Schnäppchenparadies Lehman: Barclays und Nomura schlugen zu

Schnäppchenparadies Lehman
Barclays und Nomura schlugen zu

Die britische Großbank und das japanische Brokerhaus sicherten sich kurz nach der Lehman Pleite die restlichen Geschäfte der Investmentbank. Zwei Jahre später sehen die Resultate der Schnäppchenkäufe recht unterschiedlich aus.
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TOKIO/LONDON. Die Pleite von Lehman Brothers war noch keinen Tag alt, da hatte Bob Diamond bereits den Deal seines Lebens abgeschlossen. Zum Schnäppchenpreis von 1,75 Mrd. Dollar sicherte sich der Chefinvestmentbanker der britischen Großbank Barclays den Zuschlag für die Reste des US-Geschäfts des kollabierten Konkurrenten. Auch Kenichi Watanabe, Chef des größten japanischen Brokerhauses Nomura, ließ sich damals von der Weltuntergangsstimmung nicht abschrecken und übernahm ebenso kurzentschlossen die Lehman-Überreste in Europa und Asien.

Heute, zwei Jahre nach der spektakulärsten Pleite der Wirtschaftsgeschichte, sehen die Erfahrungen der beiden Lehman-Erben reichlich unterschiedlich aus. Während Barclays im Investment-Banking tatsächlich einen Sprung nach vorne machte, scheint Nomura noch immer mit der Integration zu kämpfen.

So richtig zufrieden kann Nomura-Boss Watanabe jedenfalls nicht sein. Die Übernahme der Lehman-Reste sollte seine Bank auch weltweit in die erste Liga der Investmentbanken katapultieren. Doch genau das internationale Geschäft sehen Analysten noch immer als Problem der Japaner.

Die Analysten von JP Morgan befürchten, dass die Bank im zweiten Quartal wieder in die roten Zahlen rutschen wird. Vor allem das Überseegeschäft, so lautet das Fazit von JP Morgan, sei unrentabel. Schon bei der Vorstellung des Ergebnisses für das vergangene Geschäftsjahr zeigte sich so mancher Analyst trotz schwarzer Zahlen enttäuscht und hatte seine Vorahnungen: Nomura sei nun ein internationaler Player und müsse nach dem Kauf von Lehman eigentlich mehr verdienen, monierte Mitsushige Akino von Ichiyoshi Investment Management. Bei Nomura selbst sieht man das ganz anders: "Die Übernahme ist ein Erfolg", betont eine Sprecherin. "Wir wollten unsere Umsätze diversifizieren und ein Global Player werden. Der Lehman-Deal hat genau das möglich gemacht."

Doch zumindest in Sachen Unternehmenskultur scheinen die Probleme noch immer ungelöst. Rund 8 000 Lehman-Mitarbeiter hat Nomura übernommen. Die wichtigsten Banker und Händler überredeten die Japaner mit hohen Boni zum Bleiben. Doch inzwischen hat mehr als ein Dutzend dieser hochbezahlten "Regenmacher" Nomura wieder verlassen, und der Exodus scheint noch nicht gestoppt. Erst vor kurzem kündigte Adrian Mee, Chef des europäischen Übernahmegeschäfts und ehemaliger Lehman-Angestellter, und wechselte zum Konkurrenten Bank of America Merrill Lynch.

Bob Diamond, dem Chefinvestmentbanker von Barclays, hat sein Lehman-Deal dagegen inzwischen eine Beförderung eingebracht. Anfang 2011 soll der hemdsärmlige Amerikaner als Vorstandschef an die Spitze des zweitgrößten britischen Instituts rücken. Diamonds Aufstieg ist keine Überraschung, hat die Großbank doch die rasante Erholung nach der Finanzkrise vor allem dem Investment-Banking zu verdanken. Im Geschäft mit Anleihen, Devisen und Derivaten waren die Briten bereits vor Lehman eine Weltmacht. Jetzt spielen sie auch im Aktiengeschäft und bei der Beratung von Börsengängen und Übernahmen in der ersten Liga mit. Im ersten Halbjahr trug Barclays Capital rund zwei Drittel zum Gesamtgewinn der Bank von 3,95 Milliarden Pfund (sechs Milliarden Dollar) bei.

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