Schadenersatz-Klagen: Mailand versus Deutsche Bank

Schadenersatz-Klagen
Mailand versus Deutsche Bank

Mailand hat insgesamt vier Banken auf Schadenersatz verklagt, die der Stadt Derivate als Absicherung für eine Anleihe verkauft haben. Betroffen sind außer der Deutschen Bank auch die Schweizer UBS, die amerikanische JP Morgan Chase und die belgisch-französische Depfa Bank. Eine genaue Höhe der Schadensersatzforderung wird bisher nicht genannt.

MAILAND. Die Deutsche Bank wollte die Nachricht ebenso wenig kommentieren wie die anderen Banken. In der Klage geht es um eine variable Anleihe der Stadt Mailand aus dem Jahr 2005 über insgesamt 1,7 Mrd. Euro und deren Absicherung durch Derivate. Ähnlich wie andere Gemeinden hat auch die Stadt Mailand in den vergangenen Jahren von den Banken Derivate gekauft, um sich vor allem gegen mögliche Zinsschwankungen abzusichern. An der Anleihe von 1,7 Mrd. Euro haben die vier Banken nach Berechnungen der Mailänder Finanzpolizei insgesamt 96 Mio. Euro an Kommissionen verdient. Nach einem Bericht des Mailänder-Gemeinderats verursachten die Derivate bis Ende Juni einem Verlust von knapp 300 Mio. Euro zu ihrem damaligen Marktwert (mark to market).

Die Finanzpolizei untersucht seit dem vergangenen Sommer das Vorgehen der Kreditinstitute und hat vergangene Woche insgesamt sieben Bankmanager und zwei Gemeindevertreter benachrichtigt, dass gegen sie ermittelt wird. Den Betroffenen wird Betrug vorgeworfen, da sie die Unkenntnis der Gemeindevertreter ausgenutzt hätten, um ihnen Finanzprodukte unter falschen Versprechungen zu verkaufen. Die Polizei sieht einen klaren Interessenkonflikt der Bank und ihrer Kunden.

Bisher hatte sich die Stadt Mailand unter der Führung der Bürgermeisterin Letizia Moratti des Mitte-Rechts-Bündnis wegen der Derivate gegenüber den Banken zurückgehalten. Lediglich die Opposition hatte immer wieder die Verluste durch die Derivate angeprangert. Sollte ein Gericht der Stadt Mailand Recht geben, wäre dies ein Präzedenzfall für viele weitere Gemeinden, denen die Banken in den vergangenen Jahren Derivate vermittelt haben.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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