Sal. Oppenheim: Vergangenheit holt Ex-Unternehmensspitze ein

Sal. Oppenheim
Vergangenheit holt Ex-Unternehmensspitze ein

Die Ex-Eigentümer und -Manager der Privatbank Sal. Oppenheim bekamen am Dienstag auch in ihren Villen ungebetenen Besuch von der Polizei. Bundesweit wurden am Dienstag 13 Wohnungen, Häuser und Büroräume durchsucht. Der Vorwurf unter anderem: Verdacht auf Untreue im besonders schweren Fall.
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FRANKFURT. In einem der exklusivsten Villenviertel Deutschlands, in Köln- Hahnwald, bremsten Dienstagmorgen mehrere Fahrzeuge im Wieselweg. Aus den Autos stiegen Polizisten, Staatsanwälte, Wirtschaftsreferenten und Steuerfahnder. Ihr Ziel: die Villa von Matthias Graf von Krockow. Im luxuriösen Domizil des ehemaligen Sprechers der persönlich haftenden Gesellschafter von Sal. Oppenheim suchen sie gezielt nach Unterlagen, nach Gesprächsnotizen und E-Mails, die ihren Verdacht erhärten, dass bei der Kreditvergabe der Privatbank an die Karstadt-Quelle-Eignerin Madeleine Schickedanz und andere nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Der Vorwurf: Verdacht auf Untreue im besonders schweren Fall. Geht es vor Gericht, drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Doch nicht nur den aus einer alten pommerschen Adelsfamilie stammenden Graf Krockow trifft es. Was die Staatsanwaltschaft Köln in dürren Worten in einer Pressemitteilung beschreibt, ist die Fortsetzung eines der größten Wirtschaftskrimis der Nachkriegszeit. Seit März dieses Jahres läuft ein Ermittlungsverfahren gegen frühere Verantwortliche des Bankhauses Sal. Oppenheim. Bundesweit wurden am Dienstag 13 Wohnungen, Häuser und Büroräume durchsucht. An der Razzia beteiligten sich rund 50 Polizeibeamte, zehn Steuerfahnder sowie jeweils acht Staatsanwälte und Wirtschaftsreferenten. Ihr Ziel: Objekte im Kölner Raum, aber auch in Süddeutschland und in Hessen. So weit die nackten Zahlen. Gesucht wurde „weiteres Material zum Fall“, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte.

Was der Sprecher „Fall“ nennt, begann im März, als ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet wurde. Zu Details äußert sich die Ermittlungsbehörde zwar nicht. Aber es ist klar, worum es geht: um Kredite über 680 Mio. Euro, die nicht ausreichend auf Sicherheiten geprüft wurden und an einen Teil der Gesellschafter gingen. Damit nicht genug, die Banker sollen sich die Darlehen zum Teil ohne Sicherheiten und zu Zinssätzen von 1,5 Prozent gewährt haben. Und es geht auch um Kredite an Karstadt-Quelle-Erbin Schickedanz von Anfang 2005, die sie über die Troisdorfer Strohfirma ADG Allfinanz Dienstleistungen im Volumen von 350 Mio. Euro erhielt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Schickedanz bereits 650 Mio. Euro Schulden bei Sal. Oppenheim aufgetürmt. Über bankinterne Warnungen setzten sich die persönlich haftenden Familiengesellschafter einfach hinweg und bestimmten die Auszahlung der Darlehen.

So lang die Liste der möglichen Verfehlungen ist, so lang ist auch die Liste der Verdächtigen, von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, gegen die ermittelt wird. Neben Graf Krockow, der mit der aus der Familie Oppenheim stammenden Ilona Baronesse von Ullmann verheiratet ist, gerieten Christopher Freiherr von Oppenheim, der einst für das Privatkundengeschäft verantwortlich war, Ex-Finanzchef Friedrich Carl Janssen, Investment-Banking-Chef Dieter Pfundt und Detlef Bierbaum, der das Asset-Management leitete, ins Visier der Ermittler. Aber auch Georg Baron von Ullmann als ehemaliger Aufsichtsratschef geriet unter Verdacht.

Bisher noch nicht bekannt war, dass gegen Friedrich Carl Freiherr von Oppenheim als früherer Vorsitzender des Aktionärsausschusses ebenfalls ermittelt wird, wie das Handelsblatt von Insidern erfuhr. Er gilt als das glatte Gegenteil von Graf Krockow. Während es der ehemalige Chef von Sal. Oppenheim und mehrjährige Assistent des Weltbankiers David Rockefeller durchaus liebt, auch einmal polternd aufzutreten und am Ende die Reichen dieser Welt mit seinem Charme auf seine Seite zu ziehen, gilt Freiherr von Oppenheim als „feiner Mensch“, als „Gentleman der alten Schule“ der mit seiner Aufgabe als Leiter des Aktionärsausschusses schlicht überfordert gewesen sei. Nach der Fast-Pleite der einst größten Privatbank Europas habe er sich die meisten Vorwürfe und Sorgen gemacht, heißt es über den Mann, der einen großen Teil seiner Zeit in England verbringt.

Vier Revolutionen, ein halbes Dutzend Kriege, sechs Währungsumstellungen und dazu elf Staats- und Herrschaftssysteme: All das hat das Kölner Bankhaus in über 220 Jahren überlebt, nur den Größenwahn einiger weniger nicht. Der Name Sal. Oppenheim bleibt jedoch im Konzern der Deutschen Bank erhalten, die das Institut kaufte und dafür über eine Mrd. Euro bezahlte. Nach unruhiger Zeit kann das Institut inzwischen wieder Erfolge vorweisen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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