Rückversicherung Munich Re verdient wohl schon wieder weniger

Der weltgrößte Rückversicherer plant auch für 2017 mit weniger Gewinn. Es wäre der vierte Rückgang in Folge. Das bedeutet vor allem eines: Viel Arbeit für den kommenden Vorstandschef Joachim Wenning.
Update: 15.03.2017 - 08:41 Uhr Kommentieren
Die Munich Re ist der weltgrößte Rückversicherer. Quelle: AP
Hauptgebäude der Munich Re in der Königinstraße in München

Die Munich Re ist der weltgrößte Rückversicherer.

(Foto: AP)

MünchenEiner Firma, die Milliardengewinne schreibt, geht es zwangsläufig nicht schlecht. Und bei der Munich Re haben Milliardengewinne beinahe Tradition. Was die Aktionäre des weltgrößten Rückversicherers jedoch am Mittwochmorgen von dort zu hören bekamen, dürfte vielen nicht passen. „Wir streben 2017 – in einem absehbar schwierigen Umfeld – einen Gewinn in einer Spanne von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro an,“ sagte der scheidende Vorstandschef Nikolaus von Bomhard. Es wäre der vierte Gewinnrückgang in Folge und ein Indiz, dass die Munich Re dringend ein verändertes Geschäftsmodell braucht.

Denn der anhaltender Preiskampf und die Sanierung der Direktversicherungs-Tochter Ergo führten in dem Traditionshaus in der Münchener Königinstraße im abgelaufenen Jahr bereits zu einem Gewinnrückgang von 16 Prozent. Unter dem Strich blieb da noch ein Überschuss von 2,6 Milliarden Euro.

Für von Bomhard, der nach der Hauptversammlung Ende April sein Amt abgibt, ist es ein Abschied mit Wehmut nach einem turbulenten Jahr: Im Sommer hatte der Konzern seine Ergebnisprognose wegen des teuren Umbaus der Erstversicherungstochter Ergo zunächst um ein Viertel gesenkt, um sie im Herbst dann wieder anzuheben. Einen Überschuss von „deutlich mehr als 2,3 Milliarden Euro“ stellte der Konzern seitdem in Aussicht – und hielt nun Wort

Doch der Veränderungsbedarf ist nun unübersehbar. Prämienvolumen und Eigenkapitalrendite im Kerngeschäft stehen weiter unter Druck. Die von den Zentralbanken im Kampf gegen die Finanzkrise gesenkten Zinsen setzen sowohl der Versicherungs- als auch der Rückversicherungsbranche schwer zu. Ein weiterer Grund für den Preisdruck ist das starke Überangebot an Rückversicherungsschutz im Markt.

Viele Erstversicherer sitzen auf dicken Kapitalpolstern und gehen inzwischen selbst lieber ein größeres Risiko ein, als sich rückzuversichern. Zudem sind seit Jahren immer mehr Pensions- und Hedgefonds im Markt vertreten und bieten ihrerseits Rückversicherungen an.

Neue Versicherungsfelder müssen her, neue Risiken, in die Branchenneulinge nicht so leicht stoßen können. Erste Schritte wurden bereits gemacht: Die Großen der Branche setzen auf maßgeschneiderte Lösungen statt auf Massengeschäft und fahnden nach neuen Geschäftsfeldern. Vor allem von Cyberversicherungen und Schutzpolicen für große Firmen, die bei großen Epidemien Einbußen erleiden, versprechen sich die Manager in München künftig viel.

Sehr viel Arbeit also für Joachim Wenning, der Ende April nach der Hauptversammlung das Zepter übernimmt. Das Eigengewächs ist bereits seit den frühen 90er Jahren im Haus, muss sich somit nicht erst einarbeiten. Mit dem Erstversicherer Ergo weiß er intern um den nächsten Krisenherd. Dort ist der Umbau zwar in vollem Gange – vor allem bei digitalen Angeboten will man ganz an die Spitze -, bis erste Früchte zu erkennen sind, wird es jedoch noch dauern. Die schwächelnde Tochter Ergo, die die Munich Re 1997 durch die Fusion ihrer Beteiligungsgesellschaften Victoria und Hamburg-Mannheimer gründete, könnte eine erste wichtige Wegscheide für den neuen Vorstandschef werden. Denn die eine Milliarde Euro, die die Mutter für die Sanierung des Düsseldorfer Geschäfts insgesamt zur Verfügung stellt, dürfte die letzte Stütze sein, die ihr die Mutter gewährt.

Dafür können Aktionäre der Munich Re an anderer Stelle auf Bewährtes hoffen. Zum zehnten Mal seit dem Jahr 2006 wird der weltgrößte Rückversicherer Aktien zurückkaufen. Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro sollen bis zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2018 erworben werden, teilte die Munich Re am Morgen mit.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

Man muss keine prophetischen Gaben besitzen, um zu erkennen, dass dann bereits das nächste Rückkaufprogramm anstehen dürfte. Lediglich zwischen Mai 2011 und Oktober 2013 gab es für zweieinhalb Jahre eine Unterbrechung. Wegen der unklaren Auswirkungen der Finanzkrise behielt man das Geld damals lieber im eigenen Haus. „Aktienrückkäufe sind auch deswegen gut, weil wir das Geld sonst nur horten würden“, sagte Finanzvorstand Stefan Schneider vor kurzem dem Handelsblatt.

Auch eine personelle Überraschung verkündete der weltgrößte Rückversicherer. Ludger Arnoldussen, Vorstand unter anderem für das Geschäft in Deutschland, Asien/Pazifik und Afrika, wird nach der Hauptversammlung am 26. April seinen Posten räumen. „Im besten gegenseitigen Einvernehmen“, heißt es in der Presseerklärung. Was dann doch überrascht, ist Arnoldussen doch seit dem Jahr 2006 schon im Vorstand der Munich Re und hat mit 55 Jahren längst nicht die Altersgrenze von 60 Jahren erreicht. Ersetzt wird er durch den 51-jährigen Hermann Pohlchristoph, der seit 2002 im Unternehmen ist, zuletzt als Finanzvorstand des Geschäftsfeldes Rückversicherung.

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