Schuldenkrise
Blessing für Schuldenschnitt in Griechenland

Der Chef der Commerzbank, Martin Blessing, spricht sich klar für eine Umschuldung Griechenlands aus - mit Beteiligung privater Gläubiger. Von einem demokratisch durchsetzbaren Sparpaket hält er nicht viel.
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FrankfurtCommerzbank-Chef Martin Blessing hat sich für einen radikalen Schuldenschnitt Griechenlands ausgesprochen. „Griechenland braucht eine Umschuldung bis zur teilweisen Entschuldung“, schrieb Blessing in einem Gastbeitrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagausgabe). „Kein demokratisch durchsetzbares Sparpaket wird es dem Land ermöglichen, in absehbarer Zeit an den Kapitalmarkt zurückzukehren und seine Schulden mit Zinsen zurückzuzahlen.“ Portugal und Irland gehe es nicht viel besser, warnte er. Spanien und Italien seien in Gefahr, sich ebenfalls anzustecken.

Im Falle Griechenlands müssten nach den Worten von Blessing alle Gläubiger auf Teile ihres Zins- und Rückzahlungsanspruches verzichten - auch die privaten. Von einer freiwilligen Beteiligung könne keine Rede sein, daher sei ein „Default“ - ein Zahlungsausfall - Griechenlands und eine Insolvenz des griechischen Finanzsektors die Folge.

Für einen „Haircut“ zeigte Blessing zwei Lösungsvorschläge auf: Die Gläubiger könnten ihre Bonds mit einem 30-Prozent-Abschlag in 30 Jahre laufende Papiere mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent tauschen, die mit einer gemeinschaftlichen Garantie der Euroländer versehen sind. Die Gläubiger müssten also auf 30 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Oder aber Anleihen könnten zu 100 Prozent in eine zinslose Neuanlage getauscht werden, die in fünf Jahren aus den Privatisierungserlösen zurückgezahlt wird. Hier würde die Euro-Gemeinschaft 80 Prozent der Rückzahlung garantieren, die Gläubiger müssten also 20 Prozent eines möglichen Verlustes selbst tragen.

Es sind die bislang deutlichsten Worte Blessings zur Griechenland-Krise. Die Commerzbank ist einer der größten privaten deutschen Gläubiger in dem Land. Der Bankchef betonte zudem, das Lösungskonzept müsse grundsätzlich so ausgelegt sein, dass es auch als „Blaupause“ für Portugal und notfalls Irland dienen könne. „Weitermachen wie bisher ist nicht möglich, die Wirklichkeit hat uns eingeholt.“

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