangriffen und deren Folgen.

Auf 445 Milliarden Dollar beziffert das amerikanische Center for Strategic and International Studies die Kosten durch Cyberkriminalität und Wirtschaftsspionage für die globale Wirtschaft – im Jahr. „Die Nachfrage nach Versicherungslösungen gegen Cyber-Risiken wird rapide zunehmen“, prognostiziert daher nicht nur Arnoldussen.

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