Schuldenkrise
Chefvolkswirt: Griechische Banken im Soll

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, sieht die privaten Gläubiger beim griechischen Schuldenschnitt im Soll. Auf Regierungsseiten vermisst er allerdings die nötige Konsequenz beim Forderungsverzicht.
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BerlinDer Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sieht die privaten Gläubiger Griechenlands im Gegensatz zum öffentlichen Sektor bei der Beteiligung an einem Schuldenschnitt im Soll. Die Banken seien bereit, auf 50 Prozent der Forderungen zu verzichten und gingen „sehr stark in Vorlage“, sagte Mayer im Deutschlandfunk. Der öffentliche Sektor verzichte dagegen bisher noch nicht auf seine Forderungen. Dies führe dazu, dass immer noch Zweifel bestünden, ob auch nach dem Forderungsverzicht des Privatsektors Griechenland langfristig solvent sei.

Bei der Rettung Griechenlands und der Sanierung Spaniens und Italiens sei man insofern weitergekommen, dass diese Länder nun neue Regierungen hätten, die die Probleme sehr viel entschlossener angingen, sagte Mayer weiter. „Die Probleme sind aber schon gewaltig.“ Es müsse nachgeholt werden, was in beinahe zehn Jahren nicht richtig gemacht worden sei. „Ich glaube, da wird man insgesamt für den Rest dieses Jahrzehnts damit beschäftigt sein.“

Zu der von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wieder ins Gespräch gebrachten Finanztransaktionssteuer sagte Mayer, dies sei ein „eher politisches Projekt“, das vermutlich dazu führen werde, dass sich Finanztransaktionen schlicht und einfach aus der Eurozone heraus nach Großbritannien oder dann die USA und Asien verlagern würden. Aus seiner Sicht sei die Steuer kontraproduktiv. „Aber die Politik hat sich das in den Kopf gesetzt und dann wird es wohl kommen.“

Ziel der Bundesregierung war bislang, die Steuer EU-weit und vor allem unter Einbeziehung Großbritanniens mit dem Finanzplatz London einzuführen. Die britische Regierung besteht aber auf einer globalen Regelung und ist gegen einen Alleingang Europas. Merkel hatte am Montag nach einem Treffen mit Sarkozy erklärt, sie könne sich notfalls auch eine Regelung nur für die 17 Euro-Länder vorstellen. FDP-Chef und Wirtschaftsminister Philipp Rösler pocht indes auf eine europaweite Regelung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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