Schiffsfinanzierer
Moody‘s hebt den Zeigefinger

Die Schifffahrtskrise geht ins achte Jahr – und ein Ende ist nicht in Sicht. Vor allem bei deutschen Banken rechnet die Ratingagentur Moody’s mit steigenden Problemen durch faule Kredite.
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BerlinIn einer Branchenstudie hat die Ratingagentur Moody’s fünf deutsche Institute näher unter die Lupe genommen, die ein Schiffskreditportfolio von 64 Milliarden Euro auf sich vereinen. Dabei geht es um die genossenschaftliche DVB Bank, die HSH Nordbank, die KfW Ipex-Bank, die NordLB und die Bremer Landesbank. Diese Banken leiden sehr unter der Branchenflaute und sind aus Sicht von Moody’s besonders anfällig, falls sich die Lage verschlechtern sollte. Und davon geht der Bonitätswächter aus, da es weiterhin ein chronisches Überangebot an Frachtkapazität gebe.

Deutsche Banken spielen bei der Schiffsfinanzierung traditionell eine wichtige Rolle. Das hängt mit der stark exportorientierten deutschen Volkswirtschaft zusammen. Der größte Teil des Welthandels wird auf dem Seeweg abgewickelt. Seit Jahren drücken Überkapazitäten auf die Preise. Dann setzt sich die Spirale in Bewegung: Die Frachtraten gehen in den Keller, die Reeder haben Probleme, ihre Kredite zu bedienen, geschweige denn, sie zu tilgen. Die Banken müssen ihre Risikovorsorge hochfahren, was den Gewinn drückt oder zu Verlusten führt.

Exemplarisch ist das bei der NordLB zu sehen, die aufgrund einer deutlich aufgestockten Risikovorsoge rote Zahlen für dieses Jahr angekündigt hat. Zudem muss sie ihre Tochter Bremer Landesbank auffangen, die aus eigener Kraft die gestiegene Risikovorsorge nicht mehr schultern konnte. Auch bei der DVB Bank schlägt die Schiffskrise kräftig ins Kontor. Sie kassierte vor wenigen Wochen ihre Gewinnprognose und erwartet nun wegen einer höheren Ausfallgefahr bei Schiffskrediten in diesem Jahr einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe.

Wie herausfordernd die Lage für die maritimen Finanzinstitute ist, zeigt sich, wenn die Schiffskredite ins Verhältnis gesetzt werden zum harten Kernkapital (Tier 1). Bei der DVB Bank übersteigen die Schiffskredite das Kernkapital um das Zwölffache, bei der Bremer Landesbank um das Fünffache, bei der HSH Nordbank um das Vierfache.

Ferner stellt Moody’s fest, dass sich der Anteil der leistungsgestörten Schiffskredite (Non Performing Loans) am gesamten Schiffskreditvolumen weiter erhöht. So sei der Anteil der NPL bei der NordLB in den ersten sechs Monaten um 700 Millionen Euro auf 7,7 Milliarden Euro angestiegen. Das entspreche einer NPL-Quote bei Schiffskrediten von fast 44 Prozent. Im Vergleich zu den skandinavischen Banken – ebenfalls vergleichsweise stark im Geschäft mit Finanzierungen für Reedereien – würden die deutschen Institute eine zwei bis drei Mal so hohe NPL-Quote aufweisen, schreibt Moody’s. Dies hänge wohl mit Kreditvereinbarungen zusammen und damit, dass deutsche Institute überproportional stark in der besonders von der Krise betroffenen Containerschifffahrt engagiert sind.

Trotz der Anstrengungen der vergangenen Jahre könnte sich herausstellen, dass die Institute noch nicht genügend Vorsorge betrieben haben, befürchten die Ratingspezialisten. Um auf der sicheren Seite zu sein, müssten die Banken ihre Kredite zu 50 Prozent bilanziell absichern. Dabei verweist die Agentur auf die jüngste Verkaufsaktion der HSH Nordbank. Ein Schiffskreditportfolio von fünf Milliarden Euro wurde für gerade einmal 2,4 Milliarden Euro verkauft. Da sich die Bank mehrheitlich im Besitz von Hamburg und Schleswig-Holstein befinden, tragen die Steuerzahler den Verlust.

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