Rückzug
Ergo scheitert mit seiner Türkei-Strategie

Der Düsseldorfer Versicherer Ergo zieht sich zum Teil aus der Türkei zurück. Der Umbau des Unternehmens in der Türkei hat bereits begonnen. Für den Versicherer ist es eine weitere Niederlage im Ausland.
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DüsseldorfNach Südkorea nun die Türkei: Der komplette Direktvertrieb von Lebensversicherungs- und Pensionsprodukten werde eingestellt, bestätigte ein Sprecher des Düsseldorfer Versicherungskonzerns Ergo dem Handelsblatt.

Über 100 Mitarbeiter der Ergo-Tochter „Emeklilik ve Hayat A.S.“ werden demnach entlassen. Der bisherige Geschäftsführer der Gesellschaft, Recep Akkaya, sei ebenfalls nicht mehr im Amt. Die Geschäfte führt nun der bisherige Vertriebsvorstand.

Das Tochterunternehmen ist Teil der „Ergo Turkey“-Gruppe, bestehend aus der Lebens- und einer Sachversicherungssparte (Ergo Sigorta A.S.). Die Munich-Re-Tochter Ergo hatte 2006 rund 75 Prozent an beiden Gesellschaften für 212,9 Millionen Euro erworben, 2008 dann die restlichen Anteile.

Im Ausland hat der Erstversicherer Ergo schon häufiger kein glückliches Händchen bewiesen. Erst im vergangenen Jahr trennte sich der Konzern von zwei verlustreichen portugiesischen sowie der südkoreanischen Tochter.

Auch das Türkeigeschäft steht schon länger auf dem Prüfstand; die Sachversicherungssparte wird derzeit „saniert“. So nennen es Versicherungsexperten, wenn sie in einem Bereich profitabler werden wollen. So hat Ergo bereits vor längerer Zeit rund 40 Prozent aller Autopolicen in dem Land gekündigt, weil die Prämien nicht auskömmlich gewesen sind. Der Aufbau des Leben-Geschäfts in der Türkei hätte einen zu langen Atem erfordert, sagte der Sprecher.

Die gesamten Brutto-Prämieneinnahmen in der Türkei beliefen sich 2012 laut Geschäftsbericht über alle Sparten auf 301,6 Millionen Euro, nach 306,3 Millionen im Jahr 2011.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Rückzug: Ergo scheitert mit seiner Türkei-Strategie"

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  • Kann dem nur beipflichten. ERGO hat "zero" Kompetenz für im internationalen Bereich und vernichtet fleissig weiter das Geld der Kunden. Dafür werden in Deutschland kräftig die Prämien in der Unfall und Gebäudeversicherung erhöht und fleissig in Werbung und in Aktivitäten des Direktversicherers investiert. Service und Kundenorientierung stelle ich mir ganz anders vor.

  • Verantwortung und Mut.

    Bereits seinerzeit hatte ich prognostiziert, dass ERGO mit ihren Auslandsinvestments nicht nur schief liegt, nein, dass ERGO absolut nicht für solche Projekte aufgestellt ist. ERGO-Aktivitäten im nahen Europa wie Österreich können noch Sinn machen - aber doch nicht in Indien oder China! Die Pleiten dort sind, wie in der Türkei, Korea …, vorgezeichnet. Natürlich ist auch die Munich Re nicht schuldlos. Schnelle und radikale Strategiewechsel sind notwendig. Nur, wer soll diese formulieren und vor allem durchführen? Mutige vor!


  • Ergo, wenn das Unternehmen 4 wurde nun auf Platz 12.
    Wer ist schuld?

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