Schätze der Banken: Das Märchenschloss der WestLB

Schätze der Banken
Das Märchenschloss der WestLB

Schloss Krickenbeck sollte den globalen Anspruch der WestLB unterstreichen. Heute will diese vor allem die Kosten für die noble Immobilie begrenzen - denn das einstige Symbol des Stolzes ist mittlerweile eine finanzielle Belastung.
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NETTATAL. So sieht Macht aus. Ein Wasserschloss im verspielten Stil der Neorenaissance, umgeben von vier Seen, jeder für sich größer als der Berliner Alexanderplatz, dazu ein gepflegter französischer Park und ein umgebender Waldbesitz von 90 Hektar. Was man da alles jagen könnte: Hirsche, Wildschweine, Vögel. Gespeist wird in Rittersälen, umgeben von Wandteppichen, Kronleuchtern und ausladenden Kaminen. Da kann man schon mal auf dumme Gedanken kommen. Zum Beispiel den, dass eine deutsche Landesbank nicht nur Geld verleihen, sondern zudem die Wirtschaft und Politik eines ganzen Bundeslandes kontrollieren könne.

Friedel Neuber, von 1981 bis 2001 Chef der WestLB, zog sich mit seinem Führungskräften stets nach Schloss Krickenbeck zurück, wenn es Wichtiges zu entscheiden gab. 1989 erwarb die Bank das Schloss nahe der holländischen Grenze samt Umland und verwandelte für fast 40 Mio. Euro die Wirtschaftsgebäude in eine Hotelanlage und das Schloss mit seinen Vorburgen in Tagungsräume. Heute ist es Ausdruck eines längst vergangenen Selbstverständnisses, das kaum noch in eine Zeit passt, in der Landesbanken vor allem für Missmanagement und Verluste stehen und ihr oberstes Ziel Konsolidierung lautet.

Denn statt zu einem weltweit agierenden Finanzkonzern ist die WestLB zu einem Sanierungsfall geworden. Nach milliardenschweren Hilfen durch die Eigentümer und den Bund ist die Bank auf Schrumpfkurs gegangen. Sie ist geteilt - in eine gute und eine schlechte Hälfte - und der gute Teil muss verkauft werden. So will es die EU-Kommission im Ausgleich für die Staatshilfen.

Das einstige Symbol des Stolzes belastet heute finanziell.

Mit dem Abstieg ist auch das Schloss vom stolzen Symbol zur finanziellen Bürde geworden. Ein sechsstelliger Betrag fließt pro Jahr an Unterstützung aus der Düsseldorfer Zentrale. "Beim Erwerb hatte die Bank 12 000 Mitarbeiter, heute sind es noch gut 5 000", versucht sich Ingo Petersen an einer Erklärung. Er leitet den Schlossbetrieb seit 1990 für die WestLB.

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