Schifffahrtskrise
NordLB-Gewinn bricht ein

Die Krise an den Schifffahrtsmärkten dauert an und zieht die NordLB mit in die Tiefe. Wegen drohender Kreditausfälle legte die Landesbank deutlich mehr Geld zurück. NordLB-Chef Gunter Dunkel ist jedoch guter Dinge.
  • 0

HannoverDie Krise in der Schifffahrt setzt der NordLB empfindlich zu. Weil die Bank deutlich mehr Geld für drohende Kreditausfälle zurücklegte, brach der Gewinn im vergangenen Jahr um 85 Prozent auf 80 Millionen Euro ein. Auch in den kommenden beiden Jahren stellt sich die Landesbank auf Gegenwind ein. Die NordLB sehe in der Schifffahrt 2013/14 keine spürbare Erholung, sagte Bankchef Gunter Dunkel am Dienstag in Hannover. Er sieht allerdings Anzeichen, „dass wir den zyklischen Tiefpunkt an den Schifffahrtsmärkten hinter uns haben“ und rechnet im laufenden Jahr wieder mit mehr Gewinn.

Die Schifffahrt durchläuft wegen des mauen Welthandels, Überkapazitäten und gestiegener Treibstoffkosten eine tiefe Krise, was auch andere Banken wie die HSH Nordbank und die Commerzbank zu spüren bekommen. Die NordLB war viele Jahre weitgehend unbeschadet durch die Flaute gesteuert, da sie vor der Krise weniger aggressiv unterwegs war als viele Konkurrenten. „Nachdem die Krise an den Schifffahrtsmärkten aber mittlerweile ins fünfte Jahr geht, ist sie nun auch bei uns angekommen“, räumte Bankchef Dunkel ein.

2012 musste die NordLB die Rücklagen für drohende Kreditausfälle mehr als verdreifachen auf 598 Millionen Euro. Auch 2013 rechnet sie mit „einer überdurchschnittlich hohen Risikovorsorge“. Im Vergleich zum Hamburger Nachbarn HSH, bei dem etwa die Hälfte der Schiffskredite im Volumen von 26 Milliarden Euro problembehaftet ist, ist die Lage in Hannover jedoch überschaubar. Die NordLB, die 18 Milliarden Euro an die Schifffahrt verliehen hat, musste bisher bei weniger als fünf Prozent ihrer Kredite Einzelwertberichtigungen vornehmen.

Die NordLB hat in der Krise bisher Finanzierungen für rund 130 Schiffe restrukturiert und tut alles, damit möglichst viele davon im Einsatz bleiben. „Nur ein Dutzend unserer Schiffe fahren nicht“, betonte der zuständige Vorstand Eckhard Forst. Er beobachtet, dass sich der Markt bei immer mehr Schiffstypen erholt, meist allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. Gut seien die Aussichten bei großen Containerschiffen oder Produkttankern. Unverändert schlecht sehe es dagegen weiter im Geschäft mit Bulkern aus – große Frachtschiffe, die Massengüter wie Kohle oder Erz transportieren.

Ein Garantierahmen, den die Länder Niedersachen und Sachsen-Anhalt für den Notfall bereithalten, müsse das Institut nicht in Anspruch nehmen, betonte der Bankchef. Für die härteren Vorschriften der Aufseher sei die NordLB, die ihr Kapitalpolster mit Hilfe der Eigentümer zuletzt um 3,4 Milliarden Euro gestärkt hat, gut gewappnet. Die Kernkapitalquote stieg im vergangenen Jahr um 1,5 Prozentpunkte auf 10,9 Prozent. „Insgesamt steht die Bank heute besser da als vor einem Jahr.“ Dunkel bekräftigte auch das mittelfristige Ziel eines Vorsteuergewinns von einer Milliarde Euro, wenngleich die NordLB davon 2012 mit 76 Millionen Euro meilenweit entfernt war.

Große Herausforderungen erwartet Dunkel 2013 durch neue Regulierungsvorhaben. Wenn die Finanztransaktionssteuer wie geplant eingeführt werde, drohten substanzielle Belastungen für die NordLB und alle anderen Banken. „Wir glauben aber nicht, dass sie so kommen wird.“ LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter hat vor Belastungen von bis zu drei Milliarden Euro für sein Institut gewarnt, falls die Finanztransaktionssteuer eingeführt und schlecht umgesetzt werde.

Mit einer weiteren Konsolidierung des Landesbankensektors rechnet Dunkel, der bald Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken wird, nicht. Helaba -Chef Hans-Dieter Brenner hat dagegen eine weitere Bereinigung des Sektors angeregt und will dabei eine Führungsrolle spielen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schifffahrtskrise: NordLB-Gewinn bricht ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%