Rückzug von Macquarie: Londoner Börse bleibt unabhängig

Rückzug von Macquarie
Londoner Börse bleibt unabhängig

Die Londoner Börse hat den Kampf um ihre Unabhängigkeit gewonnen. Gestern zog die australische Macquarie Bank ihr Übernahmeangebot praktisch zurück. Offerten der Deutschen Börse und der Euronext gelten mittelfristig als unwahrscheinlich.

LONDON. Ebenso lassen sich potenzielle Kandidaten aus Übersee Zeit. Damit endet für die London Stock Exchange (LSE) eine mehr als einjährige Phase der Ungewissheit über ihre Zukunft. Die Aktie der Börse legte bis zum Nachmittag um zwei Prozent auf knapp 8,40 Pfund zu.

Macquarie teilte das Ende ihres Interesses gestern selbst mit. Allerdings hält die Bank ihre Offerte aus verfahrenstechnischen Gründen aufrecht. Sie sagte aber, dass sie das existierende Angebot auf keinen Fall aufstocken und es nicht über den 28. Februar hinaus verlängern werde. „Wir haben uns nicht über den Preis einigen können und ziehen weiter“, sagte Jim Craig, Europa-Chef von Macquarie, gegenüber Bloomberg: „Für uns ist es nicht sinnvoll, einen Preis zu zahlen, der weder unserem Modell entspricht noch unserer Verantwortung gegenüber den Aktionären.“

Damit scheitert der Übernahmeversuch, denn mit dem jetzigen Angebot von 5,80 Pfund je Aktie hat die Bank auch angesichts des Aktienkurses nicht den Hauch einer Chance, die Mehrheit zu gewinnen. Auch ist die Front der Aktionäre geschlossen. Vor allem Großaktionär Threadneedle (13,7 Prozent) unterstützt das Management der Londoner Börse seit Monaten lautstark.

Die LSE selbst wollte die neue Entwicklung nicht kommentieren. Aus der City hieß es jedoch: „Der Rückzug kommt besser spät als nie.“ In den vergangenen Wochen hatten Analysten es als unwahrscheinlich eingeschätzt, dass Macquarie Erfolg haben würde. Die Australier standen vor der Schwierigkeit, eine höhere Offerte vorlegen zu müssen, ohne große Synergieeffekte mit dem eigenen Unternehmen vorweisen zu können.

Nun endet für die Londoner eine Phase, die Mitte Dezember 2004 begann. Damals legte der Ex-Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert ein inoffizielles Angebot von 5,30 Pfund auf den Tisch. Auch die Euronext kündigte Interesse an. Das Management der LSE betonte stets, dass der wahre Wert deutlich höher liege. Und je mehr Zeit verging, umso stärker wogen die Argumente: Der Aktienmarkt hellte sich auf, ebenso das Geschäft mit Neuemissionen. Außerdem kehrte die LSE ihre Barmittelbestände an die Aktionäre aus. Die Folge: ein stetig steigender Aktienkurs.

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