Schuldenkrise Europas Kreditinstitute blicken in den Abgrund

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Verschiedene Arten, mit dem Problem umzugehen

Das richtige Gespür für die Lage beweist erneut die Investmentbank Goldman Sachs. Bereits bei der letzten Finanzkrise hatten die Banker das richtige Händchen. Sie reduzierten die Risiken ihres Instituts erheblich. Ähnlich sieht es heute aus. Im vergangenen Quartal wurde der mögliche Tagesverlust um ein Viertel reduziert auf einen Stand wie im dritten Quartal 2006. Wettbewerber gingen einen anderen Weg. Morgan Stanley erhöhte sein Risikoprofil sogar leicht.

Was sich so einfach anhört, fällt Goldman Sachs schwer. Die Entscheidung für weniger Risiko ist gleichzeitig eine Entscheidung für weniger Rendite, was den ehrgeizigen Managern bei Goldman Sachs besonders schwerfällt. Renditen von über 20 Prozent vor Steuern wie in den vergangenen Jahren sind so nicht zu erreichen. Mit gut der Hälfte wären die risikoscheuen Goldmänner schon gut bedient. Denn was hilft eine hohe Rendite, wenn die Finanzwelt auseinanderbricht? Da lieber die sicherere Variante.

Die Banker versuchen aber auf ganz unterschiedliche Weise, mit dem Problem umzugehen. Manche vertrauen auf eine kreative Buchführung. Sie sprechen von Marktversagen bei der Bewertung von Staatsanleihen und bilanzieren auf der Basis eigener Berechnungen. Außerdem stehen die europäischen Banken vor einer Entlassungswelle. Allein die britische Großbank HSBC will 30 000 Mitarbeiter entlassen, Niederlassungen in verschiedenen Ländern schließen sowie Teilbereiche verkaufen. Weniger Mitarbeiter bedeuten weniger Kosten. Der Sinn ist, sich besser auf die Krise vorzubereiten.

Manche Probleme werden noch verdrängt: Viele Banken haben Staatsanleihen über Kreditversicherungen abgesichert, oftmals sind Hedge-Fonds der Versicherungspartner. Kommt es zu einer Staatspleite, dann verfügen die Hedge-Fonds nicht über genug Kapital, um den Schadensfall zu begleichen. Am Ende blieben die Banken auf ihren Risiken sitzen.

Der einzige Trost in dieser besorgniserregenden Lage ist, dass doch Lehren aus der Finanzkrise gezogen wurden. So bauen etliche Staaten wie in Deutschland einen Rettungsfonds für Banken auf. Mit dem neuen deutschen Restrukturierungsgesetz gibt es klare Vorschriften, um Banken zu retten oder abzuwickeln. Sollten große Staaten wie Italien Insolvenz anmelden müssen, wären die Auswirkungen so gravierend, dass die Planung zum Ernstfall würde.

Der Autor ist Chefkorrespondent.

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