Schuldenkrise
Wieviel Kapital brauchen Europas Banken?

Die Politik treibt die Banken in die Enge. Aus Angst vor einer Kettenreaktion der Schuldenkrise fordert sie mehr Eigenkapital, eine Quote von neun Prozent ist im Gespräch. Nun schaltet sich auch die Bankenaufsicht ein.
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Die europäischen Aufsichtsbehörden und die Politik erhöhen den Druck auf die Banken. Sie sollen ihre Kapitalausstattung angesichts der verschärften Staatsschuldenkrise in Europa deutlich verbessern - und das könnte laut einem Bericht der „Financial Times“ auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent hinauslaufen. Dafür wolle die EBA den Geldinstituten sechs bis neun Monate Zeit geben, danach müsse der Staat Geld in die Banken pumpen, berichtet die britische Zeitung. Laut Schätzungen der US-Bank Morgan Stanley, auf die sich das Blatt beruft, müssten die Banken bis zu 275 Milliarden Euro aufnehmen, um die höhere Marke zu erreichen.

In den Basel-III-Regeln, die Kreditinstitute besser für mögliche Krisen wappnen sollen, war ab Anfang 2019 eine Kernkapitalquote von über sieben Prozent vorgesehen. Bei ihrem Banken-Stresstest im Sommer hatte die EBA noch eine Kernkapitalquote von fünf Prozent gefordert.

Und die Welle rollt. Die EBA verschickte gestern Anfragen an die Banken, um von den Instituten aktuelle Daten zu ihrer Eigenkapitaldecke und den Staatsanleihebeständen zu erhalten, wie eine Sprecherin der Londoner Behörde dem Handelsblatt bestätigte. Auf dieser Basis soll die EBA einen aktualisierten Stresstest durchführen. Und der wird schärfer ausfallen als noch im Juli - und das nicht nur wegen einer höheren Messlatte für die Eigenkapitalquote. Zum anderen müssen die Banken diesmal Finanzkreisen zufolge ihre Staatsanleihen auf deren Marktwert von Ende September abschreiben. Diese Vorgabe gab es im Juli nicht. Für den Fall der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands sollen die Banken zunächst aus eigener Kraft ihr Kapital erhöhen, etwa über einbehaltene Gewinne. Reicht das nicht aus, sollen die Institute auf staatliche Hilfen zurückgreifen.

Und neues Ungemach könnte den Banken von José Manuel Barroso drohen. Der EU-Kommissionspräsident will im Europaparlament Vorschläge für eine Stärkung der europäischen Banken machen. Wie Parlamentarier in Brüssel berichteten, dürfte der Behördenchef zudem Initiativen im Kampf gegen die gefährliche Schuldenkrise präsentieren, beispielsweise zur Stärkung des Krisenfonds EFSF. Barroso hatte bereits in der vergangenen Woche gesagt, die EU-Behörde werde Vorschläge zur Rekapitalisierung von Banken machen - und letztlich damit den Druck auf die Institute erhöhen.

Kommentare zu " Schuldenkrise: Wieviel Kapital brauchen Europas Banken?"

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  • Was für ein Wahnsinn - Barroso fordert Zwangskapitalerhöhungen - die ja genau von denjenigen kommen würden, die an der Sache Schuld sind: den überschuldeten Staaten. Das nennt man Gelddrucken, was theoretisch eben im Euro verboten sein sollte. Zum Thema, das die Banken Schuld seien: 2008 hat D unter 100 Mrd. für Bankenrettungen reserviert. Die Verschuldung des Staates D beträgt aber auch ohne die eigentlich erforderlichen Pensionsrückstellungen bereits über 2,5 Bio. (2500 Mrd.), von denen ca. 50 % (Personalkostenanteil) in die Taschen von Politikern und Beamten und damit deren Konsum oder Ersparnisse gewandert sind.
    Das einzige, was man Bankmanagern vorwerfen kann, ist nicht rechtzeitig die Lage erkannt zu haben - aber das gilt ja wohl für 99% der Bewohner dieses Staates. Profitiert haben hier wie in GR und überall die Staatsdiener, die jetzt geschickt auch noch den Rest des Bankensektors (die schlimmsten Banken waren die staatlichen Landesbanken etc.) unter ihre Kontrolle zwingen wollen, damit die Umverteilung bzw. die perfekte Mehrparteien-Planwirtschaft endlich vollendet wird.

  • Ich dachte, das Thema Planwirtschaft wie zu kommunistischen Zeiten haben wir erfolgreich überwunden.
    Nur weil sich unsere Politiker mit ihren Schuldenbergen verspekuliert haben, besinnen sich die Herren Jean-Claude Junker und Wolfgang Schäuble auf überholte Verhaltensmuster.
    Die Herren sollten den Weg für neue Köpfe aus der Privatwirtschaft freimachen. Sie haben ihre Ziele eindeutig verfehlt und Europa abgewirtschaftet.

  • Bafin ist je eine "Bankorganisation"! Was soll die dann finden?
    wie können wir das System ändern? Das ist doch die Frage. Hier eine Antwort: Duch ein offenes und transparentes Geld und Abrechnungssystem, welches alle Güter- und Warenbewegungen gegenüberstellt. Das hat enorme Auswirkungen auf die Ehrlichkeit, denn Ehrlickeit ist ein Folge der Transparenz. Das brauchen wir heute - sonst bleibt alles so wie es ist und nimmt hächstens ein bitteres Enden, denn wie sollen denn die Schulden zurückgezahlt werden. Ich empfehle leidenschaftlich gerne das Buch "Spielgeld - ein neues Wirtschaftssystem", denn dort finden sich "L ö s u n g e n" !!!

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