Schieflage durch Immobiliengeschäfte: Rettung für kriselnde Kabul Bank in Sicht

Schieflage durch Immobiliengeschäfte
Rettung für kriselnde Kabul Bank in Sicht

Dubiose Machenschaften haben Afghanistans größtes Geldhaus in eine schwere Schieflage gebracht. Auch die politische Elite des Landes ist in den Fall verwickelt. Auch wenn es „genügend liquide Mittel“ gibt, die Filialen werden mittlerweile von Wachleuten mit Maschinengewehren gesichert.
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BERLIN. Als ich in die Filiale wollte, hielt ein Sicherheitsbeamter mir die Kalaschnikow auf die Brust und schrie mich an: Wenn „du da reingehst, knalle ich dich ab“, ruft der bärtige Gulbuddin aufgeregt in die Kamera des afghanischen Fernsehens. An sein Erspartes kommt der Gärtner heute nicht. Seit drei Uhr morgens hatte er mit 300 anderen Afghanen vor der Zentrale der Kabul Bank in Afghanistans Hauptstadt ausgeharrt. Eine Sondereinheit der Sicherheitskräfte verhinderte, dass die Bankkunden an die Schalter gelangten.

1,3 Mrd. Dollar haben die Kunden bei der größten der 17 privaten Banken des Landes angelegt. Doch seit Tagen stehen Anleger und Kontoinhaber vor Bankfilialen Schlange und haben mit 180 Mio. Dollar vorige Woche so viel Geld abgehoben wie nie zuvor. Denn es war bekannt geworden, dass die früheren Hauptaktionäre, die zugleich als Chairman und CEO tätig waren, über 160 Mio. Dollar in Dubai versenkt haben sollen. Für die Immobiliendeals im Glitzer-Emirat habe die Bank ungedeckte Kredite ausgereicht, hatte die „Washington Post“ aufgedeckt. Am Montag gab Zentralbankchef Abdul Qadir Fitrat Entwarnung: Die Kabul Bank habe „genügend liquide Mittel“. Sollten dennoch Probleme auftreten, werde die Notenbank „so viel Geld wie benötigt als Kredit an die Kabul Bank geben“. Sie habe aber bisher nicht einmal um Hilfe des Staates gebeten, fügte Fitrat an.

Keine Hilfe aus Washington

Zuvor hatte Finanzminister Omar Zakhiwal bekanntgegeben, dass bereits 100 Mio. Dollar an zusätzlichem Staatsgeld an die Krisenbank überwiesen worden seien, um die Gehälter für 250000 Staatsdiener auszahlen zu können.

Dass die Regierung die Kabul Bank rettet, obwohl dies das bettelarme Land wohl 400 Mio. Dollar kosten würde, steht für Haroun Mir außer Zweifel: „Wenn die Anleger ihr Geld nicht bekommen, wird das in Gewalt umschlagen“, meint der Chef des afghanischen Zentrums für Politik-Forschung und -Studien. Zudem seien „so viele Politiker in den Skandal um die Bank verwickelt – und deren finanzielles Schicksal hängt auch von dem der Bank ab“.

Damit zielt der Politologe auf Mahmud Karzai, den drittgrößten Kabul-Bank-Aktionär und Bruder von Staatschef Hamid Karzai, sowie dessen Vizepräsidenten Muhammad Fahin, der auch am Institut beteiligt sei. Geld für den Kauf dieser Anteile hätten sie sogar durch Staatskredite bekommen, heißt es in Kabul. Geld aus den USA wird es für die Kabul Bank nicht geben: „Das ist ein afghanisches Problem. Da wird kein Geld amerikanischer Steuerzahler fließen“, kündigte US-Finanzstaatssekretär Neal Wolin gestern an.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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