Rückversicherer Softbank wird mit höchstens zehn Prozent bei Swiss Re einsteigen

Höchstens zehn Prozent darf Softbank am Rückversicherer Swiss Re übernehmen - statt eines Viertels wie zuvor geplant. Die Anleger reagieren enttäuscht.
Update: 04.04.2018 - 11:10 Uhr Kommentieren
Konditionen, Zeitplan oder Form einer Transaktion oder Partnerschaft zwischen Swiss Re und Softbank sind noch offen. Quelle: Reuters
Swiss Re und Softbank

Konditionen, Zeitplan oder Form einer Transaktion oder Partnerschaft zwischen Swiss Re und Softbank sind noch offen.

(Foto: Reuters)

ZürichEigentlich sollte es beim Investorentag der Swiss Re am Mittwoch in Zürich um die eigene Kapitalstärke gehen. Dazu um die Investitionen in Forschung und Entwicklung oder das gute Verhältnis zu den Kunden. Dass dann aber vor allem über den möglichen Einstieg der japanischen Softbank bei dem Schweizer Traditionshaus gesprochen wurde, verwunderte nicht. Blickt doch die gesamte Branche seit Wochen gebannt darauf, ob der Technologiekonzern tatsächlich einen größeren Anteil an Swiss Re übernehmen wird.

Vorstandschef Christian Mumenthaler nahm allzu hochfliegenden Spekulationen sogleich den Wind aus den Segeln. „Es ist maximal ein Anteil von zehn Prozent, über den wir zurzeit reden“. Bislang war von 30 Prozent, mancherorts auch von 25 Prozent die Rede. Ohnehin befinde man sich in einem sehr frühen Stadium, in dem es noch ungewiss sei, ob es überhaupt zu einem Einstieg käme. „Das war zuletzt sehr viel Paranoia in diesem Thema“, so Mumenthaler wörtlich.

Es gäbe Gespräche, Softbank werde aber sicher kein Anker-Aktionär der Swiss Re werden. Eher könne man sich eine Partnerschaft mit dem Technologieunternehmen vorstellen. „Technologie ist sehr wichtig“, betonte Mumenthaler für sein Geschäft. Außerdem biete Softbank heute schon über seine technischen Möglichkeiten den Zugang zu 800 Millionen Kunden weltweit.

Überall kämpfen die Rückversicherer seit einigen Jahren mit der gewaltig steigenden Datenflut. Dabei handelt es sich um Zahlen, bei denen sich das Vorstellungsvermögen des Normalsterblichen längst verabschiedet hat. Bei 43 Zetabyte schätzen die Experten von IBM und der Universität von Berkeley das weltweite Datenvolumen im Jahr 2020. In Bytes ausgedrückt ist das die Zahl 43 mit 21 Nullen. Noch deutlicher macht es ein Vergleich: Das wären 300 mal mehr Daten, als im Jahr 2015 weltweit verfügbar waren.

Auch bei Munich RE, dem größten Rückversicherer der Welt vor Swiss Re, haben sie das Potenzial, das in all diesen Daten liegt, längst erkannt. Und kämpfen ebenfalls damit, diesen gewaltigen Datensatz zu strukturieren und so nutzbar zu machen. Die Münchener haben jüngst die Zusammenarbeit mit dem Software-Riesen Microsoft ausgebaut, um mit deutlich gestiegener Rechenleistung die riesigen Datenmengen schneller auswerten zu können. Anders als früher sollen jetzt auch die verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen zusammenarbeiten und gemeinsam neue Modelle entwickeln.

Bei den Anlegern von Swiss Re ist die Nachricht, dass Softbank nur mit maximal zehn Prozent bei den Schweizern einsteigen wird, nicht gut angekommen. In den ersten beiden Handelsstunden verlor die Aktie 3,5 Prozent. Leicht in Mitleidenschaft gezogen wurde auch die Munich Re, deren Papiere um 0,8 Prozent nachgaben. Am Kurssturz von Swiss Re änderte auch das Versprechen des neuen Finanzvorstands John Dacey nichts, der erst vor wenigen Tagen seinen Job angetreten hat.

Im Schnitt soll das Eigenkapital sieben Prozent mehr Ertrag abwerfen als zehnjährige US-Staatsanleihen, bekräftigte er die Prognose. Aktuell entspräche das einer Eigenkapitalrendite von rund 9,8 Prozent. 2017 waren es wegen Milliardenzahlungen für Naturkatastrophen lediglich 1,0 Prozent. Das Eigenkapital je Aktie soll jährlich um zehn Prozent steigen. Zudem stellt der Konzern seinen Aktionären weiterhin eine attraktive Dividende in Aussicht.

Viele Anleger ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken. Ihnen dämmert inzwischen, dass die Zusammenarbeit von weit über hundert Jahre alten Traditionsunternehmen mit jungen Technologieunternehmen in der Praxis schwieriger werden könnte als das manche bisher vermutet hatten.

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