Sal.-Oppenheim-Prozess
Matthias von Krockow räumt Fehler ein

Zwei Jahre dauert der Sal.-Oppenheim-Prozess bereits. Nun hat einer der Angeklagten, Matthias Graf von Krockow, Fehler eingeräumt. Er habe nicht zwischen persönlichen und geschäftlichen Interessen unterschieden.
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KölnIm Sal.-Oppenheim-Prozess um die Pleite der einst größten europäischen Privatbank hat ein prominenter Angeklagter Fehler eingeräumt. Er bekenne sich zu seinem Teil der Verantwortung für den Niedergang des traditionsreichen Bankhauses, sagte der ehemalige Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Sal.Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht. An den Folgen trage er schwer – sowohl emotional als auch finanziell. Wenn ihm vor Gericht vorgeworfen werde, persönliche Interessen und Interessen der Bank vermischt zu haben, treffe das in einem Fall im Zusammenhang mit einem Kredit an den späteren Pleite-Konzern Aracandor wohl zu.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor unter anderem gegen Krockow die Verhängung einer Gefängnisstrafe gefordert. Sie könne auch deshalb einem Verständigungsvorschlag des Gerichts nicht zustimmen, mit dem die Kammer die Weichen für ein Ende des seit knapp zwei Jahren andauernden Verfahrens stellen wollte.

Es habe beim Niedergang des Bankhauses „falsche unternehmerische Entscheidungen“ gegeben, die er bereue, sagte Krockow. Auch seien vor Beschlüssen nicht alle Informationen eingeholt worden. Er selbst habe „erhebliche Teile“ seines Vermögens verloren. Wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, würde er vieles anders machen. Als Sprecher der Gesellschafter habe er vor allem die Kommunikation der Bank nach innen und außen verantwortet. Bei „operativen Aufgaben“ hätten die anderen Gesellschafter aber eigenständig gehandelt. Entscheidungen seien dann „im Ergebnis“ von allen Gesellschaftern getragen worden. In der Bank habe es eine gewisse „Verwobenheit der Interessen“ mit den das Geldhaus tragenden Familien gegeben.

Richterin Sabine Grobecker hatte bereits zuvor gesagt, die Kammer halte vier Ex-Führungsmitglieder der Bank nach gegenwärtigem Stand für schuldig und neige dazu, bei ihnen auf schwere Untreue zu entscheiden. Grobecker hatte drei Angeklagten zudem – wie von diesen gewünscht – Verständigungsvorschläge gemacht. Danach würde sich eine Strafe für Krockow zwischen zwei und drei Jahren bewegen, bei Christopher von Oppenheim seien es zwischen 22 und 34 Monaten und Dieter Pfundt könne mit einer Spanne zwischen 20 und 32 Monaten rechnen. Freiheitsstrafen bis zu einer Höhe von zwei Jahren würden zur Bewährung ausgesetzt.

Pfundt hatte den Vorschlag der Kammer bereits abgelehnt, Oppenheim stimmt ihm zu. Er räumte zudem am Mittwoch erneut Fehler ein. Die Staatsanwaltschaft forderte aber bei Oppenheim, Krockow und auch Pfundt anders als das Gericht Strafen, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden können – und lehnte damit den Verständigungsvorschlag ab. Aber auch die Ankläger wollen das Verfahren verkürzen und würden einer Teileinstellung einzelner Anklagepunkte zustimmen.

Die Anklage beanstandet in dem 2013 begonnenen Prozess Immobiliengeschäfte in Köln und Frankfurt, bei denen ein Millionenschaden entstanden sein soll. Auch Geschäfte der Bank rund um die Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor sind Teil der Anklage. Als Arcandor im Frühjahr 2009 zusammenbrach, geriet auch die eng mit dem Konzern verbundene Bank Sal. Oppenheim in Schwierigkeiten. Die Privatbank wurde letztlich von der Deutschen Bank aufgefangen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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