Russische Banken flüchten nach China
Im Schulterschluss mit dem Drachen

Russische Banken stehen unter harten Sanktionen. Da lohnt sich bei der Refinanzierungsfrage der Blick Richtung Osten. Denn China hilft dem Nachbarland gerne mit Krediten. Deutsche Finanzinstitute sehen das nicht gern.
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DüsseldorfRussische Banken haben es derzeit nicht leicht. Ende Juni haben die europäischen Staats- und Regierungschefs beschlossen, Sanktionen gegen die Kreditinstitute zu verlängern. Für Fünf russische Staatsbanken – darunter die in Deutschland vertretene VTB-Bank und die russische Sberbank – gelten weiterhin strenge Beschränklungen auf westlichen Kapitalmärkten. Anleihen und Aktien, die sie begeben, dürfen nicht gehandelt werden. Auch ist es für die Institute schwieriger, sich Geld zu leihen.

Das stellt die russischen Banken vor ein Problem – schließlich müssen sie als Kreditgeber einheimische Unternehmen finanzieren. Und bei diesen werden im kommenden Jahr 117 Milliarden US-Dollar an Schulden fällig, die nicht ohne weiteres über den westlichen Kapitalmarkt gedeckt werden können.

Doch Not macht erfinderisch. Und so nutzen die von Sanktionen geplagten Geldinstitute eine neue Finanzierungsquelle: den chinesischen Kapitalmarkt. Russlands drittgrößter Kreditgeber, die Gazprombank, plant nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg, eine Niederlassung in Hong Kong und hat bereits die Lizenz hierfür beantragt. Das Ziel: Die Bank möchte vor Ort in der chinesischen Währung Renminbi notierte Anleihen – so genannte „Dim Sum-Bonds” – russischer Unternehmen begeben. Auch Vnesheconombank und Sberbank sondieren derzeit Finanzierungsmöglichkeiten auf dem chinesischen Markt.

Die Gazprombank plant Anleihen von Russlands größtem Gasproduzenten Gazprom in Höhe von 500 Millionen US-Dollar in Renminbi zu begeben. Diskutiert werden außerdem Pläne, wonach der Ölproduzent Petroleos de Venezuela, der ebenfalls zu den Großkunden der Bank zählt, mit Renminbi-Anleihen finanziert werden soll. Geplante Höhe: Zehn Millionen US-Dollar. Sie will von der Refinanzierungsmöglichkeit profitieren. Zwar sind die Zinsen auf die Dim Sum-Bonds russischer Unternehmen höher als auf vergleichbare Bonds anderer Länder. Jedoch liegen sie immer noch niedriger als bei der Notierung in Rubel.

Das lässt sich am Beispiel der VTB-Bank beobachten. Vor fünf Jahren hat die Bank die ersten Dim Sum-Anleihen begeben. Die im Oktober 2015 fälligen in Renminbi notierten Bonds der Bank warfen am Dienstag eine Rendite von rund acht Prozent ab – und waren damit 121 Basispunkte günstiger als ähnliche in Rubel notierten Schuldentitel.

Die chinesische Regierung dürfte die Renminbi-Offensive russischer Banken freuen. Sie versucht die eigene Währung als eine Leitwährung in Konkurrenz zum US-Dollar zu etablieren. Ausländische Emittenten werden darin bestärkt, in Renminbi notierte Bonds zu begeben. Sie haben unter anderem den Charme, in einer der stabilsten Währungen der Welt notiert zu sein. Die chinesische Regierung hält den Renminbi stabil bei 6,20 US-Dollar und hofft so, ihn als Reservewährung zu etablieren. Dabei liegt die Monatsvolatilität der Währung bei gerade einmal 1,25 Prozent. Zum Vergleich: Der Rubel schwankte im gleichen Zeitraum um 19 Prozent. Selbst das derzeit volatile Marktumfeld der chinesischen Aktienmärkte ändert nichts daran, dass das Land – zumindest was die Währung angeht – bei den Investoren als sicher gilt.

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