Schattenbanken und Finanzstabilität
Wovor es Bundesbank und EZB graust

Für Großbanken gibt es strenge Kapitalvorschriften und die Finanzaufsicht überwacht die Geldhäuser engmaschig. Europäische Zentralbank und Bundesbank fürchten daher, das andere Spieler das Finanzsystem bedrohen könnten.
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FrankfurtDie wachsende Rolle von Schattenbanken, zu denen zum Beispiel Hedge- und Investmentfonds zählen, bereitet der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend Sorgen. Sie hat den „schnell wachsenden Schattenbankensektor“ in ihrem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht in die Liste der wichtigsten „Schlüsselrisiken“ für die Finanzstabilität in der Euro-Zone aufgenommen.

Insgesamt schätzen die Währungshüter die Risiken für die Finanzstabilität im Währungsraum aber als gering ein. „Es gibt im allgemeinen ein niedriges Niveau an systemischen Risiken in der Euro-Zone“, sagte EZB-Vizechef Vitor Constancio. Die Schattenbanken sind in den Augen der EZB nicht die größte Gefahr für die Finanzstabilität aus. Vielmehr geht das größte Risiko von plötzlichen Umschwüngen an den Märkten aus. Auch die wachsende Rolle Chinas für die globalen Finanzmärkte bereitet den Notenbankern Unbehagen.

Gleichwohl ist der auf die Schattenbanken gerichtete Fokus des Berichts bemerkenswert. Denn dieser Teil der Finanzbranche ist bislang weniger stark von der EZB beurteilt worden. „Risiken für die Finanzstabilität weiten sich zunehmend über traditionelle Unternehmen wie Banken und Versicherer hinaus aus“, schreibt die EZB. „Mit dem schnellen Wachstum und der Vernetzung dieses Sektors, vor allem der Investmentfonds, ist es wahrscheinlicher, dass sich Schwachstellen unterhalb der Oberfläche anhäufen“, so die Notenbank. Das ist deshalb ein Thema, weil dieser Teil der Finanzbranche eine immer bedeutendere Rolle einnehmen.

Die seit der Finanzkrise verschärfte Regulierung des Bankensektors setze Anreize für eine Verlagerung von Geschäften in andere Bereiche des Finanzsystems, schreibt auch die Bundesbank in ihrem eigenen Finanzstabilitätsbericht, den sie ebenfalls am Mittwoch veröffentlichte. „Insbesondere das Schattenbankensystem betreibt Kreditintermediation außerhalb des regulären Banken- und Versicherungssektors“, so die Bundesbank. Damit ist die Finanzierung jenseits klassischer Strukturen gemeint. Die Geschichte habe gezeigt, dass in diesem Bereich Verwundbarkeiten entstehen können, die gegebenenfalls das gesamte Finanzsystem gefährden.

Unter Schattenbanken versteht man Finanzakteure, die zwar keine Banken sind, aber bankähnliche Geschäfte betreiben. Das können Versicherer, Investmentfonds, Private-Equity-Investoren oder auch Hedgefonds sein. Es ist vor allem die wachsende Rolle von Investmentfonds, die zu den Schattenbanken zählen, die die EZB beunruhigt. Denn der Großteil des Wachstums in der Welt der Schattenbanken geht auf das Konto der Fondsbranche. „Die Investmentfondsbranche der Euro-Zone ist nicht nur weiter gewachsen, es gibt außerdem Anzeichen dafür, dass die Fonds höhere Risiken auf ihre Bilanzen nehmen“, warnt die EZB.

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Kommentare zu " Schattenbanken und Finanzstabilität: Wovor es Bundesbank und EZB graust"

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  • Das kann man sehen wie man will.

    Sind es nicht die Notenbanken selbst, die sich mit dem Gedanken vertraut machen, das Bargeld abzuschaffen? Begünstigt nicht dieser Schachzug ausgerechnet das Entstehen dieser sogenannten Schattenbanken. Es ist doch dann nur noch ein kleiner Schritt von den Bezahlsystemen bis zum echten Banking.

    Betrachtet man diesen Gedanken vor dem Hintergrund der angestrebten sogenannten TTIP-Vereinbarung, dann wissen wir ganz schnell, dass sich diese Notenbanken keine weiteren Sorgen mehr machen müssen. Das wird ihnen dann alles aus den USA vorgegeben.

    Es geht also um viel mehr als die Bedrohung des Finanzsystems. Man muss nur die Augen öffnen und hinschauen.

  • Herr walter rehm@falsch und richtig"
    Es ist die Aufgabe des Spekulanten Fehler im System zu finden, von daher verstehe ich ihre Kritik nicht.

  • Herr Baron, die holen, im zweiten Schritt, den Zaster gleich bei der EZB ab, dann brauchen sie nicht ständig zu rechnen. Ein wahres Geschenk der Euro für den politisch denkenden Mensch.

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