Scharfe Kritik an Boni der Deutschen Bank „Das kann man niemandem erklären“

Aus der Politik hagelt es Kritik an den geplanten hohen Boni der Deutschen Bank. Martin Schulz warnt, dies würde der Solidargemeinschaft schaden. Selbst die CDU spricht von einer „Gefährdung der Wirtschaftsordnung“.
Update: 29.01.2018 - 13:17 Uhr 15 Kommentare

Milliarden-Boni für Bank-Manager – trotz jahrelanger Verluste

Milliarden-Boni für Bank-Manager – trotz jahrelanger Verluste

BerlinPolitiker reagieren mit Unverständnis und Empörung auf Medienberichte, wonach die Deutsche Bank trotz erneuter Jahresverluste Boni von etwa einer Milliarde Euro an ihre Mitarbeiter und Manager ausschütten will. SPD-Chef Martin Schulz sagte der „Bild“-Zeitung: „Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs. Wenn in dieser Situation Boni in Höhe von einer Milliarde Euro ausgeschüttet werden, dann verliert ein Unternehmen nicht nur an Ansehen. Das schadet insgesamt unserer Solidargemeinschaft.“ Der Politiker fügte hinzu, dass die deutsche Solidargemeinschaft von Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit lebt.

Auch die Bundesregierung hat Kritik an den angekündigten Bonuszahlungen anklingen lassen. Das Institut sei ein Privatunternehmen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Gleichwohl muss sich die Unternehmensleitung selbstverständlich fragen, welchen Eindruck sie in der Öffentlichkeit erzeugt.“

Bereits Anfang Januar hatte das Handelsblatt berichtet, dass sich das Topmanagement des Geldhauses darauf geeinigt hatte, für 2017 Boni in einer Größenordnung von einer Milliarde Euro zu zahlen. Auch die Vizechefs der Deutschen Bank, Marcus Schenck und Christian Sewing, hatten sich in einem Interview mit dem Handelsblatt für eine deutlich höhere Vergütung eingesetzt.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ griff dieses Thema am Wochenende erneut auf. Im Vorstand des Geldhauses habe es über die Höhe der Boni eine kontroverse Debatte gegeben, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen hochrangigen Banker. Nun aber wolle die Deutsche Bank für 2017 trotz roter Zahlen insgesamt mehr als eine Milliarde Euro Boni zahlen.

Nicht nur Schulz, auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Thorsten Schäfer-Gümbel, reagierte am Wochenende mit Empörung auf diese Summe. Er sagte der „Bild“-Zeitung: „Millionen-Boni trotz Verlusten widersprechen jeglichem Gerechtigkeitsempfinden. Einerseits Arbeitsplatzabbau, andererseits goldene Nasen in der Führungsetage – das kann man niemandem erklären.“ Die SPD wolle deshalb in den Koalitionsverhandlungen mit der Union die steuerliche Absetzbarkeit von Bonuszahlungen begrenzen.

Ähnlich äußerte sich der CDU-Sozialexperte Matthias Zimmer in der „Bild“-Zeitung: Die Boni seien „eine eigenwillige Interpretation des Grundsatzes, dass sich Leistung lohnen soll“. Weiter sagte er: „Man kann die Legitimität einer Wirtschaftsordnung durch solche Praktiken gefährden.“

Die Deutsche Bank ließ die jüngsten Berichte unkommentiert. Nach zwei Milliardenverlusten in Folge hatte bei der Deutschen Bank laut vorläufigen Zahlen auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer John Cryan mit einem Minus geendet.

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15 Kommentare zu "Scharfe Kritik an Boni der Deutschen Bank: „Das kann man niemandem erklären“"

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  • @ x y Sie meinen vereinfacht? Aber im Endeffekt würde es genau so laufen. Kriegt Cryan den Laden wieder zum Laufen, wird natürlich alles genau richtig gewesen sein. Wenn nicht, wird der Steuerzahler einspringen.
    Aus meiner Sicht machen Sie es sich wiederum einfach. Wie soll es denn gehen, den Managern das Geld nehmen und ins Gefängnis? Mit welcher rechtlichen Grundlage?

    Letztlich leben wir im Kapitalismus. Da geht es genau darum - zu schauen, wie man selbst am besten Wegkommt. Und je mehr Geld jemand hat, umso schlimmer scheint
    das zu werden. Man hat doch schon bei den Gehältern diskutiert, ob man das Gehalt einer Führungskraft auf das x fache des Durchschnittgehalts im Unternehmen begrenzen soll. Könnte man auch mit den Bonis machen.
    Nur so lange woanders auf der Welt Banken und Spekulanten freie Bahn haben, ändert man das System nicht. Sowohl die Briten, als auch die USA bestehen ja auf weniger Regulierung bzw. lockern gerade die Regeln. Und wie man sieht, werden dort wieder Milliarden verdient.

    Über die einfachen Mitarbeiter redet doch schon lange keiner mehr. Außer wenn es um Entlassungs- und Abbauzahlen geht.

  • Eigentlich gehört die Chefetage bei derart desolater Arbeit bonilos gefeuert.

  • Was soll das Geschrei? So funktioniert unsere „Wirtschaftsordnung“ aktuell nun mal.

    Wem das nicht passt und wer tatsächlich etwas daran ändern will, der muss den Hebel schon „ein paar Etagen tiefer“ ansetzen.

    Könnten wir den Politikern bitte mal endlich die Verantwortung ab- und dafür selbst übernehmen?

  • Herr Hans Klahrin: Das ist ein wenig einfach dargestellt.

    Nehmen wir mal an der Steuerzahler rettet die Deutsche Bank nicht.

    Wir müssen davon ausgehen, dass es auch Mitarbeiter gibt, die selbst bei der Deutschen Bank Ihren Job besonders gut erfüllen. Ist es fair, dass die Firma Pleite geht indem der Aufsichtsrat sich Unmengen an Boni selbst verschreibt indem alle Beteiligten in den Ruhestand gehen können, während die Mitarbeiter die stets was geleistet haben entsorgt werden?

    Diese Missstände dürfen in Zukunft nicht mehr vorkommen. Wie macht man das? Indem man den jeweiligen Managern das Geld wieder wegnimmt und sie ins Gefägnis steckt.

  • Jedes Unternehmen kann prinzipiell seinen Angestellten zahlen was es will. Das ist auch gut so, denn wenns übertrieben wird, geht es halt pleite.
    Blöd nur, dass die Dt. Bank systemrelevant ist...ergo Retten um jeden Preis, wenns mal schief läuft. In dieser Position geht jede Zahlung aus der Substanz letztlich potenziell zu lasten der Steuerzahler. Und das ist hier das Problem. Klar muss ich internationale Talente entsprechend bezahlen, weil diese wie Söldner sonst einfach das Lager wechseln. Aber ich muss mir auch die Frage stellen,ob ich solch illoyale Leute, denen nur das Geld allein wichtig ist, dauerhaft wirklich gebrauchen kann. Denn letztlich finanziert das ganze Gebilde Bank die Masse der Kunden über Vertrauen in das Unternehmen. Und das kann man auch mal verspielen. Wie gut, dass bei einem Supergau die Politik ja noch Commerzbank und Deutsche Bank zwangsfusionieren kann.Aber dann wirds langsam eng.

  • Die Politik der Entsolidarisierung kann man nur der Merkel Regierung in die Schuhe schieben, die seit der Finanzkrise die wirtschaftliche Steuerung der Republik organisiert. Schon 2005 auf einem WTO KOngress zeigte sich, dass Merkel von Wirtschaft wenig Ahnung hat als sie sagte: "....wir fördern die Globalisierung mit unserer Unterschrift, damit Menschen gerechten Lohn für rechte Arbeit bekommen". Damit wurde zunächst einmal die immer weiter steigende Ausbeutung der Arbeiter in Fernost fest geschrieben. Denn anders als Merkel sich das vorstellte, werden bei in China steigenden Löhnen die Fabrikarbeiten chinesischer Produktionsstätten in noch billigere Nachbar Länder verlagert

    Seit einigen Jahren geht es auch in Europa ans Eingemachte der Normalverdiener und der Niedrigverdiener. Bei anstehenden Neuwahlen sollte man also angesichts der skandalösen Bereicherungsorgie der Oberen wissen, was einem blüht, wenn man diese Regierung wieder wählt.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Leute regt euch doch nicht auf.
    Ihr , die Mehrheit wählt sich doch diese Politdarsteller noch laufend in die Parlamente die diese Gesellschaft mehr und mehr entsolidarisieren aufspalten trennen und im Endeffekt auch ruinieren. Im Parlament werden diese Gesetze die alles ermöglichen gemacht. Jeder der keine Scheuklappen auf den Augen hat kann es doch erkennen was diese Typen anstellen. Verkehr Hartz4 Steueroasen Finanzen Renten Großprojekte Kompetenz Verantwortung Rechtssicherheit Energiewendewahn Flüchtlingswahnsinn etc. nichts funktioniert doch noch richtig in dieser Gesellschaft. Die Boni für Bonzen ist doch nur ein Nebenkriegsschauplatz. Aber Hauptsache der Ball ist rund. Mensch Leute werdet doch endlich mal wach.

  • Vorschlag zur Güte: Man schüttet NUR GEWINNE aus!
    Die Hälfte des Gewinnes geht in Rücklagen für schlechtere Zeiten.
    Die andere Hälfte teilen sich Aktionäre (die sollen ja auch etwas haben) und an den lieben gerade bei der Deutschen Bank SEHR GUT VERDIENENDEN Mitarbeitern.
    Die Mitarbeiter der Deutschen Bank verdienen im Durchschnitt ÜBER 150 000 EURO im Jahr - das halte ich für sehr viel. Die Mitarbeiter der Commerzbank verdienen gerade mal die Hälfte und beraten deutlich besser!
    Dass die Mitarbeiter in London und New York sehr viel mehr verdienen als die Kontinentaleuropäischen mag zwar verständlich sein, doch müssen dann auch entsprechende Gewinne her.
    HOCH BEZAHLT UND MIESE ZAHLEN - DAS GEHT GAR NICHT!
    In meiner Branche werden auch Boni gezahlt - die sich aber ausschließlich an dem Gewinn des Unternehmens und der eigenen Leistung orientieren. Macht das Unternehmen kein Gewinn, zahlt es auch keine Boni. Das hat jeder Mitarbeiter begriffen und kümmert sich auch darum, dass nichts verschwendet wird.
    WARUM BEANTRAGT KEIN AKTIONÄR AUF DER NÄCHSTEN HAUPTVERSAMMLUNG FOLGENDES:
    Gewinne werden zur Hälfte zurückgestellt.
    Die bleibende Hälfte werden zu 49,9% als Dividende und zu 50,1% als Boni für die lieben hochbezahlten Mitarbeiter der Deutschen Bank ausgeschüttet.
    Hört sich gut an, da lob ich mich doch selbst ganz kräftig.

    @ Herr Carter - TOP - Investmentbanker - gibt es die???? Wenn ja, dann machen sie auch Gewinne, die man ausschütten kann.

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