Sberbank und VTB Ölpreis-Tief lässt Russland über Bankverkauf nachdenken

Die russische Regierung muss wegen des deutlich gefallenen Ölpreises massiv sparen. Ein Minister legt jetzt nahe, dass die größten Banken des Landes verkauft werden könnten, um Geld in die leere Staatskasse zu spülen.

„Niemand hat mit so billigem Öl gerechnet“

„Niemand hat mit so billigem Öl gerechnet“

MoskauDie russische Regierung bereitet für das laufende Jahr deutliche Ausgabenkürzungen vor. Finanzminister Anton Siluanow kündigte an, dass nicht essentielle Ausgaben um zehn Prozent gekürzt werden könnten, um sich „der neuen Realität“ anzupassen. Seit Jahresbeginn hat sich der Fall des Ölpreises verschärft.

Ein Barrel (159 Liter) der Sorte WTI war am Dienstag kurzzeitig sogar weniger als 30 Dollar wert. ein solches Niveau war zuletzt vor mehr als zwölf Jahren erreicht worden. Russland bestreitet einen Großteil seiner Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft.

Die Haushaltslage sei „schwierig“ und es sei „unmöglich“, ohne eine Senkung der Ausgaben auszukommen, so Siluanow auf einer Veranstaltung in Moskau. Das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei 2,6 Prozent. Die diesjährigen Kürzungen würden aber Bereiche wie Militär und Landwirtschaft aussparen, ergänzte er.

Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew ergänzte, dass die Regierung eine alte Idee wieder in Betracht ziehen sollte: den Verkauf der Staatsbanken Sberbank und VTB. Die beiden größten Geldhäuser des Landes sind weitgehend in Staatsbesitz und auch deutschen Privatkunden nicht unbekannt. Denn sowohl Sberbank als auch VTB werben über europäische Töchter Tages- und Festgeld in Deutschland ein.

Als größter Energieexporteur der Welt kämpft Russland darum, fallende Einnahmen wegen des Ölpreis-Absturzes zu kompensieren. Der Haushalt für 2016 ist auf Basis eines durchschnittlichen Ölpreises von 50 Dollar je Barrel geplant worden.

Diese Banken sind groß – und daher gefährlich
Klasse 1
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 18 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – eine mehr als im Vorjahr. Sie müssen nur ein Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Unter diesen nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich Geldhäuser wie die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, Credit Agricole, die Royal Bank of Scotland und die Bank of China. Neu hinzugekommen in diese Gruppe ist die US-Bank Morgan Stanley, die im Vorjahr noch einen höheren Kapitalpuffer vorhalten musste.

Klasse 2 – Morgan Stanley
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Die amerikanische Großbank Morgan Stanley landet auf Platz 11. Sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Seit der weltweiten Finanzkrise konzentriert sich Morgan Stanley stärker auf die Vermögensverwaltung. Damit soll das Geschäft weniger schwankungsanfällig werden.

Klasse 2 – Mitsubishi UFJ FG (MUFG)
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Die Mitsubishi UFJ FG (MUFG) muss ebenfalls 1,5 Prozent Kapital als Zuschlag vorhalten. Zu der japanischen Holdinggesellschaft gehört die Bank of Tokyo-Mitsubshi UFJ. Die Bankengruppe gehört im japanischen Leitindex Nikkei neben Toyota, Toshiba und Sony zu den Schwergewichten. Japanische Banken wie die MUFG profitieren derzeit von der extrem expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank. Sie erzielen bessere Ergebnisse als ihre schwächelnden Konkurrenten in Europa.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten. Im Sommer litt die Bank unter der Flaute an den Märkten. Ein florierendes Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) konnte das dritte Quartal nicht retten: Der Nettogewinn brach um mehr als ein Drittel ein.

Klasse 2 – Credit Suisse
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Die zweitgrößte Schweizer Großbank Credit Suisse gilt als gefährlicher als ihr Konkurrent UBS. Der neue Chef der Bank, Tidjane Thiam, baut das angeschlagene Institut derzeit kräftig um. Er kündigte eine Kapitalerhöhung, einen Sparplan und einen Vorstandsumbau an. Aufschlag: 1,5 Prozent.

Klasse 2 – Bank of America
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Das größte Kreditinstitut der USA, die Bank of America, landet auf Platz 7 (Aufschlag: 1,5 Prozent). Die Bank hat die Finanzkrise überstanden und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Klasse 3 – Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das einzige deutsche Geldhaus, das vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant eingestuft wird. Sie muss zwei Prozent Kapital vorhalten. Der britische Neu-Chef John Cryan greift momentan durch und zeigt mit einem umfangreichen Stellenabbau und dem Streichen der Dividende Härte.

„Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Haushalt in Einklang mit der Realität zu bringen“, so Siluanow weiter. Wenn das nicht gelänge, könnte es eine Wiederholung der Ereignisse von 1998 und 1999 geben, als die Bevölkerung durch hohe Inflation den Preis gezahlt habe. Für die kommenden beiden Jahre rechne die Regierung mit Privatisierungserlösen in Höhe von 13 Milliarden Dollar (12 Milliarden Euro).

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