Scharfer Kontrast zwischen deutschen Kriseninstituten und erfolgreichen US-Banken: Deutsches System gilt als veraltet

Scharfer Kontrast zwischen deutschen Kriseninstituten und erfolgreichen US-Banken
Deutsches System gilt als veraltet

In den USA verdienen viele Banken bislang trotz der Konjunkturflaute gut. Das US-Finanzsystem zeigt gerade in turbulenten Zeiten seine Stärken: mehr Transparenz und eine breitere Risikostreuung.

NEW YORK. Das Urteil fällt kurz und klar aus: „Die deutschen Banken gelten als schwach, das deutsche Finanzsystem als rückständig“, sagt der Analyst einer großen New Yorker Investmentbank.

Deutsche Finanzinstitute genießen generell an der Wall Street einen zweifelhaften Ruf. Einzige Ausnahme: Die Deutsche Bank hat sich in den vergangenen Jahren Respekt erworben. "Aber dafür musste sie tief in die Tasche greifen", sagt der Analyst. Seit dem Kauf des US-Instituts Bankers Trust hat die Deutsche Bank in den USA viel investiert und wenig verdient. Dafür zählt sie jetzt zu den wenigen europäischen Häusern, deren Name an der Wall Street ein Begriff ist.

Der Kontrast zwischen den US-Banken und ihren deutschen Konkurrenten ist krass. Citigroup und die Regionalbanken Bank One, Wells Fargo und Wachovia verdienten zuletzt glänzend, während Hypo-Vereinsbank, Dresdner und Co. Negativschlagzeilen machten.

Der Grund liegt nicht allein in der nur wenig besseren Konjunkturlage in den USA. „Das amerikanische Bankensystem ist stärker darauf ausgerichtet, Kreditrisiken an Dritte durchzureichen, statt sie in den eigenen Büchern zu behalten“, sagt Finanzprofessor Richard Meyer von der Harvard Business School. Die stärkere Marktorientierung (Disintermediation) zwinge die US-Banken, ihre Kredit- und Anlageportefeuilles zeitnah und realistisch zu bewerten. Kurzfristige Marktschwankungen schlagen sich daher direkt in den Ergebnissen nieder. Andererseits tragen die meisten US-Banken niedrigere Kreditrisiken, weil sie diese längst gebündelt und an große Investoren wie Pensions- und Investmentfonds weiter gereicht haben. Darauf weist auch John Lipsky, Chefvolkswirt von JP Morgan Chase hin.

Das deutsche Hausbankprinzip bedeutet, dass die Banken mehr Kreditrisiken selbst tragen, statt diese am Markt zu verkaufen. Das eröffne ihnen zwar Bewertungsspielraum. Sie können ihre Ergebnisse durch Herauf- oder Herabschreiben von Bilanzwerten glätten. „Probleme lassen sich so lange Zeit verstecken“, sagt Meyer. Doch bei unerwartet starken Geschäftsschwankungen versagt das System: „Wenn es knallt, dann richtig“, sagt Volkswirt Jan Hatzius von der Investmentbank Goldman Sachs.

Weil Deutsche Banken mehr Kreditrisiken tragen, sind sie stärker vom Kreditumfeld abhängig als ihre US-Rivalen. Meyer nennt als Beispiel, dass „viele kalifornische Banken längst pleite wären, wenn sie all ihre Hypothekenkredite in den eigenen Büchern behalten hätten“. Denn die Mieten und Immobilienpreise im kalifornischen Silicon Valley fielen, als die Hightech-Spekulationsblase platzte. Mancher Kredit wurden notleidend. „Ein großer, global diversifizierter Fonds kann es hingegen locker wegstecken, wenn ihm einige Hypotheken- Anleihen einbrechen, die mit kalifornischen Immobilien besichert sind“, sagt Meyer.

Außerdem verdienen amerikanische Banken im Privatkundengeschäft glänzend, während viel deutsche Häuser bislang hohe Verluste machten. Dahinter stecken das dünne – und damit billige – Filialnetz in den USA und das brummende Kreditkartengeschäft mit den konsumfreudigen Amerikanern. „Die amerikanischen Banken hatten das Glück, mit extrem hohen Gewinnen in die jüngste Konjunkturflaute zu starten“, sagt Goldman-Volkswirt Hatzius.

Außerdem halfen die schnellen, starken Zinssenkungen der US-Notenbank Fed. Das billige Zentralbankgeld senkte die Refinanzierungskosten der dortigen Banken massiv. Die deutschen Kreditinstitute gingen dagegen bereits geschwächt durch harten Kampf im Privatkundengeschäft in die aktuelle Krise. Und die Europäische Zentralbank (EZB) senkte die Zinsen bislang nur zögerlich. Hätte die EZB ähnlich reagiert wie die Fed, „dann wäre das den deutschen Banken sicher zugute gekommen“, sagt Hatzius.

Zwar hat auch das amerikanische System Nachteile. So entstehen durch die Bündelung und den Verkauf von Kreditrisiken am Markt Transaktionskosten. Und die Untersuchungen von JP Morgan Chase ergaben, dass die kurzfristigen Schwankungen an den Kreditmärkten heftiger ausfallen. Doch gerade in unsicheren Zeiten werde dies mehr als aufgewogen durch den großen Vorteil, dass „die Risiken einfach besser und gleichmäßiger verteilt sind“, sagt JP-Morgan- Chefvolkswirt Lipsky.

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