Schuldenkrise
Das Leiden der italienischen Banken

Die Banken in Italien leiden besonders unter der Krise des Landes. Staatsanleihen und faule Kredite belasten die Rentabilität der Geldhäuser. Und auch die Versicherer hat es erwischt. Es droht ein Dominoeffekt.
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MailandDie Börse straft die Banken Italiens ab. Nicht weil sie schlecht gewirtschaftet haben, sondern weil sich das Heimatland der Institute in eine horrende Staatsverschuldung hat fallen lassen und die Politik der Regierung Berlusconi konfuser kaum sein könnte. Seit Juli haben die Anteilscheine von Unicredit und Intesa Sanpaolo, Mediobanca, Banca Popolare di Milano und anderen Banken bis zu 50 Prozent an Wert verloren. Die Anleihe-Renditen der Institute stiegen.

Die dadurch höheren Refinanzierungskosten kratzen an der Profitabilität. „Im Grunde genommen weisen italienische Banken eine solide Vermögensstruktur auf und haben auch im laufenden Krisenjahr gute Ergebnisse erzielt“, bricht Professor Stefano Carelli von der Mailänder Elite-Universität Bocconi eine Lanze für die Kreditinstitute. „Mehr als andere Unternehmen leiden die Banken an der Systemkrise des Landes. Würde das System funktionieren, hätten wir auch keine Bankenkrise.“

Derzeit haben Italiens Kreditinstitute Staatspapiere des Landes in Höhe von knapp 150 Milliarden in ihren Bilanzen. Besonders hohe Bestände halten Intesa Sanpaolo und Unicredit mit je 63 beziehungsweise 40 Milliarden Euro. Die Zukunft der Kreditinstitute hängt von der Fähigkeit der neuen Regierung ab, die Staatsschulden effizient abzubauen und damit wieder internationale Glaubwürdigkeit zu erlangen. Dann, so Carelli, werde der Risikoaufschlag zwischen den deutschen Bundesanleihen und den italienischen Staatstiteln, der zu Wochenmitte ein Allzeithoch von 575 Basispunkten Punkte erreichte, rapide sinken. Das würde den Wert der Staatsanleihen im Besitz der Banken erhöhen und die Refinanzierung der Banken preiswerter werden lassen. Gelingt dies jedoch nicht, wird es richtig ungemütlich: Im kommenden Jahr muss der Staat 300 Milliarden Euro refinanzieren. Hundert Milliarden Euro fallen bereits im ersten Quartal 2012 an.

Dabei sah es in den vergangenen Jahren eigentlich recht gut aus für die Banken in Italien. Die Krise um bonitätsschwache US-Immobilienkredite und die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hatten sie relativ gut überstanden. Infolge ihrer allgemein konservativen Anlagepolitik, ihrer Fokussierung auf das Privatkundengeschäft anstatt auf das Investment-Banking sahen sie sich in den vergangenen Jahren nur zum Teil gezwungen, Staatshilfen anzunehmen. Weder die beiden Branchenführer, Unicredit und Intesa Sanpaolo, noch ein Großteil der Volksbanken hatten die nach dem Finanzminister benannte staatliche Hilfe, die Tremonti Bonds, in Anspruch genommen. Einzig die genossenschaftlich organisierte Monte die Paschi di Siena, Europas ältestes Kreditinstitut, die kleinere Mailänder Volksbank Banca Popolare di Milano und die UBI nahmen Staatshilfe in Anspruch. Nun haben sie Schwierigkeiten diese zurückzuzahlen.

Kommentare zu " Schuldenkrise: Das Leiden der italienischen Banken"

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  • Die Bürger eines Landes und allen voran dessen Finanzinstitute haben als Gläubiger die Verantwortung, den Staat vor allzu leichtfertiger Verschuldung zu bewahren. Denn es ist allzu gut bekannt, daß die Politiker dies nicht tun.

    Der Wettkampf um die Wählergunst - dahinter steht der nackte Wille um Macht - treibt die Parteien immer wieder an, dem Volk mehr zu versprechen und mehr finanzielle Wohltaten zu verteilen, als erwirtschaftet wird. Damit ist eigentlich in jedem demokratischen System ein Grundstein für wachsende Kreditaufnahme gelegt.

    Am Ende drohen dann immer Liquditätsprobleme und Überschuldungen. Die Empfänger der staatlichen Leistungen neigen natürlich dazu dies zu bejubeln, solange das gutgeht. Eigennutz ist eben eine fest verankerte menschliche Eigenschaft.

    Das einzige vorsorgliche Korrektiv sind die Verleiher von Geldern, die sich um Verzinsung und Tilgung Gedanken machen sollten, bevor das System kippt.

    Offenbar haben sie aber von staatlicher Allmacht geträumt und frühere Warnsignale einfach übersehen.

  • Neben der EZB muessen auch die Ratingargenturen den Politikern gehorchen. Eigentlich jeder muss gehorchen. Dies ist die Demokratie der Elite. Schuld sind aber nicht mal die Politiker, sondern wir das untaetige Volk.

  • Was hier passiert ist und bleibt die übelste Volksverdummung seit dem 3. Reich. Sorry das klingt böse aber es ist definitiv so und was hierzulande regiert darf man ruhig als hochkriminell bezeichnen. Was die Medien dem Michel vorsetzen tut auch nur noch weh. Die Ratingssache mit S&P wie dieser in den Medien dargestellt wird war für mich von Anfang an ein Witz. Das hier passt 100%: http://newsbote.com/brennpunkt/ratingagentur-sp-und-ihr-irrtumlicher-fehler/

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