Sberbank-Vize im Interview
„Hohe Zinsen hatten wir nur zur Kundenwerbung“

Mehr als 70.000 Deutsche haben einer Tochter der russischen Sberbank Sparguthaben anvertraut. Im Interview sagt Bank-Vize Gorkow, ob so Sanktionen gegen Russland umgangen werden – und welche Pläne er für Deutschland hat.
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Sergej Gorkow ist der stellvertretende Vorstandsvorsitzender der russischen Sberbank, einem staatlichen Geldinstitut. Im Interview in St. Petersburg spricht er unter anderem über die Pläne der Sberbank in Deutschland.

Herr Gorkow, Konten bei der VTB in Europa wurden kürzlich eingefroren. Trifft das auch die Sberbank?
Nein, bei uns wurden keine Kundenkonten beschlagnahmt. Wir sind davon nicht betroffen.

Wie bedeutsam sind die Tagesgeld-Konten deutscher Kunden für die Sberbank?
Sie sind recht wichtig. Als wir in Österreich die Volksbank gekauft haben und sie zur Sberbank Europe umbauten, kam ein Teil des Kapitals für das Institut aus Russland. Wegen der hohen Zinssätze und Kapitalkosten in Russland war es natürlich zu teuer. So ist es für uns sehr wichtig, dass unser Geschäft verstärkt durch Einlagen aus Europa aufgebaut werden kann.

Es gibt Vorwürfe, Sie würden mit den bei deutschen Sparern eingesammelten Geldern nun die Sanktionen gegen Russland umgehen, indem sie das Geld als billiges Kapital nach Russland verschieben, wo Kapital sehr teuer ist wegen der hohen Zinsen. Stimmt das?
Nein. Außerdem ist das auch gar nicht möglich. Wir unterliegen der Aufsicht und Regulierung der Europäischen Zentralbank und halten uns strikt an alle Regeln. Ein Verschieben von Geldern nach Russland von der Sberbank Europa oder der Sberbank Direct gibt es nicht.

Also umgeht die Sberbank mit den deutschen Sparer-Geldern nicht die europäischen Sanktionen gegen russische Banken?
Nein. Wir benutzen die in Europa eingesammelten Kundengelder, um die europäische Wirtschaft zu finanzieren. Außerdem werden seit drei Jahren planmäßig Kredite an die Muttergesellschaft zurückgezahlt, die hoch verzinst waren. Alle anderen Medienbehauptungen sind unwahr. Das verbietet die EZB. Dabei gilt für uns das Prinzip: Das Kapital dort einsammeln, wo wir es für unser lokales Kreditgeschäft dann brauchen. Egal, ob in Österreich, Deutschland, der Türkei, Kasachstan oder Tschechien.

Wie groß ist denn Ihre Angst, dass bei einer Verschärfung der Sanktionen auch die Sberbank Europe mit Sitz in Wien auf die Liste der zu schneidenden russischen Firmen kommt?
Das ist natürlich auch eine sehr emotionale Frage. Aber der Verstand müsste doch über allem stehen. Wir finanzieren mit unserer europäischen Tochter doch Europas Wirtschaft, europäische Firmen. Sanktionen würden dann die europäische Wirtschaft treffen und eine Bank, die unter der Regulierung der EZB steht, und die sogar als systemrelevant eingestuft wurde. Da wären Sanktionen doch widersinnig.

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  • Der Stil der Fragen laesst das Gefuehl aufkeimen, der Interviewer haette die Sberbank gern vorgefuehrt. Gelungen ist das nicht. Der Banker hat sich gut geschlagen.

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