Schulden: Irland-Krise belastet Lloyds

Schulden
Irland-Krise belastet Lloyds

Die Großbank Lloyds quälen derzeit einige Sorgen: Milliardenbelastungen durch faule Kredite im Irland-Geschäft, keine Verbesserung der Renditen und die anziehende Inflation - das alles drückt aufs Ergebnis.
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LondonObwohl die britische Großbank Lloyds 2010 die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft hat, wurde das Geldhaus von den Anlegern abgestraft. Der scheidende Vorstandschef Eric Daniels meldete für das vergangene Jahr einen Gewinn vor Steuern von 2,2 Mrd. Pfund und übertraf damit leicht die Schätzungen der Analysten. 2009 hatte die Bank noch einen Verlust von 6,3 Milliarden Pfund vor Steuern verkraften müssen. Wie die übrigen britischen Banken profitierte auch Lloyds von einem Rückgang der Kreditausfälle.

Hohe Verluste in Irland und Probleme mit den Margen im Kreditgeschäft, sorgten allerdings für einen Kursrutsch. Die Lloyds-Aktie verlor zur Eröffnung an der Londoner Börse vier Prozent, bevor ein Systemausfall den Handel stoppte.

Die Rückstellungen für faule Kredite gingen bei der größten britischen Hypothekenbank 2010 insgesamt um 45 Prozent auf 13,2 Milliarden Pfund zurück.

In Irland musste Lloyds allerdings einen Anstieg der Ausfälle auf 4,3 Milliarden Pfund verkraften, nach 2,9 Mrd. Pfund im Vorjahr. Vorstandschef Daniels räumte ein, dass er in Irland vorerst kaum Aussicht auf eine Besserung der Lage sehe. Außerdem musste der Manager zugeben, dass höhere Refinanzierungskosten im laufenden Jahr die Nettomarge im Kreditgeschäft belasten und voraussichtlich zu einer Stagnation führen würden.

Lloyds war im Herbst 2008 in akute Finanznot geraten. Der Staat musste das Geldhaus retten und hält seither einen Anteil von 42 Prozent. Schuld an der Krise waren vor allem Verluste bei der Tochter HBOS. Daniels hatte sich erst auf Drängen der damaligen Labour-Regierung zur Übernahme der schwer angeschlagenen Hypothekenbank entschlossen. Der ehemalige Premierminister Gordon Brown wollte einen Kollaps von HBOS mit allen Mitteln verhindern.

In normalen Zeiten wäre die Übernahme am Veto der Kartellwächter gescheitert, aber Brown sorgte für eine Ausnahmegenehmigung. Mit einer Reprivatisierung von Lloyds  rechnen die meisten Analysten nicht vor 2012. Für die lange Wartezeit ist die Regierung des neuen konservativen Premierministers David Cameron selbst verantwortlich.

Cameron hat eine unabhängige Kommission eingesetzt, die bis Herbst diesen Jahres prüfen soll, ob die britischen Großbanken aufgespalten werden müssen, um für mehr Wettbewerb zu sorgen und eine Wiederholung der Finanzkrise zu verhindern. Lloyds könnte im schlimmsten Fall eine Rückabwicklung der HBOS-Übernahme drohen. Solange dieses Damoklesschwert über dem Geldhausschwebt, halten Experten die Bankaktien des Staates quasi für unverkäuflich.

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