Rückversicherungsbranche Münchener Rück wagt keine Prognose

Der Rückversicherer Münchener Rück streicht seine mittelfristige Gewinnprognose. Der Grund liegt auf der Hand. Die Ziele sind angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise einfach nicht mehr realistisch.

MÜNCHEN. Die Finanzkrise wird sich nach Einschätzung der Münchener Rück nachhaltig auf die Renditen auswirken. Der weltgrößte Rückversicherer verabschiedete sich gestern von seinem Gewinnziel für 2010 und rechnet auch danach mit deutlich niedrigeren Erträgen aus der Kapitalanlage. Licht am Ende des Tunnels sieht der Konzern für die von der Finanzkrise gebeutelte Branche nicht. „Wir stecken nach wie vor mitten drin, und ein Ende ist nicht absehbar“, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard.

Die Münchener Rück ist bisher besser als andere Finanzkonzerne durch die Krise gesteuert. 2008 machte der Konzern einen Gewinn von 1,5 Mrd. Euro. Die sogenannte Solvabilitätsquote ist deutlich höher als bei vielen anderen Finanzkonzernen: Das Unternehmen verfügte Ende des Jahres über 264 Prozent der benötigten Eigenmittel. „Wer nicht alles mitgemacht hat, was modisch war, kam besser durchs Jahr“, sagte Bomhard, „eine gewisse Sturheit ist hilfreich.“

Priorität für die Münchener Rück hat weiterhin der Schutz der Kapitalbasis. Mit sicheren Anlagen seien derzeit nur geringe Renditen zu erzielen, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. Als Konsequenz kassiert der Konzern das Gewinnziel von 18 Euro je Aktie, das im Programm „Changing Gear“ vorgegeben wurde. „Inzwischen hat sich das Umfeld dramatisch verändert“, sagte von Bomhard, „wenn wir nicht das Risiko erhöhen wollen, können wir die damals angenommenen Returns nicht erwirtschaften.“

In der Branche sind das noch immer Luxusprobleme. So erzielte der Erzrivale Swiss Re im vergangenen Jahr einen Verlust von knapp 900 Mio. Euro. Auch die Hannover Rück hatte zuletzt Verluste für 2008 nicht ausgeschlossen.

Dennoch kann sich auch die Münchener Rück der Krise zunehmend schwerer entziehen. 2008 kam der Konzern bei den Kapitalanlagen nur noch auf eine Verzinsung von 2,5 Prozent. Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr gab das Unternehmen – wie die meisten in der Branche – nicht ab. „Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass wir nicht in den roten Bereich kommen“, formulierte es von Bomhard vorsichtig. Die Anleger können also hoffen, dass die Münchener Rück auch 2010 zumindest schwarze Zahlen schreibt.

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