Schadensersatz-Prozess
Ex-Vorstände der BayernLB stehen vor Gericht

Die juristische Aufarbeitung der Skandale bei der BayernLB geht in die entscheidende Phase. Der frühere Vorstand soll 200 Millionen Euro wegen des HGAA-Debakels zahlen. Im Formel-1-Prozess ist ein Geständnis möglich.
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MünchenHeute beginnt in München der Schadensersatzprozess gegen die alte Führung wegen des desaströsen Kaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria. Einen Tag später könnte es eine spektakuläre Wende im Strafverfahren gegen Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky geben, dem Untreue im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel 1 vorgeworfen wird.

Eine strafrechtliche Verurteilung Gribkowskys könnte die Aussichten der BayernLB erhöhen, zumindest von ihm Schadensersatz zu bekommen. Insgesamt fordert die Bank 200 Millionen Euro von Ex-Vorständen - vor allem wegen des Milliardendesasters mit der HGAA. Doch die Aussichten, am Ende wirklich Geld zu sehen, sind ungewiss. Der alten Führung müsste eine Pflichtverletzung nachgewiesen werden - und nicht eine unternehmerische Fehlentscheidung.

"Gut möglich", sagt einer aus dem Umfeld, "dass das ausgeht wie das Hornberger Schießen." Verhandlungen über einen Vergleich hatten zu keinem Ergebnis geführt. "Die Versicherer haben sich quergestellt", heißt es in Finanzkreisen. Die Managerhaftpflicht (D & O) hat eine Deckung von 105 Millionen Euro. Doch die XL Insurance Company sieht Verhandlungskreisen zufolge keine Grundlage für die Vorwürfe.

"Wir können uns eine Haftung bestimmter Beklagter durchaus vorstellen", sagte die zuständige Richterin Isabel Liesegang am Dienstag zum Prozessauftakt. Dies sei aber nur eine vorläufige Bewertung. Die Richterin schlug allen Beteiligten eine nicht-öffentliche Mediation vor, um zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Dies sei geboten, weil die Klage sehr komplex sei, es in mehreren Punkten Gegenklagen gebe und die Verfahrensdauer nicht absehbar sei.

Verklagt ist die gesamte alte Führung um die Ex-Chefs Werner Schmidt und Michael Kemmer. Letzterer wird morgen nicht persönlich erscheinen - der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands hat einen Termin in Brüssel. Auch Schmidt und die sechs anderen Ex-Vorstände lassen sich entschuldigen. Die BayernLB hatte mit dem Kauf der HGAA 3,7 Milliarden Euro in den Sand gesetzt.

Noch spannender wird es übermorgen im Strafprozess gegen Gribkowski. Denn das Verfahren läuft nicht gut für den einst so selbstbewussten Bankmanager. Er hatte den Verkauf der BayernLB-Beteiligung an der Formel 1 eingefädelt - und später eine dubiose Zahlung von 44 Millionen Dollar von Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone erhalten. Als Schmiergeld, so wertet es die Staatsanwaltschaft. Lange sah es so aus, als könnte Gribkowsky mit einer Verurteilung wegen Steuervergehen davonkommen. Schließlich haben Zeugen ausgesagt, dass er den Verkauf der Beteiligung an dem Rennsportspektakel geschickt eingefädelt hatte.

Der Verkaufserlös von 840 Millionen Euro war mehr, als sie in der Bank erhofft hatten. Doch Richter Peter Noll erweckte zuletzt den Eindruck, dass auch eine Verurteilung wegen Untreue und Bestechlichkeit möglich ist. Darauf suchten Gribkowskys Anwälte in letzter Minute das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft. Eine Verabredung über ein Geständnis gegen eine mildere Strafe ist möglich.

Allerdings würde dies Gribkowsky wegen des bereits fortgeschrittenen Verfahrens nur bedingt helfen. "Der Wert eines Geständnisses sinkt von Tag zu Tag", sagte eine Gerichtssprecherin. Womöglich kann Gribkowsky aber bei Gericht punkten, falls er Bernie Ecclestone belasten sollte.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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