Sanktionen, schwacher Rubel, niedrige Ölpreise
Russlands Banken im Krisenmodus

Der schwache Rubel, die Sanktionen und die Ölpreise belasten Russlands Banken. Viele Russen stehen ihnen deswegen skeptisch gegenüber – und das mit Recht. Denn wer Schulden in Euro oder Dollar hat, der hat ein Problem.

MoskauDie Wirtschaftskrise in Russland trifft auch die Banken hart: Der Absturz des Rubels, der niedrige Ölpreis, die schwache Konjunktur und westliche Sanktionen machen den Geldhäusern zu schaffen. 2016 werde sich an der schlechten Lage nicht viel ändern, erwarten Analysten der Ratingagenturen Standard & Poors und Moody`s. Der Anteil notleidender Kredite in den Büchern werde zunehmen. Doch in der Krise wandelt sich das russische Bankensystem auch, es gibt Anzeichen einer Stabilisierung.

Zahlen zu russischen Banken lesen sich oft paradox. Nach Angaben der Zentralbank ist 2015 die Bilanzsumme aller Geldhäuser in Rubel um 6,9 Prozent gestiegen. In US-Dollar ist sie um 17,5 Prozent geschrumpft. Das hängt mit dem Rubelverfall zusammen. Rechnet man Währungseffekte heraus, ist das Volumen um moderate 0,9 Prozent auf 1,14 Billionen Dollar (1,04 Billionen Euro) gesunken.

Immer noch ist das russische Bankensystem unterentwickelt. In vielen EU-Ländern liegt die Bilanzsumme der Banken drei mal höher als das Bruttoinlandsprodukt (BIP), in Russland ist das Verhältnis 1:1. „Das bedeutet, es gibt noch Wachstumspotenzial“, sagt der Vertreter der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in Moskau, Heinrich Steinhauer.

Viele Russen haben zwar mittlerweile ein Konto und Geldkarten, in Moskau steht an jeder Ecke ein Bankautomat. Russische Geldhäuser sind bei mobilem Banking weit vorn. Doch nach mehreren Währungsreformen und Finanzkrisen ist das Vertrauen der Verbraucher gering. „Was würdest Du als Bankfachmann mir raten?“, fragt ein Russe im Witz seinen Bekannten. „Leih Dir lieber was bei der Mafia!“, rät der. Geld übrig zum Sparen oder Anlegen haben derzeit die wenigsten Russen. Wenn doch, bleiben die Rubel im Sparstrumpf, oft werden sie zur Sicherheit in Euro oder Dollar getauscht.

Gekniffen sind Wohnungskäufer, die Kredite in diesen Fremdwährungen aufgenommen haben. Der schwache Rubel macht es teuer, die Darlehen zu bedienen. Gütliche Einigungen mit den Banken über eine Umschuldung gibt es noch nicht. Die Kreditnehmer bitten Präsident Wladimir Putin um Hilfe: „Das Problem der Valutahypotheken sollte auf staatlicher Ebene gelöst werden.“ Für die Banken machen die Währungskredite an Privatkunden nur einen Bruchteil des Geschäfts aus, gefährlich für das System sind mögliche Ausfälle nicht.

Seite 1:

Russlands Banken im Krisenmodus

Seite 2:

Russisches Bankensystem schrumpft

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%