Schärfere Vorschriften und Übernahmen
In Spaniens Banken geht die Angst um

Spanien versetzt die Investoren in Alarmbereitschaft. Das hat auch die heftige Reaktion auf die enorme Kreditaufnahme der spanischen Banken bei der EZB gezeigt. Ihre Quartalszahlen werden nun mit Spannung erwartet.
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San SebastiánUm eines der gravierendsten Probleme der spanischen Banken zu erkennen, muss man kein Experte sein, sondern nur in einer beliebigen spanischen Stadt herumschlendern. Zum Beispiel in San Sebastián, einem beliebten Urlaubsziel mit 180.000 Einwohnern im Norden des Landes. Die Calle Egia in einem normalen Wohngebiet: Wer hier die Niederlassung der Santander Bank verpasst, entdeckt fünf Meter weiter eine Filiale der Sabadell Guipuzcoano, geht er ein paar Schritte, findet er Caixa, daneben hat die Kutxa Bank eine Filiale. Gleich um die Ecke sitzen Vertreter der spanischen Banken BBVA, Caja Laboral und Kutxa Rural.

Man könnte den Eindruck gewinnen, man befinde sich im Bankenzentrum Frankfurts, und nicht in einem der Viertel in San Sebastián, wo Obdachlose vor heruntergekommenen Supermärkten schlafen. Das Problem wird hier ganz deutlich: Spanien ist bereits seit Jahren over-banked, das Land hat zu viele Banken.

Die enormen Überkapazitäten und die damit verbundene Ineffizienz versucht die spanische Regierung derzeit zu beseitigen. Von ehemals 45 verschiedenen Sparkassen sind nur noch 15 übrig geblieben. Zwischen 2008 und 2011 wurden zehn Prozent der Stellen und 13 Prozent der Filialen in der Branche gestrichen.

Vor allem die drei größten Banken Spaniens greifen derzeit zu: Caixa kündigte Ende März an, mit Banca Cívica zu fusionieren, das würde sie laut eigenen Angaben zur drittgrößten Bank Spaniens machen. Auch BBVA hat bereits zugeschlagen: Die Übernahme der angeschlagenen Bank Unnim beförderte die zweitgrößte spanischen Bank auf den ersten Platz in der Liste der spanischen Geldinstitute in Katalonien, einer der wichtigsten spanischen Märkte. Die Bank Santander will diesen Abstand mit einem neuen Kauf wieder verringern - vor wenigen Tagen meldete das Geldinstitut Interesse an der zum Verkauf stehenden Catalunya-Caixa an, die derzeit noch im Staatsbesitz ist.

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  • Liebe Leute,
    das "politische Projekt" Euro ist tatsächlich das politische Projekt Europa! Und das haben wir manchmal etwas zu wenig ernst genommen, scheint mir. Es sind doch nicht "die Spanier" oder "die Deutschen" Täter oder Opfer hier. Stattdessen hat sich jahrzehntelang die Finanzindustrie in ein Terrain begeben, das die riesige Mehrheit der europäischen Bevölkerung nicht nachvollziehen konnte.
    Und ob am Ende nun die spanischen oder deutschen Finanzexperten klüger/ausgekochter/vorausschauender waren, wird unser politisches Europa hoffentlich nicht gefährden - denn das ist das Projekt der Mehrheit: Urlaub ohne Grenzen, Märkte ohne Grenzen, Währungs-Umrechnung nur noch als Ausnahme.
    Also mir jedenfalls gefällst in Barcelona, Madrid, San Sebastian, und ich möchte weiterhin dort als gerngesehener Gast einfach hinfahren dürfen.

  • >> Ich bin froh, wenn dieser ganze Saftladen auseinanderfällt. Es wird nicht mehr lange dauern. <<

    Oh, da bin ich anderer Meinung.
    Über weitere Flutung der Geldmärkte mit Augenmass, die bewirkt, dass die Preissteigerungsraten bei, sagen wir, 6-8% über längere Zeit liegt, lässt sich mit Hilfe der EZB so einiges weginflationieren. Schulden wie auch Sparvermögen.
    Ich bin zuversichtlich: Das machen wir schon mit! Sind doch alle dem europäischen Gedanken verpflichtet.

  • @jorgitojavier
    Sie haben Ihr Problem in Spanien wohl noch nicht kapiert. Können Sie aber überall im Internet nachlesen. Das werden auch Sie nachvollziehen können.
    Bisschen weniger spanischer Stolz wäre gut. Denn Spanien ist am Arsch - und braucht deutsches Geld! Die Deutschen sind so doof und rücken es raus für dieses "politische Projekt" Euro. Der gesamte deutsche Wohlstand wird verpulvert. Mir ist schon klar, daß Sie da Nebelkerzen werfen. Denn natürlich: "Deutschland hat am meisten vom Euro gehabt." Deshalb ist seit Einführung des Euros in Deutschland der Lebensstandard um ca. 2% gestiegen. Und in Spanien? In Portugal? In Griechenland?

    Ich bin froh, wenn dieser ganze Saftladen auseinanderfällt. Es wird nicht mehr lange dauern. Ob mit oder ohne spanischen Stolz...

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