Rückversicherer
Schlechtere Zeiten in Sicht

Im Spätsommer rücken die sonst eher wenig beachteten Rückversicherer ins Blickfeld. Dann feilschen sie im mondänen Monte Carlo mit Erstversicherern um die Konditionen. Die Raten sind diesmal nicht das einzige Problem.

MünchenMitte September bietet sich den noch immer zahlreichen Touristen an der Cote d'Azur ein schwer durchschaubares Millionenspiel. Auf einem Dreieck mit nur wenigen Minuten Gehstrecke zwischen den Luxushotels wechseln Erstversicherer, Rückversicherer und Makler beinahe im Stundentakt die Schauplätze.

Ihr Ziel haben alle drei Gruppen in Monte Carlo fest im Blick: Nach wenigen Tagen wollen sie die wesentlichen Konditionen festgezurrt zu haben, zu denen sich im kommenden Jahr dann die Erstversicherer – also die Gesellschaften für den Endkunden – bei ihren Versicherern – also den Rückversichern – absichern können.

Wie bei allen Verhandlungen geht es hart zur Sache, am Ende verlangt aber schon allein das Ritual, dass sich alle als Sieger fühlen dürfen. So will es schließlich die mehr als zwei Jahrzehnte lang bewährte Dramatik der Veranstaltung.

In diesem Jahr rücken jedoch bei den Rückversicherern Probleme ins Bewusstsein, die in den kommenden Jahren massiv die Erträge belasten könnten. Ihre strengen und dazu sehr konservativen Investmentrichtlinien hatten sie bisher vor den Unbillen des Marktes geschützt. Die Ratings blieben quer über die Branche deswegen weitgehend stabil. Jetzt jedoch altern hochverzinsliche Anleihen aus besseren Zeiten allmählich. Dazu bedarf es keiner prophetischen Gaben, dass das Zinsniveau auch in den kommenden Jahren weiter niedrig bleiben dürfte.

„Die Optionen sind begrenzt, deswegen dürften Rückversicherer künftig auch in Bonds mit dem mittleren Rating BBB investieren“, schreibt Marco Sindaco, Analyst bei der Ratingagentur S&P in einer aktuellen Studie. Dennoch: Sorge vor plötzlichen unwägbaren Risiken in den Depots der Rückversicherer müssen die Anleger nicht haben. Diese seien unwillig, das Risiko tatsächlich zu erhöhen. Im Schnitt dürfte das durchschnittliche Rating in den kommenden drei Jahren bei der grundsoliden Note „A“ liegen.

30 Prozent des Risikos erwächst den Rückversicherern derzeit aus den Anlageklassen in ihren Depots, ihnen stehen 70 Prozent aus ihren potenziellen Verpflichtungen gegenüber den Erstversicherern gegenüber. Zum Vergleich: Bei Versicherern mit dem Schwerpunkt Europa, Mittlerer Osten und Nordafrika liegt das Verhältnis wegen der deutlich riskanteren Papiere dort bei 50:50.

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