Sal. Oppenheim-Prozess
Gericht weist Besetzungsrüge ab

Im Untreue-Prozess um die Privatbank Sal. Oppenheim hat das Landgericht Köln eine Besetzungsrüge der Verteidiger abgewiesen. Dafür dürfen die Angeklagten darauf hoffen, dass Teile der Anklage wegfallen.
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KölnDer Sal. Oppenheim-Prozess vor dem Landgericht Köln wird in einem Teilaspekt vorläufig eingestellt. Das entschied die 16. Große Strafkammer am Mittwoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft. Es geht um den Vorwurf, die ehemalige Bankführung habe der Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz 2005 einen Kredit in Höhe von 380 Millionen Euro über eine Strohmanngesellschaft gewährt. Oberstaatsanwalt Gunnar Greier sagte, mit der vorläufigen Einstellung solle das umfangreiche Verfahren beschränkt werden. Die Staatsanwaltschaft wolle so zu einer konzentrierten Hauptverhandlung beitragen.

Gerichtssprecher Dirk Eßer erläuterte, dieser Aspekt der Anklage betreffe zwar die höchste Summe, es handele sich aber um einen vergleichsweise weniger schweren Vorwurf, da es nur um eine Vermögensgefährdung und nicht um eine tatsächlich eingetretene Schädigung gehe. Die verbliebenen Anklagepunkte reichten allemal aus, um - im Falle eines Schuldspruchs - den Tatbestand der schweren Untreue zu erfüllen.

In den bisher schleppend verlaufenden Prozess kam am Mittwoch in mehrfacher Hinsicht Bewegung. So konnten die Angeklagten erstmals Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Außerdem wurden die Anklagen verlesen. Dies war möglich geworden, weil die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker eine Besetzungsrüge der Verteidigung zurückgewiesen hatte. Der Vorwurf der Verteidigung zielte darauf ab, dass die Staatsanwaltschaft beeinflussen könne, welche Kammer des Gerichts sich mit welchem Fall befasse. Doch Grobecker bezeichnete die Gefahr, dass die Zuweisungsprozedur missbraucht werden könne, als „abstrakt“.

Angeklagt sind die vier ehemals persönlich haftenden Bank-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow (64), Christopher Freiherr von Oppenheim (47), Dieter Pfundt (60) und Friedrich Carl Janssen (69) sowie ein damaliger Geschäftspartner, der Immobilienunternehmer Josef Esch (56). Ihnen wird teils Untreue in besonders schwerem Fall, teils Beihilfe dazu vorgeworfen.

Die Angeklagten beteuern ihre Unschuld. So sagte der Anwalt von Graf Krockow, sein Mandant trete den Vorwürfen entgegen. In unternehmerischem Sinne übernehme er dagegen durchaus die Verantwortung für seine Entscheidungen und trage schwer daran. Im übrigen habe auch er selbst den wesentlichen Teil seines Vermögens verloren.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, das Geldhaus mit drei Immobiliengeschäften um rund 145 Millionen Euro geschädigt zu haben. 2008 hätten die vier persönlich haftenden Gesellschafter der schwer angeschlagenen Arcandor AG (ehemals Karstadt/Quelle) zudem Kredite gewährt, ohne die Risiken angemessen abzuwägen. Der Schaden für die Bank betrug laut Staatsanwaltschaft knapp 80 Millionen Euro.

Die damals größte europäische Privatbank gehörte nicht nur der Familie Oppenheim, sondern auch anderen Gesellschaftern. Einige von ihnen haben nach eigener Darstellung durch den Beinahe-Kollaps der Bank einen Großteil ihres Vermögens verloren. Das 200 Jahre alte Traditionshaus war nach einem Milliardenverlust Anfang 2010 von der Deutschen Bank übernommen worden. Die Zahl der Mitarbeiter sank von einst über 4000 auf derzeit noch gut 850.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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